Gründer 14.05.1999, 17:21 Uhr

Die Gründerwelle im Osten ist verebbt

Die Mentalität unter Gründern in Ost und West ist ähnlich. Doch für Neugründungen in produzierenden Betrieben fehlt im Osten neben dem Startkapital oft das industrielle Umfeld.

Software für den elektronischen Handel im Internet, eine künstliche Leber aus Rostock und preisgekrönte Mikropipetten aus Dresden: Die Stars der ostdeutschen Gründerlandschaft heißen Intershop, BioPure und Gesim. Und mit der Softwarefirma Intershop konnte sich sogar ein erstes Unternehmen erfolgreich am Neuen Markt in Frankfurt/Main plazieren. Dort begeistert es seit einem Jahr technologieorientierte Anleger aus aller Welt.
Doch trotz der guten Vorbilder, Gründerwettbewerben und staatlichen Förderprogrammen: „Die Zeiten des Gründerbooms sind längst vorbei“, sagt Hans-Joachim Beyer vom Berliner Büro des Institutes der deutschen Wirtschaft (IW). Laut IW stagniert zwischen Rügen und Chemnitz, Erfurt und Frankfurt/Oder die Zahl der Neugründungen seit 1996 zwischen 140 000 und 150 000 pro Jahr. In den ersten Jahren nach der Wende entstanden dagegen noch bis zu 290 000 neue Firmen jährlich. Bei etwa 120 000 Konkursen und Abmeldungen blieb 1998 ein Saldo von 24 000 Unternehmen.
Damit hat sich die Gründerszene in Ostdeutschland normalisiert. In den ersten Jahren nach der Wende, so Peter Witte von der Außenstelle des Forschungszentrums Jülich in Berlin, seien noch besonders viele hochmotivierte Forscher aus den ehemaligen Instituten der DDR wie der Akademie der Wissenschaften und den Forschungsabteilungen der Kombinate auf die Idee gekommen, ein Unternehmen zu gründen. Die meisten Neugründungen hätten allerdings die Branchen der Versicherungsvertreter und Händler aufgefüllt, Bereiche also, in denen nur wenig Startkapital notwendig ist. Das Forschungszentrum Jülich betreut als „Projektträger Biologie, Energie, Umwelt“ (BEO) das Förderprogramm „Technologieorientierte Unternehmensgründungen in den neuen Bundesländern“ (Futour), das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) finanziert wird. Für Marktideen mit hohem Forschungsbedarf bietet Futour großzügige Zuschüsse.
„Diese Nach-Wende-Phase ist abgeschlossen“, sagt Witte. Heute kämen die technologieorientierten Gründer in den ehemaligen Ländern der DDR als Forscher von den Hochschulen und Instituten oder entschlössen sich, aus ihrem Job in einem Unternehmen heraus für die Selbständigkeit – genau wie im Westen. Die meisten Gründer seien Mitte 30, ihre Situation habe sich derjenigen in den alten Bundesländern angeglichen: Wie im Westen hätten die Wissenschaftler und Ingenieure ihre Stärken bei der Technologieentwicklung. „Wissen über den wirtschaftlichen Bereich, die Einschätzung des Marktes und seine Entwicklung ist dagegen dünn.“
Angst vor Arbeitslosigkeit ist für die „technologieorientierten“ Unternehmensgründer selten ein Grund, ein eigenes Unternehmen aufzubauen. Die Gründer sind hochqualifiziert und die wenigen Arbeitslosen unter ihnen stecken schlimmstenfalls in einer „Lücke zwischen zwei Forschungsaufträgen“, sagt Witte.
Rund 160 Neugründungen und Unternehmen in den ersten drei Jahren, sogenannten Start-Ups, hat der Projektträger BEO seit 1993 betreut, 33 davon über das Programm Futour. Mehr als die Hälfte dieser Unternehmen kamen aus den Bereichen Biotechnologie und Biomedizin, auch die Neuen Materialien und Chemie machen eine hohen Anteil aus.
Die Unterschiede zum Westen sind vor allem materieller Art. Den Gründern fehlt privates Vermögen, um es in ihr neues Unternehmen einzubringen. Die privaten Vermögen sind im Osten sehr viel geringer als im Westen. Nach Angaben der Deutschen Bundesbank in Frankfurt am Main betrug das private Vermögen der Menschen in Ostdeutschland 1997 im Durchschnitt 163 000 DM. Im Westen dagegen 423 000 DM pro Kopf.
Neben dieser Kapitalschwäche macht den technologieorientierten Gründern die geringe Zahl der Industriebetriebe im Umfeld das Leben schwer. Ihnen fehlen sowohl kooperierende Firmen als auch Kunden in der Nähe.
Dementsprechend beklagt das Institut der Wirtschaft, daß 1998 nur 11 % der Neugründungen im produzierenden und verarbeitenden Gewerbe entstanden. Zwei Drittel der Gründer konzentrieren sich weiter auf Handel und Dienstleistungen, besonders Pflegedienste und Lernangebote im Softwarebereich sind laut Hans-Joachim Beyer gefragt. Selbst in der kränkelnden Bauwirtschaft engagierten sich mit 22 % noch doppelt so viele Menschen neu wie in der Produktion. Die meisten Gründungen befinden sich in der Nähe der Ballungs- und Industriezentren. Allein das Brandenburger Umland von Berlin und Potsdam sowie das Land Sachsen vereinen mit 350 000 Gründungen seit 1990 die Hälfte aller Gründungen in den neuen Ländern auf sich.

Pauschal-Vergleiche zwischen Ost und West hinken meist

Darum sagt Uwe Struck, langjähriger Begleiter von Unternehmensgründern, Unternehmensberater und ehrenamtlicher Coach in Unternehmensgründungswettbewerben: „Die Probleme der Gründer sind auf die Länder bezogen.“ Genau wie es Unterschiede gebe zwischen Schleswig-Holstein und Bayern, gebe es auch Unterschiede zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen. Aber pauschale Vergleiche zwischen Ost und West lehnt er ab: „Die Unterschiede sind nicht so gravierend, wie die Wessis es gerne hätten“, sagt der West-Berliner. Gründungen seien ein schwieriges Geschäft, das allen Technikern schwer falle – egal woher sie kommen. Verschiedene Länder böten mit ihrem Umfeld unterschiedlich gute Ausgangsbedingungen, aber Mentalitätsunterschiede? „Es gibt keine Unterschiede zwischen Ost und West“, ist er überzeugt. Dazu seien die Gründer mit Mitte 30 auch einfach zu jung, ihre wissenschaftliche Ausbildung hätten sie meist schon in der BRD durchlaufen.
MARCUS FRANKEN
Ein Star am Himmel ostdeutscher Unternehmer: „Intershop Professional Services“ in Jena hat es zum Marktführer für Shopping-Software im Internet gebracht.

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