Medienhaus will digitaler werden 24.05.2013, 10:54 Uhr

Axel Springer setzt verstärkt auf Start-ups

Das Medienunternehmen Axel Springer will künftig noch stärker mit Start-ups kooperieren.

Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner setzt auf das Silicon Valley als Vorbild.

Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner setzt auf das Silicon Valley als Vorbild.

Foto: Werkfoto

Vorstandschef Mathias Döpfner erklärt im Gespräch mit Gründerszene: „Start-ups sind ein neuer Akzent in unserer M&A-Strategie. Es sind nennenswerte, aber keine riesigen Investments. Wir haben bisher auf etablierte Geschäftsmodelle und Spätphaseninvestments in Content-Portale, Vermarktungsunternehmen und Rubriken-Portale gesetzt. Wir haben in den letzten sieben Jahren damit das für uns so wichtige Digitalgeschäft aufgebaut. Klar ist aber: Wenn das frühere Randgeschäft von Axel Springer zum neuen Kerngeschäft wird, dann ist es wichtig, dass wir auch digitale Gründerkompetenz lernen und leben. Wir wollen daher nicht mehr ausschließlich auf die Akquisition von Unternehmen in Spätphasen setzen.“

Auch auf anderen Wegen will Döpfner Innovationen fördern: „Wir wollen mit dem Team von AS Ideas interne Ideen fördern, wir haben das Programm Media Entrepreneurs und unsere Beteiligung an dem Accelerator Plug & Play.“

Wichtig für die Strategie des Unternehmens sei das Beispiel des Silicon Valley. „Wenn es stimmt, dass Berlin die Chance hat, zum europäischen Silicon Valley zu werden und wir eine Art Digitalisierungsleitwolf in Berlin sind, dann finden wir es wichtig, dass wir einen Brückenkopf dort drüben haben. Deshalb haben wir den wichtigsten Journalisten, den besten Vermarkter des Hauses und den besten IT-Kopf entsandt. Mancher hat sich darüber gewundert: Was, die könnten etwas Wichtigeres zu tun haben als die Bild-Zeitung? Ja, denn es gibt keine höhere Priorität für uns als die Digitalisierung. Im März sind wir mit 80 unserer Top-Manager in der Economy Class nach San Francisco geflogen und haben in einem 2 Sterne Hotel im Doppelzimmer geschlafen. Das war uns wichtig, denn es geht darum, nicht in das Valley zu kommen mit der Geste des Besserwissers, sondern mit der Geste des Studenten, der etwas zu lernen hat.“

Auch wenn die Führungskräfte demnächst aus dem Valley zurückkehren, bleibe das Engagement des Verlags in den USA bestehen. Döpfner: „Wir werden immer wieder Kolleginnen und Kollegen entsenden, sodass in Zukunft immer zwei bis drei Leute von Axel Springer dort sind. Es soll eine permanente Position geben, die Frühphaseninvestments im Valley sondiert, und wir werden eine permanente Infrastruktur im Valley aufbauen, die vielleicht auch wächst. Insgesamt wird das Silicon Valley für uns also wichtiger.“

Berlin bleibe aber wichtig. „Wenn eine Stadt in Europa die Chance hat zu einer ähnlichen Kreativität wie das Silicon Valley zu finden, dann ist es sicher Berlin. Berlin ist kreativ, disruptiv, progressiv, plural, freiheitlich und zieht Talente an, die hier zu günstigen Bedingungen gut leben können. Ich bin ganz sicher, das Geld wird dem Geist folgen. Im Moment besteht Berlin nur aus Politikern, Staatsbeamten, ein paar Medienleuten, und allem was im Entertainment singt und springt. Geld gibt’s nicht. Nur Ideen und innovative Leute. Als nächstes kommt das Geld. Es werden sich neue Industrien entwickeln. Es entsteht Wertschöpfung und irgendwann auch Wertabschöpfung.

Auf die Frage von Gründerszene-Autorin Nora-Vanessa Wohlert, wie Gründer in den Kontakt mit Axel Springer kommen, antwortet Döpfner: „Media Entrepreneurs, Plug & Play, ein Anruf bei Jens Müffelmann, eine E-Mail an eine Führungskraft des Unternehmens. Ich glaube, es ist wirklich extrem einfach, mit uns in Kontakt zu kommen. Wenn jemand eine überzeugende Idee hat und das Selbstbewusstsein, kann er oder sie hier im Haus mit Sicherheit mit der Idee durchdringen.“ (sta)

Von Stefan Asche

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