Gründer 18.01.2002, 17:32 Uhr

„Die mit dem Porsche“

Via Handy bildet die Yoc AG eine Schnittstelle zwischen Industrie und jungen Konsumenten – mobiles Marketing mit Spassfaktor

Wochenlang sind sie mit Gummistiefeln durch Bauschlamm gewatet. Sie haben dem Fließbandtakt der Autoproduktion gelauscht und das blutige Geschäft eines angeschlagenen Schlachthofes neu strukturiert. Bevor Patrick Chaillié und Dirk Kraus die Yoc AG gründeten, haben sie das Unternehmer-Sein sozusagen im Schnelldurchlauf gelernt. In der Sanierungsabteilung von Roland Berger brachten sie über drei Jahre lang vom Sinken bedrohte Firmen wieder auf Kurs. „Keine Krise, die wir noch nicht erlebt und überwunden haben. Die beste Schule für angehende Unternehmer“, so Kraus.

Der Wunsch, einmal das Ruder von vornherein selbst in die Hand zu nehmen, wurde immer größer. Bei einem Skiausflug platzte der Knoten. „Nichts ist schlimmer als ein Jagdhund, der immer an der Kette liegt“, beschreibt Chaillié den Hintergrund für den mutigen Entschluss. Schnell nahmen die Kollegen einen Sabbatical für die Formulierung des Business-Plans. Und trotz der voranschreitenden Krise bei den Technologie-Werten konnten Wagnisfinanzierer überzeugt werden. 3,78 Mio. Euro stellten die BMP AG, die Industrie-Management-Holding und die Deutsche Industrie-Holding bereit. „Die Investoren haben den Bedarf nach einer Schnittstelle zwischen Industrie und jungen Konsumenten über das Handy erkannt“, erklärt Kraus. Yoc stellt heute den Kontakt zwischen Konsumgüterherstellern, Fernsehsendern oder Verlagen auf der einen und jungen Nutzern auf der anderen Seite her – alles via Handy. So führt das Start-up ­ Abstimmungen über ein neues Verpackungsdesign durch oder schickt Ratespiele über Produkte auf das Display. Den Teilnehmern winken Preise.

Erstmalig kam die von Yoc entwickelte Abstimmungssoftware im Mai 2001 zum Einsatz – eine schrille Aktion sollte die Geschäftsaufnahme verkünden: Ein Porsche 911 baumelte am Potsdamer Platz in 50 Meter Höhe an einem Baukran. Per SMS sollten die Nutzer entscheiden, ob das Statussymbol zum Schrotthaufen werden solle oder ob einer der Teilnehmer es nach Losentscheid sein Eigen nennen könne. Fast 80 000 Handy­träger registrierten sich und stimmten mehrheitlich für das Ende des nagelneuen Männertraumautos. Über den Vollzug berichteten selbst CNN und das neuseeländische Fernsehen. „In diesen Sekunden hatten wir natürlich eine exorbitante Burnrate“, bekennt Kraus. Doch das mit kühlem Kopf geplante Ereignis – Autos polarisieren schließlich am stärksten – erwies sich als effektive PR-Arbeit. Schlagartig war Yoc bei der Nutzergruppe der 13- bis 29-Jährigen bekannt. Und auch das „Klinkenputzen“ in Unternehmen wurde einfacher. Lange Erklärungen über das Geschäftsmodell waren nicht mehr notwendig – „die mit dem Porsche“ kannte man nun.

Hunderte potenzielle Kunden haben die beiden Gründer besucht. „Man muss den Leuten manchmal richtig auf die Nerven fallen. Wenn man neun Mal abgebürstet wird, dann geht man eben ein zehntes Mal hin“, erzählt Chaillié. Diese Ausdauer hat sich rentiert. Der Fernsehsender Viva beispielsweise ließ mittels Yoc-Schaltung über einen Hip-Hop-Partyort abstimmen. Zuschauer der SAT 1 Comedy Banzai konnten mit Yoc-Technik SMS-Wetten abschließen. Auch Konsumgüter-Unternehmen wie Unilever, Nivea, Nike oder L´Oréal nutzten den Draht zu den jugendlichen SMS-Empfängern.

200 000 registrierte Nutzer erreicht die Yoc AG bereits direkt, weitere über Kooperationen. Durch ein werbefinanziertes kleines Heftchen, das in Kneipen ausliegt, soll die Gruppe der Teilnehmer ständig wachsen.

Konkurrenzlos ist der Service von Yoc jedoch nicht. Auch 12snap oder Mindmatics betreiben mobiles Marketing als Kerngeschäft, viele weitere Mobilfirmen bieten Marketing-Dienste nebenbei an. Dennoch wollen die Berliner spätestens ab Anfang 2003 profitabel werden. Die Ausgabenseite haben sie schließlich von Anfang an im Auge behalten. Statt in Start-up Anarchie zu arbeiten, strukturierten sie die Firma sofort in Abteilungen. Das lernt man schließlich auf der „Unternehmer-Schule“. SUSANNE ZIEGERT

 

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