Gründer 17.11.2006, 19:25 Uhr

Datenberge für Jahrhunderte gesichert  

VDI nachrichten, Jena, 17. 11. 06, sta – Josef A. Kickartz hat ein Laserverfahren entwickelt, mit dem sich digitale Dokumente in ein nur 3 µm großes Raster auf Mikrofilm übertragen lassen – verzerrungsfrei und in Farbe. Was zunächst anachronistisch klingt, könnte Datenarchive zukünftig deutlich billiger und vor allem auch haltbarer machen.

Mikrofilm? In Zeiten von Gigabyte-Festplatten in Discount-Rechnern klingt das nach Vorkammerdiesel in der Formel 1. Und fast hatten Josef A. Kickartz und Rolf Linnemann ihre Idee auch verworfen. Fast wären ihre Farblaser, die große Datenmengen direkt vom Rechner auf Mikrofilm bannen können, nie zum Einsatz gekommen. Als der Siegeszug der digitalen Speicher begann, sah es so aus, als seien jahrelange Entwicklungsarbeiten vergebens gewesen.

Doch dann häuften sich Berichte über Computerviren, Datenverluste, mikrobenbefallene CDs und die hohen Kosten, die archivierten Daten bei Systemmigrationen verursachen. Gerade wo Dokumente über Jahrzehnte verfügbar bleiben müssen (etwa Patientenakten in Kliniken oder Konstruktionspläne von Flugzeugen) stöhnen Archivare über das „digitale Desaster“. Die ständige Weiterentwicklung von Betriebssystemen, Speicherformaten und Programmiersprachen lässt archivierte Daten schon nach wenigen Jahren so alt aussehen, dass sie nur unter Mühen lesbar bleiben.

„Experten der US-amerikanischen Hurwitz Group schätzen, dass es im Schnitt 1,7 Mio. $ jährlich kostet, ein Terabyte Daten verfügbar zu halten“, rechnet Kickartz vor. In 30 Jahren kämen so 51 Mio. US-$ zusammen. Dagegen sind Mikrofilme trotz hoher Herstellungs- und Materialkosten vergleichsweise billig. Laut Kickartz kostet ein Terabyte auf Film etwa 3 Mio. US-$, wobei das Material 500 Jahre hält und Viren und Fälschern keine Chance lässt.

Vor diesem Hintergrund realisierten die beiden Gründer, dass ihre Entwicklung der Schlüssel zu effizienteren und sicheren Langzeitarchiven ist. „Unser Verfahren erlaubt es, mit Farb-Lasern direkt auf Mikrofilm zu schreiben und zwar verzerrungsfrei in fast 8000 dpi Auflösung“, berichtet Kickartz. Damit ließen sich Röntgenbilder, EKGs oder Konstruktionspläne in DIN A0 Format auf engstem Raum speichern und jederzeit per Scanner wieder digital verfügbar machen – egal, welches Betriebssystem oder Datenformat gerade aktuell ist.

Maximal finden auf den Mikrofilmen Flächen von vier mal fünfeinhalb Metern Platz. Um derart große Formate präzise zu verkleinern, bedienen sich die Entwickler verschiedener Tricks. So werden die Filme beispielsweise auf der Innenseite einer Halbtrommel belichtet. Dadurch bleiben Verzerrungen aus, wie sie etwa auftreten, wenn ein Lichtprojektor Bilder auf eine schräge Wand wirft. Auch kleinste Vibrationen, die das scharfe Abbilden von Daten vereiteln würden, werden ausgeschlossen. Dazu wird das aus mehreren Farb-Lasern entsandte Licht über einen luftgelagerten Spiegel auf den Film gelenkt. Die Pulse berechnet eine eigens entwickelte Software. Sie steuert die Laser so, dass sie die Daten Zeile für Zeile in ein 3 µm großes Raster übertragen. „Mit speziellem Filmmaterial wären noch feinere Auflösungen möglich“, so Kickartz. Und auch mit der bisherigen Ausgabe von 40 belichteten Filmen pro Stunde, was fast 16 000 DIN A4 Seiten oder 980 DIN A0 Plänen entspricht, sei das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht.

Kickartz und Linnemann starten mit ihrem Verfahren gegenwärtig einen zweiten Gründungsanlauf, nachdem sie mit ihrem ersten Unternehmen scheiterten. Ein Investor hatte ihnen vertraglich 3 Mio. € zugesichert, dann aber doch nicht gezahlt. „Das Ganze hat nicht nur Geld und Nerven, sondern auch viel Zeit gekostet“, erklärt Kickartz. Deshalb will er nun möglichst bald durchstarten, bevor der technologische Vorsprung aufgebraucht ist. Den Kapitalbedarf für den Neustart schätzt er auf etwa 1 Mio. €, wobei in der ersten Phase auch schon 0,65 Mio. € helfen würden, um durch den Bau von Prototypen der Maschine die Voraussetzungen zum Einwerben weiteren Venture Capitals zu verbessern. „Unsere Hard- und Softwarezulieferer von der ersten Gründung stehen nach wie vor Gewehr bei Fuß“, so der Gründer. Eine Kleinserienproduktion sei kurzfristig möglich.

Kickartz hält es für realistisch, dass Microfilm-Data-Safe schon Ende 2007 die Produktion aufnimmt. Die Unternehmer wollen sich dabei auf die Koordination der Zulieferer konzentrieren und selbst nur die Endmontage und Qualitätsprüfung übernehmen.

„Wenn wir nur ein Promille des Weltmarktes für Langzeitdaten gewinnen, die auf Mikrofilm archiviert werden, können wir in den ersten fünf Jahren 2000 Systeme verkaufen“, rechnet Kickartz vor. Der Umsatz bei dieser konservativen Rechnung: 500 Mio. €.

PETER TRECHOW

Von Peter Trechow
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