Start-up-Portrait 23.01.2009, 19:39 Uhr

Die Masse wird zum Kreativdirektor  

Das Berliner Internet Start-up Jovoto geht neue Wege bei der Generierung und Vermarktung kreativer Ideen. Auf einer Internetplattform betreibt es „Crowdsourcing“: Alle findigen Köpfe sind aufgerufen, für Firmen neue Logos, Slogans oder Kampagnen zu entwerfen. Auf die besten warten Preisgelder – und ggf. ein Auftrag. An Erfahrung gewinnen alle. VDI nachrichten, düsseldorf, 9. 1. 09, sta

Die Macher der Web-Plattform Jovoto behaupten selbstbewusst, dass sie die die Vermarktung kreativer Ideen revolutionieren werden. Ihre Grundidee ist einfach: Viele wissen mehr als Wenige – auch wenn es darum geht, die besten Ideen für ein neues Logo oder eine gute Werbekampagne zu entwickeln. Deshalb: Schaffe eine internationale Community aus Kreativen, lasse sie Ideen entwickeln und gemeinsam bestimmen, welche Ideen die besten sind. Crowdsourcing nennen Fachleute das.

Crowdsourcing kann sich für kreativen Nachwuchs lohnen

„Das Crowdsourcing wird sich als eine der wichtigsten Teildisziplinen in der Marktforschung und der Ideenentwicklung etablieren“, prognostiziert Thomas Schildhauer vom Institute for Electronic Business der Berliner Universität der Künste. Neben dem Einsatzfeld Marketing, so Schildhauer, gebe es Erfolg versprechende Ansätze, das Phänomen Crowdsourcing im Bereich des Innovationsmanagements zu nutzen. „Unternehmen wie Procter & Gamble, IBM und andere nutzen diese Methodik bereits sehr umfangreich. Sie wollen damit ihre produktive und kommunikative Kraft steigern.“

Der Crowdsourcing-Trend könnte sich für den kreativen Nachwuchs lohnen. „Den meisten Kreativen wird schon während ihres Studiums klar, dass die Einstiegsbarrieren in den Job in unserem Bereich verdammt hoch sind“, sagt Arturo Fernandez, Grafiker aus Barcelona. „Endlose Praktika mit viel Arbeit für wenig Geld sind da an der Tagesordnung.“

Die Jovoto-Plattform bot ihm eine willkommene Alternative. Der 29-Jährige war Mitglied der ersten Stunde. Als er sich anmeldete, hatte die Plattform gerade ihren ersten Wettbewerb ausgeschrieben: Gesucht wurde ein Jovoto-Logo. Also setzte er sich hin, entwarf ein paar Skizzen und veröffentlichte sie.

Wichtiger Teil des Modells ist, dass die Mitglieder ihre Ideen untereinander kommentieren und bewerten. Die innerhalb dieses Prozesses am besten bewerteten Einreichungen werden am Ende der Ausschreibung belohnt. Die besten zehn bis 15 Ideen teilen dabei Gewinnsummen von 5000 € bis 10 000 € unter sich auf.

„Grundsätzlich ging es uns darum, Kreativen die Möglichkeit zu bieten, sich selbstständig auf attraktive Ausschreibungen zu bewerben“, erklärt Jovoto-Gründer Bastian Unterberg. Ihm und seinem mittlerweile achtköpfigen Team gelang es innerhalb nur eines Jahres, die notwendige Infrastruktur zu schaffen. Nun mussten nur noch genügend Kreative gefunden werden. Auch das lief gut. „Schon heute, mit Abschluss der Testphase, haben wir Community-Mitglieder in über 60 Ländern.“

Angepeilte Kunden sind Unternehmen und Agenturen, die nach neuen Ideen für ihre Kampagnen suchen. Auch bei denen stieß die Idee sofort auf Interesse. Schon heute kann das Berliner Start-up auf Ausschreibungen namhafter Kunden zurückblicken. Dazu zählt neben Greenpeace, einer Landesbank und der Deutschen Bahn auch die PR-Agentur Publicis. Sie entwickelt Werbekonzepte für den Billigflieger Easyjet und suchte nach neuen Ideen für eine seit längerem laufende Kampagne. Der Output der Mitglieder übertraf die Erwartungen aller Beteiligten. In weniger als drei Wochen lieferte die Kreativ-Community weit über 200 Objektideen für die Kampagne, die mehr als 1700 mal von den Mitgliedern kommentiert und über 2800 mal bewertet wurden.

Die „Weisheit der Vielen“ bietet Mehrwert für Auftraggeber

„Interessant war, dass während des Wettbewerbs die Ideen, die für die Kampagne weniger geeignet erschienen, von den Plattform-Usern kollektiv auf die hinteren Plätze verwiesen wurden“, erinnert sich Unterberg. Gleichermaßen besetzten aussagekräftige Ideen stets die ersten 20 Plätze. „Das ist für uns ein klarer Beweis dafür, dass die Weisheit der Vielen in solchen Ausschreibung einen interessanten Mehrwert für die ausschreibenden Unternehmen schafft.“

Und das sehen auch die Kunden so. Gleich mehrere, der von den Community-Mitgliedern gestalteten Entwürfe wurden nach der Ausschreibung von Easyjet für die Kampagne erworben. Und das bedeutet realen Lohn für die Macher der ausgewählten Ideen. „Die Rechte an den Ideen bleiben auch nach den Ausschreibungen im Besitz des jeweiligen Community-Mitglieds und müssen bei Interesse seitens der Unternehmen von diesen erworben werden“, so Unterberg.

Jovoto finanziert sich durch Gebühren, die Unternehmen pro Ausschreibung zu entrichten haben, sowie durch eine prozentuale Beteiligung, wenn die ausschreibenden Firmen nach den Wettbewerben Ideen kaufen.

Der Kritik, fremde Ideen zum Dumping-Preis zu verkaufen und einen Großteil der Community leer ausgehen zu lassen, begegnet Unterberg gelassen: „Wir bieten ein faires Rechte-Management, adäquate Preisgelder und die Chance, Ideen zu veräußern.“

Arturo Fernandez sieht das ähnlich: „Die Kommentare und Bewertungen meiner Ideen durch die Mitglieder, sind für mich ein wertvoller Nebeneffekt. Ich bekomme kontinuierlich Anregungen, was ich besser machen kann.“

Die Community jedenfalls fand seine Entwürfe so gut, dass er den Wettbewerb um die Gestaltung des Jovoto-Logos gewann. Und nicht nur das: Die Macher der Plattform waren von seinen Ideen so angetan, dass sie ihm einen Job im Unternehmen anboten. Arturo Fernandez nahm an und arbeitet seit sieben Monaten in Berlin.

 

Ein Beitrag von:

  • Christoph Gabler

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