Gründer 06.04.2001, 17:29 Uhr

Barcelona zieht deutsche Kreative an

Wo Sonne, Meer und Strand sind, da lässt sich auch gut arbeiten. Das finden nicht nur spanische Gründer – auch immer mehr Deutsche wollen in der Hightech-Hochburg Barcelona Geschäfte machen.

Christopher Pommerening war schon immer ein großer Spanien-Fan. Für einen Deutschen nicht besonders ungewöhnlich. Aber der 27jährige Hamburger hat hier nicht seinen Ferienwohnsitz wie viele andere Landsmänner. Er startete vor zwei Jahren die spanische Tochter der europäischen Autoscout24-Gruppe, eine Gebrauchtwagen-Plattform im Internet, die zur Scout24-Gruppe gehört.
Weiterhin ist Pommerening Besitzer des in Barcelona ansässigen Unternehmen www.barcos24.com, ein Marktplatz für alles rund ums Boot, der mittlerweile auch in vier anderen europäischen Ländern präsent ist. Und sein nächstes Projekt in der spanischen Provinzhauptstadt? „Wir werden die spanische Scout24-Gruppe eröffnen. Neben Autoscout24 sind eine Job- und Kontaktbörse im Aufbau, weitere Plattformen sind geplant.“
Wer ein europäisches Netz aufbauen wolle, für den sei Spanien einfach der ideale Standort. „Die Infrastruktur ist sehr gut, das Klima und die Lebensqualität sind mit Deutschland nicht zu vergleichen. Zudem sind die Büro- und Arbeitskosten wesentlich niedriger als zum Beispiel in Hamburg.“
Diese mediterranen Vorteile haben auch andere Deutsche erkannt. Jüngst erst reiste eine Wirtschafts-Delegation aus Hamburg an, um sich selbst vor Ort von den Standort-Bedingungen für Kreative in Barcelona zu überzeugen.
Seit längerem besteht bereits ein reger politischer und unternehmerischer Austausch in Sachen Medien und Internet zwischen den beiden Städten. Einige Delegationsteilnehmer, wie zum Beispiel der IT-Dienstleister SinnerSchrader, das Venture Capital-Unternehmen Techno Nord sowie die PR- und Werbe-Agentur Faktor3, haben bereits ihr Interesse bekundet, Barcelona bei ihrer Internationalisierungsstrategie zu berücksichtigen.
Aber es sind nicht nur die Kunst, das Meer und die Kreativität der Stadt, die ausländische Unternehmen locken. Als eines der derzeit wirtschaftlich dynamischsten Länder ist Spanien für Deutsche aller Branchen ein wichtiger und wegen der niedrigeren Arbeitskosten immer noch billiger und attraktiver Investitionsstandort.
Zudem haben die Iberer gerade in Sachen Internetnutzung noch einiges nachzuholen. Gerade mal 28 % der spansichen Haushalte besitzen im Durchschnitt einen Computer, nur 14 % haben einen Internetzugang. Anders in Katalonien: Hier ist die Web-Zugangsrate um ganze 6 % höher. Bereits seit langem sind Schulen und Universitäten, die zu den besten des Landes zählen, am Netz. Kein Wunder, dass inzwischen 30 % des Gesamtumsatzes in der spanischen IT-Branche in Katalonien erwirtschaftet werden.
Diese Leistung ist vor allem Kataloniens Ministerpräsident Jordi Pujol zu verdanken. Bereits seit Mitte der 90er Jahre strebt er an, aus Barcelona das Silicon Valley Europas zu machen. 1,2 Billionen Peseten will er in den nächsten vier Jahren in seinen großen Traum investieren: Auf einem 2,5 Mio. Quadratmeter großen Terrain, einem ehemaligen Industriegebiet im Stadtviertel Poblenou, nahe am Mittelmeer gelegen, soll der Nukleus der europäischen New Economy entstehen. Die politische Plattform seiner Ambitionen nennt sich Barcelona Activa, mit über 100 Start-up-Firmen ebenfalls einer der größten europäischen Inkubatoren (www.barcelonactiva.es).
Bis jetzt haben bereits 40 IT-Firmen erklärt, dass sie sich auf dem plakativ 22@BCN genannten Gelände – 22 ist in Spanien eine administrative Kennzahl für Industrie – in Poblenou niederlassen wollen.
Neben Nortel Networks – die Kanadier wollen in Barcelona ein internationales Forschungs-Zentrum für das mobile Internet errichten – planen der spanische Telekom-Konzern Retevisión, Microsoft, Compaq und Intel dort gerade ein gemeinsames Web-Forschungs-Zentrum, das vor allem Internet-Lösungen für mittelständische Unternehmen entwickeln soll.
Aber nicht alles ist Gold, was glänzt. Die 1,5 Millionen-Einwohnerstadt Barcelona macht zwar sehr gutes Marketing und zieht dadurch auch immer mehr heimische und ausländische Kreative an, aber durch den enormen globalen Einbruch der New Economy ist die Lage für kleinere Start-ups auf dem spanischen Risikokapital-Markt sehr schwierig geworden.
„Es gibt kaum Business Angels,“ sagt Philipp Schroeder, Chef der Hamburger Risikokapital-Beratungs-Firma VC More. Diese seien aber gerade in der Anfangsphase als Helfer und Geldgeber nötig. Ein Grund, warum Schroeder auch eine Niederlassung von VC More in Barcelona gegründet hat.
Zwar gibt es große ausländische Kapitalgeber wie 3i. Aber diese sind wegen der anhaltenden Technologie-Krise nicht sehr offen für neue Internet-Projekte.
„Die Krise des Internets ist auch in Spanien überall zu spüren,“ sagt auch der Deutsche Andreas Lips, Geschäftsführer der spanischen Niederlassung der Web-Marketing-Firma Cyquest, zu deren Kunden unter anderen die Holtzbrinck-Gruppe gehört.
In Katalonien kommt das Problem hinzu, dass die Wirtschaft stark von Groß-Familien geprägt ist. Es gibt keine Venture Capital-Kultur. Juan Roure, Professor an der renommierten Business-School IESE: „Die Großeltern, Eltern oder Geschwister dienen meist als Kapitalgeber. Das ist ein Grund dafür, warum diese Region immer noch von mittelständischer Wirtschaft geprägt wird.“ Das große Geld sitze in Madrid, dort würden auch die strategischen Entscheidungen getroffen. Roure: „Katalonien ist dagegen das kreative Zentrum.“
Wie Barcelona-Fan Pommerening kommen auch die meisten anderen Unternehmen deswegen nicht darum herum, in Madrid ebenfalls eine Niederlassung zu öffnen. Auch das Sprungbrett nach Lateinamerika konnten die emsigen Katalanen trotz besten Marketing bisher nicht ans Meer verlegen. Roure: „Das ist ebenfalls ganz klar in Madrid.“ STEFANIE MÜLLER
http://www.barcos24.com

Von Stefanie Müller
Von Stefanie Müller

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