Innovation 14.08.2009, 19:42 Uhr

Damit aus Erfindungen Geld wird  

Nur die wenigsten Patente münden in neuen Produkten. Ein Grund dafür ist, dass es den Urhebern an Geld und Know-how für die Vermarktung fehlt. Helfen will die Beratungsgesellschaft Erfinderdienst. Die Hamburger sammeln gerade privates Kapital ein. Ihr Erfinderfonds I soll mit mindestens 40 Mio. € gefüllt werden. Den Anlegern werden zweistellige Renditen in Aussicht gestellt. VDI nachrichten, Düsseldorf, 14. 8. 09, sta

„Unsere Zielgruppe für Investitionen sind vor allem kleinere Firmen und private Erfinder“, erklärt Volker Weber, Geschäftsführer der Beratungsgesellschaft Erfinderdienst mbH, Hamburg. Deren Geistesblitze blieben noch zu oft ungenutzt. Weder die Patentverwertungsgesellschaften der Hochschulen noch die Patentfonds großer Banken würden die Ideen auf dem Weg zur Marktreife unterstützen. Diese Lücke will der Erfinderfonds I schließen. Das nötig Geld sollen Privatanleger liefern. Deren Mindesteinsatz am geschlossenen Fonds beträgt 20 000 € – zuzüglich 5 % Agio.

Laut Fondsprospekt könnte das ein lukratives Geschäft sein. Schließlich würden bislang nur ca. 3 % der jährlich mehr als 60 000 in Deutschland angemeldeten Patente als lohnenswerte Innovationen erkannt und vermittelt. Gleichzeitig werden immer mehr Patente international gehandelt. Im Jahr 2000 lag das Handelsvolumen bereits bei 100 Mrd. $. Laut einer Schätzung der Deutschen Bank soll es bis 2010 auf 500 Mrd. $ wachsen.

Wie aber will Erfinderdienst die Perlen aus der steigenden Patentflut fischen? Die Fondsinitiatoren verweisen auf ihr weit verzweigtes Netzwerk. Um aussichtsreiche Ideen oder Rechteinhaber ausfindig zu machen, würden so genannte Patentscouts eingesetzt. Wichtige Vermittler zu den Erfindern seien zudem Anwaltskanzleien sowie Wirtschafts- und Steuerberatungsbüros. Weber: „Unser Bekanntheitsgrad ist unter anderem durch den Besuch von Messen bereits gewachsen. Offensichtlich spricht sich diese neue Form der Finanzierung in der Erfinderszene schnell herum. Es gibt schon reichlich Interesse.“

Mit Hilfe eines Wettbewerbs für Erfindungen und Patente will der Erfinderfonds zusätzlich auf sich aufmerksam machen. „Jeder, der eine bereits weit gediehene Idee hat, wird diese bei einer Patentverwertungsgesellschaft vorstellen. Die werden sich dann in aller Regel mit uns in Verbindung setzen. Natürlich steht es jedem Erfinder frei, sich auch direkt an uns zu wenden“, so Weber.

Eine Fach-Jury überprüft dann im Auftrag des Erfinderfonds I das Innovationspotential der Erfindungen. Leiter des Komitees ist Klaus Wucherer, ehemaliger Zentralvorstand für Innovation der Siemens AG. Weitere Mitglieder sind Hans-Peter Beck, Vorstand Energiesystem- und Prozesstechnik am Energie-Forschungszentrum Niedersachsen (EFZN), Michael Braungart, Professor an der Erasmus-Universität Rotterdam und Geschäftsführer der EPEA Internationale Umweltforschung GmbH in Hamburg und Carlo Jaeger, Ökonomieprofessor am Institut für Klimafolgenforschung der Universität Potsdam.

Die rechtliche Prüfung übernimmt die auf Patentrecht spezialisierte Kanzlei Eisenführ & Speiser. Sie checkt u.a. die verbleibende Laufzeit des Schutzrechts. Auch achtet sie darauf, ob die angestrebte Innovation mit dem Patent wirklich abgesichert ist. Nach Vorliegen aller Gutachten trifft der Erfinderfonds zusammen mit der Jury die Endauswahl.

Entscheidet der Fonds, ein Patent in die Förderung aufzunehmen, wird es laut Weber „veredelt“. „Wir ermitteln dazu die optimalen Nutzungsfelder des Patents und entwickeln Businessmodelle. Die Erfinder haben meist nur eine bestimmte Nutzung vor Augen.“ Um aus den Ideen am Ende marktfähige Produkte zu machen, strebt der Fonds Unternehmensgründungen an.

Um das neue Produkt bzw. die Firma bekannt zu machen, arbeitet der Fonds mit der Leipziger Markenkommunikationsagentur R.Si zusammen „Das geschieht, um dem Patent einen deutlichen Mehrwert zu geben. Wenn das erreicht ist, kann der Fonds seine Beteiligung verkaufen, zum Beispiel an Private Equity Gesellschaften“, erklärt Weber. Andere mögliche Käufer seien Industrie- oder Finanzunternehmen. Möglich ist aber auch die Erteilung eines Lizenzvertrages oder der Verkauf des Patents.

Die Stärken des Erfinderfonds gegenüber anderen Frühphaseninvestoren beschreibt Weber so: „Statt breit zu streuen, konzentrieren wir uns auf einzelne Projekte. Das ermöglicht es uns, den Geförderten vergleichsweise hohe Beträge zur Verfügung zu stellen.“ Nicht zwangsläufig bedeute eine geringe Diversifizierung auch ein höheres Risiko, unterstreicht Weber. Mit Hilfe eines strengen, mehrstufigen Auswahlverfahrens wolle der Erfinderfonds ausschließen, dass in die falschen Projekte investiert werde. Die aktuelle wirtschaftliche Situation begünstige den Einkauf der Patente. Es sei für Patentinhaber derzeit schwer, an Mittel für die Entwicklung der Patente zu gelangen. Der Erfinderfonds biete ihnen eine gute Alternative.

Mindestens 40 Mio. € will der Fonds einsammeln. Investiert wird ausschließlich dieses Eigenkapital. Die Fondsnebenkosten werden mit 6,56 Mio. € veranschlagt. Das entspricht einem Anteil von 15,62 % bezogen auf das Gesamtvolumen. Man erwarte eine Rendite von mehr als 10 % jährlich, heißt es im Wertpapierprospekt. Die Laufzeit des Fonds ist nicht begrenzt. Kündigungen sind erstmals Ende 2015 möglich.

Der Fonds hat in seinen Leitsätzen die „Veredelung“ von Erfindungen aus den Bereichen Rüstung, Gentechnologie oder Kernkraft ausgeschlossen. Vielmehr will man sich auf die Technologiebereiche Umwelt, Medien, Nano- und Biotechnologie konzentrieren.

JÜRGEN RÖTTGER

Ein Beitrag von:

  • Jürgen Röttger

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