Start-up-Porträt 18.02.2011, 19:51 Uhr

Daddeln für eine scharfe Sicht

Kinder vor der Konsole: Für die meisten Eltern ist dieses Bild ein Graus – vor allem dann, wenn der Nachwuchs bereits Sehprobleme hat. Anders verhält es sich, wenn Spiele der Caterna GmbH über den Monitor flimmern. Mit ihnen werden Fehlsichtigkeiten spielend korrigiert.

Bunte Ballons platzen lassen und entgegenkommenden Autos ausweichen: Kinder haben Spaß an den Games der Caterna GmbH. Dabei sind sie eigentlich „nur“ die nette Verpackung einer medizinischen Therapie. Sie sollen kleinen Patienten mit Amblyopie zu einer klaren Sicht verhelfen. Das Wesentliche passiert im Hintergrund: Dort laufen schwarz-weiße Balken über den Monitor und stimulieren das schwache Auge.

Amblyopie ist eine verbreitete Fehlsichtigkeit: Die Signale eines Auges werden im Gehirn nicht richtig verarbeitet und später ganz unterdrückt. Wird die Krankheit nicht in früher Kindheit behandelt, sind die Erwachsenen funktional einäugig. Die klassische Therapie ist Okklusion: Das starke Auge wird abgedeckt, um das schwache zu aktivieren. Meist muss das Pflaster viele Stunden am Tag drauf – und das über Jahre.

Ein an der TU Dresden entwickeltes Verfahren soll helfen, die Behandlung deutlich zu verkürzen und ein bisschen zu versüßen. Seit den 90er-Jahren experimentiert ein Team aus Neuropsychologen, Augenärzten und Informatikern mit Gittermustern, die in einfache Computerspiele integriert sind. Während Autorennen, Memory und Puzzles die Aufmerksamkeit der Kinder fesseln, wandern im Hintergrund Muster in bestimmter Frequenz über den Monitor.

Für verschiedene Amblyopiearten gibt es verschiedene geometrische Figuren. Nebenbei schulen die Spiele das räumliche Sehen, Lesen und Rechnen – alles Fertigkeiten, die die Krankheit oft beeinträchtigt. Das Konzept ist für Patienten von vier bis 14 Jahren gedacht. Die Altersuntergrenze hängt eigentlich nur davon ab, ob man das Kind bereits vor den Computer setzen und 20 bis 30 Minuten beschäftigen kann. Es wurden daher auch schon Dreijährige behandelt: Je früher die Therapie anfängt, desto besser.

Zwei klinische Studien, an denen unter anderem die Augenkliniken der TU Dresden und der Uni Hamburg beteiligt sind, haben dem Verfahren hohe Wirksamkeit bescheinigt. Die PC-Unterstützung könne im Schnitt doppelt soviel Zuwachs an Sehleistung wie die reine Okklusion im selben Zeitraum bringen. Auch bei sog. Stagnationspatienten, die seit langem keine Fortschritte machten, gäbe es Erfolge. Im Sommer 2010 haben fünf Mitarbeiter des Projekts „Spielen statt Schielen“ unter der Leitung des Neuropsychologen Uwe Kämpf die Caterna GmbH gegründet. Ihr Ziel: Dies als Standardbehandlung gegen die Amblyopie zu etablieren.

Seit Anfang des Jahres bietet Caterna Augenärzten an, Patienten spielerisch am PC zu schulen. Bis Ende Februar will das Start-up die ersten fünf Praxen unter Vertrag haben. „Wir sind nur Hersteller eines zertifizierten Medizinprodukts“, betont Mitgründer Nicolaus Widera, alles andere bestimme der behandelnde Arzt. Etwa wie oft und wie lange das starke Auge abgedeckt werden und welches Gittermuster sich das Kind anschauen soll. Die ersten zwei Wochen sollen die Kleinen jeden Tag in der Praxis spielen, damit die Wirksamkeit sofort kontrolliert werden kann. Danach bekämen sie ihre persönlichen Zugangsdaten zum Caterna-Server und können das individuell zugeschnittene Training zuhause am PC noch einige Wochen fortsetzen.

Das Geschäftsmodell sieht vor, Lizenzen an die Arztpraxen zu vergeben. „Der Arzt bekommt durch die Sehschulung und die Kontrolluntersuchungen ganz neue Erlösmöglichkeiten. Mit dem Pflaster lässt sich nicht viel verdienen“, sagt Widera. Für das Heimtraining sollen die Patienten bzw. die Eltern direkt an Caterna zahlen, wobei der Therapeut durch die regelmäßigen Kontrolluntersuchungen weiterhin eingebunden ist.

Die neuartige Sehschule ist eine IGEL-Leistung. Vermutlich übernehmen manche private Kassen die Kosten ganz oder teilweise, sagt Widera. Damit es mehr werden, will die Firma im Laufe des Jahres Gespräche mit den Privaten führen. Für die gesetzlichen Krankenversicherer wäre eine weitere klinische Studie unter Beteiligung der Kasse nötig. „Das können wir uns als junges Unternehmen gar nicht leisten“, so der Gründer. Doch er glaubt, dass der Wettbewerb die Kassen dazu bringen würde, sich zu profilieren und einzigartige Angebote in ihren Leistungskatalog aufzunehmen.

2009 und 2010 hat das Gründerteam mit Hilfe von Stipendien des Dresden-Exists und der Sächsischen Aufbaubank, sprich öffentlicher Förderung von Forschungstransfer, die Markteinführung vorbereitet. Es präsentierte sich auf verschiedenen Gründerveranstaltungen und Investorentreffen, entwickelte seinen Businessplan und kam bei den wichtigen Wettbewerben der Medizinbranche Science4Life und StartbahnRuhr unter die ersten zehn.

„Die Bewertungen der Juroren waren eine wertvolle Feedback-Quelle“, sagt Widera: „Wir haben unser Erlösmodell und unsere Zukunftspläne alle paar Monate komplett geändert.“ Der so perfektionierte Businessplan konnte auch VC-Geber überzeugen. Der Hightechgründerfonds (HTGF) und der Technologiegründerfonds Sachsen investieren in einer ersten Finanzierungsrunde gemeinsam rund 650 000 € Risikokapital.

Neben dem Ansturm auf deutsche Praxen will Caterna die Patentierung für den außereuropäischen Markt prüfen und neue Studien vorbereiten. Das nächste Produkt könnte bereits innerhalb von zwei Jahren ausgereift sein. Laut Widera soll es eine Art Lesetrainer für Patienten mit Makula-Degeneration werden. Die altersbedingte Krankheit verursacht einen wachsenden blinden Fleck mitten im Blickfeld. Heilen lässt sich das nicht. Patienten dürften aber für jede Verzögerung dankbar sein.

M. JORDANOVA-DUDA

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