Gründer 02.02.2001, 17:28 Uhr

Bildung auf die bequeme Art

Die harte Schulbank hat ausgedient. Gelernt wird heute am heimischen Schreibtisch oder im eigenen Büro. Fachliche Anleitung muss dabei nicht zu kurz kommen. Software und Content des Schweizer Jungunternehmens Viviance machen es möglich.

Der Mischkonzern ABB Asea Brown Boveri will bei 2400 Unternehmenseinheiten weltweit verstreut eine neue Finanzsoftware samt Managementprozess einführen. Ein Fall für Lernen über das Internet. Und: Ein Fall für den E-Learning-Spezialisten Viviance new education.
Egal, ob Schüler nachmittags auf dem Klett Lernportal www.klett-training.de Nachhilfe nehmen oder ob ABB-Führungskräfte sich weiterbilden: Das Schweizer Start-up mit derzeit 250 Mitarbeitern in zehn Ländern bereitet alles für E-Learning auf, vom Gedicht bis zur Finanzsoftware. Es fasst Themengebiete zu Lernmodulen zusammen, visualisiert Lernoberflächen und bindet die Inhalte in die hauseigene Online-Softwareplattform Thinktanx ein. Dazu übernimmt Viviance die gesamten technischen Anpassungen in unternehmenseigene Intranets bis hin zum Hosting der Plattformen.
Diese Gesamtpalette vermarkten Ursula Suter-Seuling (36) und Ignatz Heinz (30) unter dem Stichwort „Education Service Provider“. Die beiden deutschen Gründer haben 1996 auf einem Bauernhof zwischen Zürich und St. Gallen mit sieben Mitarbeitern angefangen. Für potenzielle Kunden wurden in den ersten Monaten keine Mühen gescheut: „Wenn Besuch kam, haben wir umgegraben und Blumen gepflanzt“, erzählt Suter-Seuling heute lachend. Noch immer arbeiten in dieser Idylle Designer und Programmierer. Schnell wurden jedoch repräsentative Büros in St.Gallen, dem heutigen Hauptsitz, und eine Villa in Potsdam, dem deutschen Standort, angemietet.
Beide Gründer kritisieren multimediale Lern-CD-Rom vehement. „Das ist immer noch Gutenberg mit ein bisschen Video“, beschreibt Heinz den Markt. Sie überlegten, wie sich modernes Lernen, das über Richtig/Falsch-Szenarien hinausgeht, technisch realisieren lässt. Schnell stand fest: „Wir müssen selbst eine Software schreiben und brauchen dafür Venture Capital.“ Nur Mitte 1998 war das in der Business- und Gründer-Welt nicht wirklich Thema. Ein Schweizer Investor beriet das Team, schickte es zum Geldsammeln in die USA – „das teuerste Flugticket in unserer kurzen Firmengeschichte“. Doch es hat sich gelohnt. In der ersten Finanzierungsrunde gab es 2,2 Mio. Dollar für die Entwicklung der Technologieplattform. Mitte 2000, als für viele Start-ups längst die Geldhähne zugedreht waren, flossen weitere 14 Mio. Dollar von 3i und der Vontobel-Gruppe. Akquisitionen und die Expansion in mehrere Länder, vor allem die Hauptmärkte USA, Deutschland und Großbritannien, standen auf dem Plan.
Viviance betreibt Lizenzgeschäft mit ihrer Thinktanx-Software, ist Full-Service-Dienstleister und geht Content-Partnerschaften ein. Letzteres Geschäftsfeld macht derzeit rund 40% aus. Hier wollen die E-Learning-Enabler zulegen und mehr Partnerschaften à la Klett eingehen.
Viviance konnte seinen Umsatz von 0,5 Mio. Dollar in 1999 auf 6 Mio. Dollar im vergangenen Jahr steigern. Zu Verlusten gibt es derzeit, mitten in den Verhandlungen zur dritten Finanzierungsrunde, keine Angaben. Beide Gründer halten jedoch am Break-Even Ende 2001 fest.
Auch noch in diesem Jahr ist der Gang auf das Parkett geplant – „wenn sich das Börsenumfeld erholt hat“. 150 Niederlassungen in aller Welt sollen aufgebaut werden. Während es weltweit rund 1000 E-Learning-Unternehmen gebe, sei man nach eigenen Angaben derzeit unter den Top 5 – als einziger Europäer. NIKOLA WOHLLAIB

 

Von Nikola Wohllaib

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