Unternehmensfinanzierung 12.07.2002, 18:20 Uhr

Babcock: Sortieren, entflechten, verkaufen

Der Konzern hat eine neue Führung, und die Beschäftigten sollen bald ihre ausstehenden Gehälter bekommen. Es gibt wieder Geld: Die Babcock-Mitarbeiter, für deren Firmen bereits Insolvenz beantragt wurde, sollen ab dem 22. Juli ihr Gehalt ausgezahlt bekommen. „Das entspannt die Situation – zumindest auf dem Konto“, kommentierte ein Mitarbeiter nach der Belegschaftsversammlung am Mittwoch. Auch bei seinen Kollegen machte er keine Katastrophenstimmung aus: „Die ersten Reaktionen waren: Es geht voran. Und die Signale stehen offenbar auf Sanierung.“

Als Signal wollte der neue Vorstandschef Horst Piepenburg (siehe Porträt links) auch seinen Auftritt vor der Belegschaft verstanden wissen. Erst zur Betriebsversammlung, dann zur Geschäftsführung – mit dieser Reihenfolge wolle er zeigen, dass die Beschäftigten für ihn Priorität haben.
Am Dienstagabend war der Düsseldorfer Rechtsanwalt vom Aufsichtsrat auf den Posten des Konzernlenkers berufen worden. In Oberhausen erwartet den erfahrenen Sanierer eine Herkulesaufgabe. Rund 300 Beteiligungen hält Babcock Borsig, mit Standorten von A, wie Achim, bis Z, wie Zweibrücken. Piepenburgs Job: Sichten, sortieren, entflechten – und verkaufen, wo möglich und sinnvoll. Unterstützt wird der 48-Jährige vom ebenfalls neu berufenen Finanzvorstand Helmut Balthasar. Im Vorstand bleiben Ludger Kramer und Gerd Woriescheck – eine Ankündigung, die von der Belegschaft mit Missmut aufgenommen wurde.
Der neue Vorstand steht unter erheblichem Zeitdruck. Einerseits hat er gemeinsam mit Insolvenzverwalter Helmut Schmitz zu prüfen, für welche Tochtergesellschaften ebenfalls Insolvenz beantragt werden muss. Auf der anderen Seite muss Piepenburg für frisches Geld sorgen, um das operative Geschäft weiterführen zu können. „Der Stillstand auf den Baustellen könnte teuer werden. Denn wenn wir die Termine nicht halten, drohen Konventionalstrafen“, erklärt Birgit Fahlbusch von der Krantz TKT in Bergisch Gladbach. Die Mitarbeiter jedenfalls stünden „Gewehr bei Fuß“, hätten teils ihren Urlaub verschoben, um den Rückstand aufzuholen.
Viele Fragen blieben indes auch der in Belegeschaftsversammlung unbeantwortet:
Stellenabbau: Wie viele Mitarbeiter entlassen werden, ist noch offen. NRW-Ministerpräsident Wolfgang Clement fürchtet, dass maximal 3000 der weltweit 22 000 Babcock-Arbeitsplätze verschwinden werden. Entlassungen wird es wohl vor allem bei der Babcock Borsig AG sowie der Babcock Borsig Power geben – und damit am Konzernsitz Oberhausen. Der Personalabbau an anderen Standorten im Nicht-Kraftwerk-Geschäft ist derzeit nicht abzusehen bzw. wird nicht so massiv ausfallen. Erhebliche Auswirkungen wird es auf die Zulieferer des Konzerns geben. Die IG Metall schätzt, dass der Wegfall eines Babcock-Jobs bis zu zwei weitere Jobs bei Zulieferen kosten wird. „Die Insolvenz der Babcock Borsig AG ist für die Metallbranche im Land ein riesiges Problem“, sagt Michael Jäger, Metallarbeitgeber-Präsident von NRW.
Sanierung: Babcock muss möglichst schnell Geld in die Kassen bekommen. Für das US-Geschäft liegt Babcock ein Angebot der Investmentgesellschaft One Equity Partners (OEP) 225 Mio. € vor. Daneben gebe es Offerten von anderer Seite für weitere Unternehmensteile, erlärte Piepenburg am Mittwoch. Er will versuchen, eine „Kernsanierung” der Gruppe zu bewerkstelligen.
Für den vergangenen Mittwoch erwartete der Babcock-Chef rund 15 Anträge auf Eröffnung von Insolvenzverfahren aus Babcock-Unternehmen. Piepenburg und Insolvenzverwalter Helmut Schmitz bezeichneten das Verfahren als ein schützendes Dach, das sich über den Konzern Babcock spanne, der „wehrlos am Boden liegt”.
Wichtigstes Datum ist der 31. August. Bis dahin – so kündigte Schmitz an – müsse er den Gerichten für alle insolventen Babcock-Firmen Gutachten vorlegen, die die Aussichten der Unternehmen einschätzen. Dann bestehe die Chance, dass die derzeitigen Insolvenz-Verwalter zu Sachwaltern würden, die das Unternehmen in eine ertragreiche Zukunft führen könnten.
Das alte Angebot der NRW-Landesbürgschaft für Babcock ist mit dem Insolvenzantrag hinfällig geworden. Ebenso gilt nun auch der Sanierungstarifvertrag nicht mehr, bei dem die Belegschaft auf 50 Mio. € verzichten sollte. Allerdings hoffen Schmitz und Piepenburg, bei einer Neuordnung der Gruppe Landes- und eventuell sogar Bundesbürgschaften erlangen zu können.
Der Konzern wird aller Voraussicht nach zerschlagen, auch wenn die IG Metall dies verhindern will. Firmen mit relativer Eigenständigkeit, die nicht in der Energietechnik arbeiten – Schumag, Krantz-TKT – können ohne die Mutter in Oberhausen vermutlich besser leben. Allerdings steht Krantz TKT schon seit drei Jahren auf der Verkaufsliste des Konzerns. Bisher fand sich kein Interessent für das kapitalintensive Projektgeschäft des Gebäudemanagement-Unternehmens.
Die Energietechnik, auf die sich Babcock nach einem Gutachten der Unternehmensberatung Roland Berger, künftig konzentrieren soll, ist vor allem durch den Auftragsbestand interessant. Wer dann die Firma übernimmt, kauft die Aufträge mit und fertigt sie im Zweifel in den eigenen Werkstätten.
Zur Energietechnik zählen die Großdampferzeuger, Abhitze- und Industriekessel, Rauchgasreinigung-Anlagen, Gasturbinen, Müllverbrennungsanlagen, Nukleartechnik und das Service- und Wartungsgeschäft. Babcock ist heute der einzige deutsche Großkesselbauer.
Konzernführung: Der neue Vorstand wurde neben dem Insolvenzverwalter installiert. Diese Lösung ermöglicht die 1999 reformierte Insolvenzordnung (siehe Rubrik links). Danach kann das Management – anders als im Regelverfahren – operativ stärker agieren. Trotzdem hat es nicht völlig freie Hand, sondern wird vom Insolvenzverwalter kontrolliert. Dieses Verfahren ist bei Juristen umstritten, da es dem Management viel Macht gibt. Allerdings ist die alte Führung nun zum Teil abgelöst – dies war eine wesentliche Bankenforderung. Ursprünglich sollte Steag-Chef Jochen Melchior den Konzern weiterführen. Doch Melchior sagte am Montag ab.
Als kleine Genugtuung wird die Belegschaft am Mittwoch eine Nachricht von Konzernbetriebsrat Heinz Westfeld empfunden haben: Ihr früherer Chef Klaus Lederer wird keine Abfindung erhalten. Lederer, der als Hauptschuldiger für die Krise gilt, hatte sich vor seinem Abgang den Posten des Vorstandschefs bei der HDW in Kiel gesichert.
M. ROTHENBERG/M. VOLMER

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