Gründer 18.08.2000, 17:26 Uhr

„Das Ticket ist die Banane im Internethandel“

Tickets sind leicht verderbliche Ware, meint Gaudia.com-Chef Zeinecker. Sein Start-up hilft, die Karten via Web schneller unters Volk zu bringen.

Seit Februar bietet das Hamburger Start-up seine Dienste an. Bereits mehr als 130 Veranstalter, vor allem kleine und mittlere, nehmen teil. Das System ist simpel: Die Veranstalter müssen nur einen Frame in ihre Website einbauen, über den sie mit dem Ticket-Manager, einer Gaudia-Datenbank, verbunden sind. Bestellt ein Kunde, gelangt seine Anforderung zu Gaudia. Je nach Wunsch, übernimmt Gaudia den Ticketversand samt Inkasso. Oder der Veranstalter wird per E-Mail über den Auftrag informiert, so dass er die gewünschten Karten an der Kasse hinterlegen kann.
Der Clou besteht darin, dass der Veranstalter weder teure Hardware noch komplizierte Software benötigt. Als Application Service Provider nutzt Gaudia.com die offene Infrastruktur des Datennetzes. Im Gegensatz zu proprietären Systemen anderer Ticketveranstalter braucht der Kunde lediglich einen normalen PC mit Netzanschluss, den die Veranstalter gegen eine Gebühr zur Verfügung gestellt bekommen.
Eine Standardversion des Ticket-Managers ist auf der Homepage des kleinen Hamburger Abaton-Kinos integriert, wo die Filmaufführungen mit kurzen Inhaltsangaben abzufragen sind. Aufwändiger ist die Website des Fußballclubs 1. FC St. Pauli. Das Störtebecker-Design ist auf die Bestellrubrik übertragen worden. Hölzerne Schiffsdielen und Piratenflaggen vermitteln das Gefühl, Teil einer eingeschworenen Gemeinschaft von fußballfanatischen Raubeinen zu sein. Dass für einen Platz am Millerntor mitunter tief in die Tasche gegriffen werden muss, fällt dann nicht mehr so sehr ins Gewicht.
„Das Ticket ist die Banane im Internet“, erläutert Gaudia-Geschäftsführer Christoph Zeinecker, „ein extrem leicht verderbliches Gut.“ Der 31-jährige Gründer hat zuvor als Marketing Director bei BMG Ariola Miller und als Senior Consultant für Jungunternehmen im Kölner Mediapark gearbeitet. Zu den grundsätzlichen Fragen, für die Zeinecker sich bei der Firmengründung von Gaudia im Oktober 1998 nicht zuletzt gegenüber den Risiko-Kapitalgebern von Earlybird und 3i zu verantworten hatte, zählte: „Wie komme ich an die Tickets, ohne das Risiko eines Veranstalters zu tragen?“ Bleibt der auf seinen Karten sitzen, ist es schnell um ihn schlecht bestellt.
Gaudia beauftragte zunächst Infratest Burke damit, eine Studie über das Marktpotenzial zu erstellen. Sie brachte Erstaunliches zu Tage: Nur 5 Mio. von 470 Mio. Eintrittskarten werden bislang über das Internet gebucht. 30 % des Gesamtaufkommens werden durch elektronische Systeme abgedeckt, wie sie bei herkömmlichen Theaterkassen zu finden sind. Davon übernimmt der größte Kartenanbieter CTS etwa die Hälfte. Innerhalb der nächsten zwei Jahre prognostiziert die Studie ein Wachstum des Online-Kartenverkaufs von im Schnitt 20 %.
„Das Ticket soll dort verfügbar sein, wo der Endkunde es nachfragt“, lautet das Credo von Zeinecker: „Es gibt nur zwei Gründe, warum ein Ticket online gekauft wird. Erstens weil es ein knappes Gut ist, und zweitens weil die Bequemlichkeit zählt.“ Dementsprechend verfolgt Gaudia.com das Prinzip der Diversifizierung. Nicht bei zentralen Ticket-Portalen sieht man die Marktchance, sondern auf den vielen Homepages der einzelnen Veranstalter. Zu denen zählen nicht nur American-Football-Clubs, sondern auch Bildungswerkstätten und Musical-Theater.
Doch die Konkurrenz schläft nicht: CTS Eventim betreibt ebenfalls Online-Ticketing. Und in der Diversifizierung sieht man auch dort eine Chance. Im Gegensatz zu Gaudia tritt CTS Eventim als eigenes Ticket-Portal auf, über das sich bundesweit Karten für Großveranstaltungen buchen lassen. Durch Kooperationen mit Veranstaltern soll sich, wie Sprecher Perry Reisewitz erläutert, ein Markt im Online-Segment etablieren: „Eine große Marktpräsenz muss gegeben sein, damit sich etwa Tina Turner für uns als Kartenanbieter interessiert“.
Eigentlich verwundert es ein wenig, dass sich der Ticketverkauf via Datennetz noch nicht weiter durchsetzen konnte. Immer noch herrscht bei Surfern Angst vor Datenmissbrauch. Künftig wird sich aber der Ticketmarkt in Richtung Online-Abwicklung verschieben, aus Rationalisierungsgründen. Ab Oktober wird eine Einzelplatzbestellung über das Internet bei Gaudia möglich, und auch über virtuelle Tickets, die man am heimischen PC ausdruckt, wird bereits nachgedacht. H. MERSCHMANN
Im 6. Teil unserer Serie „Start-ups verändern die Wirtschaft“ lesen Sie nächste Woche: Deuromedia – alles auf einem Schirm.
Bisher erschienen: Work-Center – Ingenieure werden an die Maus genommen (Nr. 29/ 21.7.00); Kiwilogic – Das Internet zum Sprechen bringen (Nr. 30/ 28.7.00); Yoolia – Die Formel zum Online-Kunden (Nr. 31/ 4.8.00); Matchbid – Handelsplattform reduziert Kosten für Lager und Logistik (Nr. 32/ 11.8.00)

Von H. Merschmann
Von H. Merschmann

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