Studie 05.02.2015, 12:00 Uhr

Deutsche VC-Branche wird international abgehängt

Die jüngste Ausgabe der globalen Marktstudie „Venture Capital Insights“ des Prüfungs- und Beratungsunternehmen EY dürfte die institutionellen Wagnisfinanzierer in Deutschland nachdenklich stimmen: Offensichtlich werden sie gerade vom Rest der Welt abgehängt.

In der Studie ist zu lesen, dass sich die Branche 2014 weltweit sehr positiv entwickelt hat. Das Funding erreiche Volumina, wie sie zuletzt im Jahr 2000 gesehen wurden. Exits über die Börse seien zahlreicher und lukrativer als in den Vorjahren. Und die Investitionssummen seien auf neue Rekordwerte geklettert – über alle Unternehmensphasen hinweg. Zwischen Flensburg und Garmisch-Partenkirchen war von alledem aber wenig zu spüren. Hier stagnieren die Zahlen auf niedrigem Niveau.

Laut EY-Studie flossen 2014 knapp 87 Mrd. Dollar in 6507 Deals – mehr als in jedem anderen Jahr seit 2000. Das Durchschnittsvolumen der Deals betrug 16,7 Mio. Dollar. Das langjährige Mittel liegt bei 14 Mio. Dollar. (Beachtet werden muss dabei, dass die Autoren den Begriff „Venture Capital“ weit definieren. Einbezogen sind auch Deals, die in Deutschland tendenziell dem Bereich Private Equity zugeordnet werden.) Vor allem die Zahl der „Megadeals“ stieg laut EY kräftig: 309 Unternehmen sammelten 2014 mehr als 50 Mio. Dollar ein. Im Vorjahr waren es nur 141. Bryan Pearce, oberster VC-Experte bei EY, wertet dies als Zeichen für eine fundamentale Veränderung in der Beteiligungsfinanzierung: „VCs investieren stärker in Unternehmen, die näher am Exit sind.“ Die entstehende Lücke in den früheren Phasen werde von Business Angels besetzt.

Laut EY-Studie schlägt das Herz der globalen VC-Industrie in den USA. Mehr als die Hälfte der weltweiten Deals wurden hier abgeschlossen (3682). In Europa waren es 1460. Innerhalb der USA spielt die San Francisco Bay Area, also dem Gebiet rund um das Silicon Valley, die Hauptrolle. Dort wurden in 2014 rund 24,8 Mrd. Dollar investiert. Zum Vergleich: In ganz Deutschland waren es im selben Zeitraum nur knapp 2,9 Mrd. Dollar. Schwacher Trost: In Großbritannien (2,7 Mrd. Dollar) und Frankreich (1,3 Mrd. Dollar) waren es noch weniger.  

Für 2015 erwarten die Autoren, dass der weltweite Branchenaufschwung anhält – zumindest in den USA und in Fernost. In Bezug auf Europa wollen sie sich nicht festlegen. Hintergrund ist die Eurokrise und Unsicherheit im Hinblick auf die künftige Geldpolitik.

Von sta

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