Start-up-Porträt 12.03.2010, 19:45 Uhr

Die Stadt als Spielbrett für die Verbrecherjagd  

Fünf Detektive jagen einen Ganoven durch die engen Gassen beim Alten Markt, hetzen durch die Fußgängerzone, laufen um Baustellen herum und gucken in Hinterhöfe. Die Position der Spieler erscheint auf dem Handy-Display und wird laufend aktualisiert. „Mister X mobile“ heißt das Spiel, das Informatiker der Uni Bonn entwickelt haben. Ende 2009 gründeten sie die Firma Qeevee. VDI nachrichten, Bonn, 12. 3. 10, sta

Basis von „Mister X mobile“ ist der Ravensburger Klassiker „Scotland Yard“. Die Züge auf dem Spielbrett werden hier allerdings durch reale Bewegungen in den Straßen der Stadt ersetzt. Nach zwei Jahren Vorlauf ist das Spiel bald im App-Store zu haben – gratis. Anfangs war es ein Nebenprodukt der Forschung, nämlich des Projekts „Adaptive Mobile Gaming“. Es ging darum, Software wechselnden Umgebungen und menschlichem Verhalten anzupassen.

„Schon der allererste Prototyp kam bei unseren Studierenden sehr gut an“, erinnert sich Qeevee-Geschäftsführer Holger Mügge. Und das, obwohl damals die GPS-Positionierung noch lange dauerte und die Akkus schnell erschöpft waren. Inzwischen läuft alles flüssig. Es bleibt allerdings ein eher urbanes Vergnügen: Auf dem Lande funktioniert die Ortung nicht ganz so lückenlos.

Man kann in verschiedenen Metropolen auf Ganoven-Jagd gehen: Die Stadtpläne basieren auf der freien Wiki-Weltkarte „OpenStreetMaps“. Hoch sind die technischen Anforderungen an die Geräte: Die sollten mit GPS, Kompass und Neigungssensoren ausgerüstet sein. Zur Zeit funktioniert es mit iPhones und Android-Handys. Später sollen Browser-basierte Versionen für Blackberry und Nokia dazukommen.

Man braucht also einige Freunde mit modernen Smartphones und sportlicher Kondition, denn die Hetzjagd ist wörtlich zu nehmen. Man verabredet sich, teilt die Rollen auf und legt die Regeln fest: Wie lange soll es höchstens dauern? In welchem Umkreis dürfen sich die Spieler bewegen? Nur zu Fuß oder auch mit Fahrrad, Bus und Bahn? Dann startet man das Spiel auf dem Qeevee-Server. Die Firma habe auch für einen größeren Ansturm vorgesorgt, versichert Mügge.

Für Spannung sorgen auch die elektronischen „Gadgets“, die als Münzen im Stadtplan versteckt sind. Zündet Mister X beispielsweise eine „Nebelkerze“, bleiben die Handys der Detektive für 30 Sekunden leer: Zeit, um wegzulaufen. Die Verfolger können sich aber z. B. mit einem „Screamer“ revanchieren: Dann stößt das Gerät des Schurken einen lauten Schrei aus. „Das führt auch schon mal dazu, dass die Leute auf der Straße denken: Was machen die eigentlich?“, so Mügge. „Da sich solche Spiele aber immer mehr verbreiten werden, wird man sich allmählich daran gewöhnen.“

Der noch sehr kleine Markt wächst schnell: Schnitzeljagden, virtuelle Rollenspiele, Stadtführer mit historischem Hintergrund. Nach Mügges Einschätzungen gibt es seit Anfang 2009 etwa zwei Handvoll ernstzunehmende Games, die der Forschungsphase entwachsen sind. In einem Jahr werde es eine ungemein größere Auswahl geben – und viel mehr Kunden, die technisch in der Lage sind, sich so die Zeit zu vertreiben.

Zu der größeren Auswahl will Qeevee selbst beitragen. Es geht um die Entwicklung eines Baukastens, sodass auch programmiermäßig weniger Versierte eigene Spiele daraus ableiten können. „Wir haben einen guten Kontakt zur Akademie Remscheid, die Fortbildungen für Lehrer macht“, so Mügge. „In diesem Jahr machen wir zusammen einen Workshop für Spielpädagogen in der Jugendarbeit.“ Denkbar wären aber nicht nur mobile „Serious Games“ mit Lerninhalten, sondern auch spielerische Werbeaktionen im Firmenauftrag. Solche Kundenwünsche umzusetzen, sieht die kleine Software-Schmiede als ihr Geschäftsmodell an. Das Ziel: eine Plattform zu haben, auf der man „in Serie“ produzieren kann. Also das, was bei PC- und Online-Spielen schon möglich ist.

Die Nabelschnur zur universitären Forschung wollen die Gründer nicht kappen. Alle fünf Gesellschafter und die freien Mitarbeiter haben ihren Job an der Hochschule – einschließlich der beiden Geschäftsführer Mügge und Mark Schmatz.

Zum Firmenstart hat das Gründer-Quintett 6000 € Startkapital zusammengetragen und als Rechtsform die Mini-GmbH gewählt. Eine „richtige“ GmbH kam nicht in Betracht – auch wenn das nötige Stammkapital in Höhe von 25 000 € vielleicht im Kreise der Mitgründer vorhanden gewesen wäre. „Wir wollten die Gesellschaftsanteile nach dem Engagement aufteilen – und nicht nach den finanziellen Möglichkeiten“, erklärt Mügge. Zudem hat die Mini-GmbH zur Zeit nur langjährige Vertragspartner. Bei ihnen müsse Qeevee Vertrauen nicht mehr durch eine solide Finanzbasis aufbauen.

Partner ist vor allem die Deutsche Telekom: Tochter T-Labs hat die Entwicklung von „Mister X mobile“ von Anfang an unterstützt und finanziert, Telekom-Tochter Gamesload bringt es bald auf den Markt. Ein weiterer Partner ist der Ravensburger Verlag. Es gebe eine Reihe von Brett- und Computer-Spielen, die mit einer mobilen Komponente angereichert werden könnten. Mügge: „Wir wollen die Leute nach draußen locken, dort gibt es etwas zu erleben.“ Qeevee soll jedoch ohne Kredit und Risikokapital nur allmählich wachsen. Das Ziel ist zunächst einmal, aus den Umsätzen das Stammkapital aufzufüllen und eine „richtige“ GmbH zu werden. M. JORDANOVA-DUDA

www.qeevee.com

Von M. Jordanova-Duda
Von M. Jordanova-Duda

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