Gründer 14.09.2001, 17:31 Uhr

Cybershopping leicht gemacht:Bestellschein kommt per E-Mail

Kunden geben an, von wem sie Werbung erhalten möchten und welche Produktgruppen sie interessieren. Die Hersteller schicken dann mit Hilfe des Emotions-Managers effektvoll auf­berei­tete Informationen. Zum Kauf genügt schließlich ein einziger Klick.

Wie war noch mal das Passwort? Welche Kreditkarte wird akzeptiert? Wo ist der Knopf zum Bestellen? Oder habe ich vielleicht schon geordert? Wer kennt sie nicht, die Leiden eines Online-Einkäufers? Manchmal scheint es einfacher, mal eben zum nächsten Händler zu gehen. Das haben sich auch die Gründer von Flamesystems, Werner Riess und Craig Mathias, gedacht. Aber anstatt das Internetshopping aufzugeben, machten sie sich daran, das System zu vereinfachen. Ihre Idee: Shopmails. Kunden werden direkt angeschrieben. Und ohne langes Passwortsuchen können sie ihre Bestellungen ganz einfach per Reply-Button aufgeben.

Allerdings sind nicht die Endverbraucher Zielgruppe des Start-ups, sondern Marketingverantwortliche. Flamesystems will für andere Unternehmen Direktmarketing via Web durchführen, also Werbesendungen, Kataloge und Einladungen gezielt an Kunden mailen. Die Software dafür hat Craig Mathias geschrieben. Sie heißt „Emotions-Manager“. Überzeugt hat sie unter anderem den Wagniskapitalgeber bmp. Die Berliner finanzierten die Entwicklung. Das Geld floss vor einem Jahr. Damit startete Flamesystems in einer Zeit, als die New Economy bereits am Boden lag. Dass das irgendwann passieren würde, war Riess immer klar. „Aber dass es so hart kommt, hätte ich nicht gedacht.“

Der 43-Jährige ist nicht neu in der Branche. Bis zur Gründung von Flamesystems war er freier Berater und davor Marketingleiter bei AOL. Für ihn ist seine eigene Firma bereits das dritte Start-up. „Und trotzdem macht man Fehler.“ Zwar war er immer der Überzeugung, dass sich auch im Internet die alten Business-Regeln wieder durchsetzen würden. „Aber ein wenig lässt man sich dann doch von der Euphorie mitreißen“, meint er.

Dass Flamesystems nur langsam in Fahrt kam, lag vor allem an den rechtlichen Rahmenbedingungen. In Deutschland dürfen Unternehmen ihren registrierten Kunden erst dann Werbematerial via Web zuschicken, wenn diese dafür ausdrücklich grünes Licht gegeben haben. „Da sich bis dato aber niemand mit Dialogmarketing im Netz beschäftigt hat, gab es kaum entsprechende Erlaubniserklärungen“, weiß Riess heute.

Das Angebot von Flamesystems reicht inzwischen von einfachen Text-Newslettern über HTML-Post mit Fotos und Texten, die zu den Seiten der Kunden verlinkt sind, bis hin zu Flash-basierten Mails. Letztere ermöglichen sogar das Verschicken kleiner Werbefilme.

„Der Vorteil beim Versand per Mail ist, dass man genau ermitteln kann, wer die Post geöffnet hat, wer antwortet, kauft oder vielleicht auch weiter empfiehlt“, sagt Riess. Die sogenannten Response-Raten – also Statistiken darüber, wie viele Menschen die Werbung wirklich erreicht hat – können dadurch viel präziser angegeben werden, als wenn man die verschiedenen Broschüren per Post verschickt. „In keiner anderen Marketingform wird einem so hart aufgezeigt, wie die Kommunikation ankommt“, meint Riess.

Aus dem Grund glaubt der Hamburger an seine Idee. Bis jetzt kommt zwar der größte Teil des Umsatzes noch aus dem professionellen Newsletter-Versand und der Bereitstellung der Software. Doch die Zukunft gehört den flashbasierten E-Mails. Aus verschiedenen Ecken der Musikbranche sei schon Interesse signalisiert worden. Und Firmen wie Cassiopeia oder die Haitech AG haben den Hamburgern bereits Aufträge für Messeeinladungen eingebracht.

Für die Versendung der Mails streichen die Gründer eine mengen- und inhaltsabhängige Gebühr ein. Der organisatorische Ablauf ist wie bei Dialogmarketing-Firmen außerhalb des Netzes. Die 15 Mitarbeiter von Flamesystems testen, versenden und erstellen Reportings, z.B. Response-Raten. Verlässlichkeit und Datenschutz sind oberstes Gebot für das Unternehmen. Kunden, die ihre Erlaubnis zurück ziehen, dürfen nicht noch einmal angeschrieben werden.

Für schwarze Zahlen reicht es noch nicht. „Ich schätze, dass es etwa noch ein Jahr dauern wird“, so Riess. Ob er es bedauert, den Berater-Job an den Nagel gehängt zu haben? „Nein. Auf keinen Fall.“ Aufregend und spannend sei es, neue Wege in alten Märkten zu gehen, so der studierte Volkswirt. Im Studium hat er sich intensiv mit Wirtschaftstheorien auseinander gesetzt. Und außerdem: „Auf eine schnelle Mark haben wir das Unternehmen von vornherein nicht ausgerichtet.“

INSA LIENEMANN/sta

 

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