Selbstständigkeit 30.04.2010, 19:46 Uhr

Duft der Freiheit

Es gibt viele Wege, die in die Freiberuflichkeit führen: Überzeugung, Arbeitsplatzverlust oder Frust. Aus welchem Grund auch immer sich ein Ingenieur selbstständig macht, im Bereich von Konstruktion und Entwicklung stehen die Chancen gut. Um erfolgreich zu sein, müssen freiberufliche Ingenieure vor allem überzeugen können.

Bei Volker Freundt fiel die Entscheidung nicht über Nacht, vielmehr ist sein Entschluss, sich als freiberuflicher Ingenieur selbstständig zu machen, im Laufe der Jahre als Angestellter gereift. „Projekte wurden nicht immer zu meiner Zufriedenheit abgewickelt und vom Management Entscheidungen getroffen, die zum Teil für mich nicht nachvollziehbar waren“, blickt der Ingenieur des Maschinenbaus zurück. Sein letzter Arbeitgeber machte Freundt einen weichen Übergang in die Selbstständigkeit möglich. „Ich konnte Projektarbeit für etwa ein halbes Jahr mitnehmen.“

Aus dieser sicheren Position heraus eröffnete der 48-Jährige 2002 sein Ingenieurbüro in Stuttgart und siedelte dann nach in Freiburg im Breisgau um. Vf solutions bietet Projektlösungen zur Einführung, Migration, Stabilisierung und Optimierung von CAD- und PDM-Systemen in Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus. Den Schritt in die Selbstständigkeit bereut er nicht, zumal es „einen sicheren Arbeitsplatz in der heutigen Zeit ohnehin nicht mehr gibt“.

Projektarbeit bestimmt zusehends den Arbeitsalltag. Für Projekte werden zeitlich befristete Teams gebildet, die sich anschließend auflösen. Daraufhin dreht sich das Karussell von Neuem und Interessenten springen auf und wieder ab. Schon heute machen die extern Beschäftigten in Konzernen bis zu einem Drittel der Belegschaft aus. Zeitarbeiter verrichten dabei überwiegend Produktionstätigkeiten, und die Mitarbeiter von Ingenieurdienstleistern sind zwar höher qualifiziert, doch auch sie werden dort eingesetzt, wo Kunden Unterstützung brauchen. Die Königsklasse ist die Selbstständigkeit. Freundt dachte sich damals: „Mach dich selbstständig, dann kannst du deine Arbeit erledigen, wie du es für richtig erachtest.“

Gesagt, getan – und das erfolgreich. Kunden buchen ihn regelmäßig und empfehlen ihn weiter, sodass Freundt kaum neue Aufträge oder Kunden akquirieren muss. Dennoch hat er sich in einschlägigen Freiberufler-Datenbanken wie Gulp registriert, um „am Markt präsent zu sein“. Das einzige, was er an einer Festanstellung vermisst, sind die fortlaufenden Geldeingänge während Urlaub und Krankheit. Doch das sind Wermutstropfen, für die er seine lieb gewonnene Freiheit nie mehr aufgeben würde.

Selbstständigkeit in freien Berufen liegt voll im Trend. 2001 gab es rund 740 000 Selbstständige in Deutschland, 2009 waren es schon knapp über 1 Mio., teilt das Institut für freie Berufe an der Universität Erlangen-Nürnberg mit. Heilberufe, rechts-, steuer- und wirtschaftsberatende Berufe, naturwissenschaftliche und technische Berufe sind nach dem Einkommensteuergesetz die klassischen freien Berufe.

Rund 50 000 freiberufliche Ingenieure gibt es hierzulande, hinzu kommen etwa 15 000 beratende Ingenieure. „In wirtschaftlich schwierigen Zeiten steigt vor allem die Zahl derjenigen deutlich an, die sich nicht freiwillig selbstständig machen, sondern aus der Not drohender oder bereits eingetretener Arbeitslosigkeit“, weiß Willi Oberlander, Geschäftsführer am Institut für freie Berufe. Interessant sei, dass nicht wenige dieser Selbstständigen dazu neigen, bei wirtschaftlicher Erholung zurückzuwechseln in eine abhängige Beschäftigung.

Ergebnisse einer Befragung des Instituts zeigen, dass der Wunsch nach Unabhängigkeit und Eigenverantwortung sowie die Angst vor Arbeitslosigkeit zu den hauptsächlichen Gründen gehören, sich selbstständig zu machen. „Im Gegensatz zur abhängigen Beschäftigung spielt das Alter für die Selbstständigkeit eine nachrangige Rolle. Meist wird bei älteren Gründern ein größeres Erfahrungspotenzial vermutet. Auch für die Vertrauensbildung sind mehr Lebensjahre von Vorteil“, so Oberlander. Entscheidendes Kriterium für den Erfolg sei Berufserfahrung. „Ausbildungen und Studium sind Vorbereitungen auf den Beruf, aber in der Praxis liegt die eigentliche Nähe zum Markt und zur Nachfrage.“ In der Akquise seien Selbstständige mit mehr Berufserfahrung deutlich erfolgreicher als Junge.

Freiberuflichkeit von Ingenieuren hat rund um die Konstruktion gute Erfolgsaussichten. Das liegt daran, dass in der Produktentwicklung immer häufiger Software anstelle von Hardware eingesetzt wird. Mithilfe von dreidimensionalen CAD-Programmen lassen sich Produkte schneller, kostengünstiger und in einer besseren Qualität – etwa durch Simulationen – entwickeln. „Den Trend zur Freiberuflichkeit können wir bestätigen,“ so Stefan Symanek, Mitarbeiter von www.gulp.de, einer Auftragsvermittlungs-Datenbank für Selbstständige. Zumal viele Unternehmen zurzeit vorsichtig sind bei Neueinstellungen oder gar Einstellungsstopp herrscht, registriert Gulp eine starke Nachfrage nach Konstrukteuren.

Armin Steinke kennt sich aus in diesem Business. Der Ingenieur der Feinwerktechnik hat 1993 sein Studium abgeschlossen, war zwei Jahre angestellt, dann ging die Firma pleite und er suchte und fand sein Glück 1995 in der Selbstständigkeit. Der 49-Jährige entwickelt Geräte für die Analyse von chemischen Prozessen. Seinen Sitz hat er in Ettlingen bei Karlsruhe, und an Aufträge kam er über seine ehemalige Hochschule: Kommilitonen, Professoren und deren Kontakte in die Industrie. „Bis vor ein, zwei Jahren musste ich kaum Akquise betreiben, dann kam die Krise, es brachen Aufträge und Kunden weg und aus der Not heraus habe ich mich in unterschiedlichen Datenbanken eingetragen – und bereits erste Aufträge erhalten.“

Steinke hat festgestellt, dass ein freiberuflicher Ingenieur deutlich breiter aufgestellt sein muss, als ein angestellter. „Wir können nicht Konzepte abliefern und hoffen, dass alles gut geht. Unsere Ideen müssen wir über den gesamten Produktentstehungsprozess in der Praxis beweisen.“ Er entbehrt auch nicht die scheinbare Sicherheit einer Festanstellung und er mag seinen kreativen Job. Allein, Steinke vermisst es, an großen Projekten mitzuwirken. „Ich drehe kleine Rädchen allerdings mit hoher Präzision.“

Steinke und Freundt teilen einhellig die Meinung, dass freiberufliche Ingenieure vor allem eine hohe Überzeugungskraft brauchen, um dem Kunden zu sagen, dass man genau der Richtige für diesen Auftrag ist. Wer das kann, hat das beste Marketinginstrument.

PETER ILG

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