Beteiligung 29.04.2011, 19:53 Uhr

„Crowdfunding wird Gründerszene stark verändern“

Wer gute Ideen hat, hat nicht unbedingt auch das nötige Geld, um sie umzusetzen. Das gilt für Gründer, Künstler oder soziale Weltverbesserer gleichermaßen. Auf Crowdfunding-Plattformen werben sie für ihre Projekte und bieten Jedermann Gelegenheit, sich finanziell zu beteiligen. Die versprochenen Renditen reichen von Kuchenstücken bis hin zu Unternehmensanteilen.

Die Internetgemeinde öffnet immer öfter die Schatullen, um Projekte zu finanzieren. Schon 113 Crowdfunding-Plattformen hat der aufs Social Web spezialisierte Unternehmensberater Leander Wattig weltweit aufgespürt – natürlich mit Hilfe der „Community“. Besucher seiner Webseite hinterlassen immer neue Links zu Plattformen, auf denen ein Jeder sein Erspartes kreativ arbeiten lassen kann.

Gijsbert Koren, Gründer des Weblogs SmarterMoney.nl, hat die Geldbewegung auf sieben großen Crowdfunding-Plattformen analysiert, die 80 % des Marktes abdecken. Resultat: Bis Ende 2010 hat die gesamte Community schon 1 Mrd. $ zusammengelegt. „Es hat weniger als fünf Jahre gedauert, diese Marke zu erreichen“, schreibt er. Bleibe es bei den aktuellen Wachstumsraten, werde bis Ende 2011 die 2-Mrd.-$-Grenze durchbrochen. Bis Ende 2012 rechnet der Beobachter mit einem Marktvolumen von 5 Mrd. $.

Innerhalb der Schwarmfinanzierungen ist Crowdinvesting ein junger Trend. Hier schmeißen die Massen ihr Geld zusammen, um Unternehmensgründungen zu finanzieren. Koren nennt in seinem Log über 30 Plattformen, an die sich Start-ups mit Finanzierungsanliegen wenden können. Der Niederländer sieht in solchen Seed-Finanzierungen aus der Masse die Zukunft für Gründer mit einem Kapitalbedarf zwischen 10 000 € und 100 000 €. Sie könnten ihr Geld von künftigen Kunden einsammeln und gleichzeitig ihre Pläne und Produkte einem großen Personenkreis bekannt machen. Koren vermutet, dass diese Möglichkeit zur dezentralen Geldbeschaffung tiefgreifende Veränderungen in der Gründerszene auslösen könnte.

„Bisher hieß das Mantra für Gründer stets Fokussierung. Dagegen können sich künftige Gründer mit schlanken Strukturen, Budgets und breit verteilten Risiken mehr oder minder spontan auf neue Abenteuer einlassen“, schreibt er. Der Schwarm der Crowd-funder und potenziellen Kunden würde in einer solchen Struktur also jene Köder finanzieren, denen er anschließend nachjagt.

Die Crowdinvesting-Plattformen spiegeln die ganze Bandbreite möglicher Gründungen. So suchen auf 33needs.com Gründer Kapital, um Häuser armer Leute in Peru zu isolieren oder in Afrika Energie- oder Bildungsprojekte anzuschieben. Dagegen geht es auf dem Portal 40billion.com weltlicher zu: eine Gründerin sucht 6000 $, um Material und Ausrüstung für ihre Haarverlängerungsfirma zu finanzieren. Geldgeber bekommen als Gegenleistung 20 % Rabatt auf ihre neue Mähne. Andere wollen ihre Restaurants ausbauen. Start-ups im engen Sinne werben auf der finnischen Crowdinvesting-Plattform venturebonsai.com, dem deutschen Portal Seedmatch oder bei growvc.com mit Sitz in Hongkong.

Growvc.com tritt an, um das „Virtuelle Silicon Valley“ zu schaffen. Start-ups aus aller Welt können sich und ihre Pläne hier über 8000 registrierten Nutzern weltweit vorstellen. Schaffen sie ihr selbst gesetztes Finanzierungsziel, besteht die Option auf Kofinanzierung aus einem 5-Mio.-$-Fonds, den die indische VC-Gesellschaft IndiaCo bereitstellt. Dem Gründer und CEO von Grow-VC, Valto Loikanen, schwebt vor, dass den Indern weitere VC-Investoren folgen. „Wir verhandeln mit zahlreichen Fondsmanagern weltweit“, berichtet er.

Zentrales Ziel von Grow-VC sei es, Beteiligungen an Start-ups so unkompliziert wie irgend möglich zu gestalten – ganz gleich ob für private oder professionelle Geldanleger. Loikanen hält die bisherigen Strukturen der Gründungsfinanzierung angesichts der Möglichkeiten globaler Vernetzung für überkommen und zu teuer. „Das nächste Silicon Valley wird kein Ort mehr sein, sondern eine Community, die sich auf einer Web-Plattform trifft“, ist er sicher.

Allerdings steht die Vielfalt an Crowdfunding-Plattformen dem Ziel einer effizienten Drehscheibe zwischen Kreativen und Geldgebern entgegen. Im Dickicht der 113 Portale geht der Überblick leicht verloren. Zumal die Bedingungen überall unterschiedlich und die Projektangebote oft nur skizzenhaft dargestellt sind. Auch die Renditen unterscheiden sich gewaltig. Mal locken die Gründer, Künstler oder sozial Engagierten mit Umsatzbeteiligung oder zumindest voller Rückzahlung der Beteiligung. Mal stellen sie selbst gebackene Kuchen oder Namensnennung in Filmabspannen in Aussicht. Und mal ist die Rendite rein ideell.

Letzteres ist auch bei dem Projekt der Leonhard gGmbH der Fall. Die beiden Gründer Maren Frowein und Bernward Jopen führen Strafgefangenen ins Unternehmertum ein. Häftlinge bekommen Schulungen, erarbeiten konkrete Geschäftsideen samt Businessplänen und werden von Studenten unterstützt. Nach der Entlassung helfen sie ihnen mit Unterstützung von Mentoren aus der Wirtschaft bei Reintegration und Arbeitssuche – oder eben bei ihrer Gründung. Erfahrungen ähnlicher Projekte im Ausland zeigen, dass derart vorbereitete Sträflinge nicht nur erfolgreich gründen, sondern vor allem sehr viel seltener rückfällig werden.

Um zu zeigen, dass ihr Ansatz funktioniert, führen Frowein und Jopen aktuell ein Pilotprojekt in einem bayrischen Gefängnis durch. 20 000 € wollten sie über die Crowdfunding-Plattform mysherpas.com besorgen. Geworden sind es ganz schnell 26 000 €. Als Prämie winken neben einer Spendenquittung je nach eingezahlter Summe ein ausführlicher Projektbericht oder der direkte Kontakt zu einem Teilnehmer, um dessen weiteren Weg als Gründer verfolgen zu können. PETER TRECHOW

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