Unternehmensfinanzierung 18.11.2005, 18:41 Uhr

Belegschafts-Beteiligung steigert Firmenwert  

Fachwerkhäuser, Blumenkästen, rund 2500 Einwohner. Der größte Arbeitgeber in der Region ist die Homag AG. Das Maschinenbau-Unternehmen ist Weltmarktführer für Anlagen zur Holzbearbeitung. Firmengründer Gerhard Schuler nutzt seit Jahren ein Finanzierungsinstrument, dass viele Mittelständler bisher noch nicht als Alternative zum Bankkredit einsetzen: die Mitarbeiterbeteiligung.

Das Geld meiner Mitarbeiter ist mir tausendmal lieber, als das jedes anderen.“ Der 79-jährige Gerhard Schuler macht kein Hehl aus seiner Vorliebe für das Finanzierungsinstrument Belegschaftsbeteiligung. Und er hat Erfahrungen damit: Schon 1974 führte er das Modell ein, das bis heute nur geringfügig adjustiert wurde.

Anno dazumal hatte Schuler 200 Mitarbeiter auf seiner Gehaltsliste, heute sind es 4500, davon 4000 in Deutschland. Um möglichst wenig fremdes Kapital im Haus zu haben, kam Schuler auf die Idee, das angestrebte Firmenwachstum mit Geld seiner Beschäftigten zu finanzieren. Er bot ihnen an, als stille Gesellschafter in den Betrieb einzusteigen. „Schon im ersten Jahr haben sich etwa 90 % beteiligt“, erinnert er sich. Heute sind 98,2 % der Mitarbeiter auch Miteigentümer am Maschinenbau-Unternehmen, das zum Beispiel Ikea und viele große Küchen-Hersteller zu seinen Kunden zählt.

Und so funktioniert das Modell: Wer ein Jahr im Betrieb ist, kann sich bis zum Sechsfachen seines Monatslohnes am Unternehmen beteiligen. Bei einem 3000-Euro-Job immerhin eine nominelle Beteiligung von 18 000 €. Diese Summe muss der Arbeitnehmer seinem Arbeitgeber aber nicht überweisen, das Unternehmen gewährt dem Mitarbeiter ein Darlehen in Höhe der Beteiligung. Für diesen Kredit zahlt der Mitarbeiter 4 % pro Jahr. Die Tilgung erfolgt über den Beteiligungszins, der dem mitarbeitenden Miteigentümer zusteht. Auf diese Weise fließt jedes Jahr jedoch nur die Hälfte der Gewinne zurück ins Unternehmen, die anderen 50 % landen auf den Konten der Arbeitnehmer.

Bei einem negativen Ergebnis der Gesellschaft erhält der Beteiligte eine Verlustzuweisung. Das ist allerdings in den vergangen Jahrzehnten nur einmal geschehen: „1993 haben wir einen Verlust von rund 7 Mio. DM ausgewiesen“, berichtet Schuler. Der Einbruch der Konjunktur hatte alle Maschinenbauer getroffen. „Im darauf folgenden Jahr haben wir mit größter Selbstverständlichkeit für die Belegschaft die Wochenarbeitszeit von 35 auf 40 Stunden ohne Lohnausgleich heraufgesetzt und sofort wieder ordentliche Gewinne gemacht.“

Stille Gesellschafter, die gleichzeitig Arbeitnehmer und Unternehmer sind, sind eben hoch motiviert, loyal und produktiv. Für Schuler, der seit acht Jahren dem Aufsichtsrat der Homag vorsitzt, eine Kausalität: „Wenn ich Mitarbeiter haben möchte, die unternehmerisch denken und handeln, die Verantwortung tragen, muss ich sie auch an Gewinn und Verlust des Unternehmens beteiligen.“

20 % des gesamten Eigenkapitals der Homag (Umsatz 2004: rund 650 Mio. €, operatives Ergebnis: plus 26 Mio. €) gehören heute der Belegschaft: 20 Mio. €. Durchschnittlich hat jeder Mitarbeiter 20 000 € bei Homag angelegt. Führungskräfte mehr. „Die Banken erkennen das mittlerweile an, loben die Eigenkapitalbeteiligung unserer Mitarbeiter“, sagt Schuler.

Nicht nur die Geldinstitute sind Homag gewogen: Die Deutsche Beteiligungs AG ist ebenfalls mit 20 Mio. € bei der Firma voller Unternehmer engagiert. „Die Beteiligung der Belegschaft am Kapital ist eine Sicherheit, die den Wert des Unternehmens steigert. Das wird am Kapitalmarkt honoriert“, sagt Stefan Fritz von der Gesellschaft für innerbetriebliche Zusammenarbeit (GIZ) in Forchheim, die auf die Einführung von Modellen zur Kapitalbeteiligung von Arbeitnehmern spezialisiert ist.

„Das Instrument der Mitarbeiterbeteiligung eignet sich sicherlich nicht, um kurzfristig ein Finanzierungsproblem zu lösen“, so Fritz weiter. „Aber es ist ideal, um beispielsweise eine Finanzierung auf etwas sicherere Beine zu stellen, Nachfolgeregelungen zu erleichtern und eine zusätzliche Säule der Altersvorsorge für die Mitarbeiter aufzubauen.“

Gerhard Schuler jedenfalls ist so überzeugt von seinem Modell, dass er gerade ein Buch schreibt, um andere Unternehmer über diesen Weg zu informieren. Von der künftigen schwarz-roten Regierung erwartet er, dass Investitionen von Mitarbeitern in ihre Firmen steuerfrei gestellt werden.

JÜRGEN HOFFMANN

Von Jürgen Hoffmann
Von Jürgen Hoffmann

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