Start-up-Porträt 19.11.2010, 19:50 Uhr

Auf lauten Sohlen über den Schnee

Bald kraxeln wieder Tausende Skifahrer auf die Berge. Die Moticon GmbH will dafür sorgen, dass möglichst alle wieder heil ins Tal zurückkehren. Das Start-up hat „SkiGo“ entwickelt. Das sind intelligente Schuheinlagen, die den Nutzer in Echtzeit über den optimalen Körperschwerpunkt informieren. Auch in anderen Sportarten soll die Sohle Fuß fassen.

Im Kopfhörer piepst es warnend: Zuviel Druck auf den Zehen! Neigt man sich dann stark nach hinten, schlägt es erneut Alarm. In Kurven gibt es sogar konkrete Anweisungen: „Belaste mehr den linken Fuß!“ Auf diese Weise will das Gerät „SkiGo“ aus Skifahranfängern in kurzer Zeit echte Brett-Artisten machen.

Möglich machen das Drucksensoren in den Schuheinlagen. Sie funken Daten an ein kleines Endgerät, das an der Jacke befestigt ist. Dieser Mini-Computer vergleicht den Ablauf mit den Bewegungsmustern von Profis – und gibt Feedback in Echtzeit.

Der digitale Skitrainer ist ein Kind der TU München. Entwickelt hat es ein interdisziplinäres Team aus dem Fachgebiet Sportgeräte und -materialien. Maschinenbau-Ingenieur Maximilian Müller entwickelte die mit Elektronik gespickte Einlegesohle. Informatiker Florian Zierer programmierte die Software. Elektrotechnik-Ingenieur Robert Vilzmann erarbeitete als Spezialist für Kommunikationsnetze mathematische Algorithmen, die die Bewegungsmuster der Skifahrer erkennen. Im Juni 2009 gründeten die drei die Moticon GmbH. Alle sind begeisterte Freizeitsportler. „SkiGo“ verfeinerten sie zunächst im Selbstversuch. Maximilian Müller habe es auch schon geholfen, den eigenen Fahrstil zu verbessern: „Ein paar Trainingsstunden haben mir gezeigt, dass ich zu stark auf den Fersen stehe.“

Zurzeit testet eine Skischule in Garmisch-Partenkirchen das System für die Massenanwendung. In der beginnenden Wintersaison will Moticon als Partner des Deutschen Skilehrerverbands es an weiteren Schulen vermarkten. Im Verband sind 270 Profischulen Mitglied. Etwa 350 000 Personen haben im letzten Winter an ihren Kursen teilgenommen.

Absolute Anfänger sollten sich nicht allein auf SkiGo verlassen. Nur wer die Grundlagen beherrscht, kann mit dem digitalen Trainer sicher auf den Brettern stehen. „Wir wollten etwas schaffen, das leicht zu bedienen ist und den Sportler nicht einschränkt“, sagt Vilzmann. Bisher gebe es nämlich nur Unterstützungssysteme für Profis. Diese verkabelten den Skifahrer von Kopf bis Fuß und beschwerten ihn mit einem Rucksack. Dabei werden die Bewegungsabläufe gefilmt und erst im Nachhinein ausgewertet. „Ski-Go“ dagegen gibt sofort Rückmeldung.

Ambitionierte Hobbysportler können die intelligente Einlage in der passenden Größe bald auch für den Eigengebrauch kaufen – für knapp 450 €. Moticon ist laut Vilzmann weltweit das erste Unternehmen, das mit einer kabellosen Druckmesssohle auf den Markt kommt. Die Sportindustrie zeichnete die Innovation mit ihrem ispo Brand New Award aus.

Die Konkurrenz schläft aber nicht. So entwickelt das Fraunhofer Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung zusammen mit der Uni Magdeburg ein System mit Hilfe von RFID-Chips, die an den Skiern kleben.

Die „Moticon“-Gründer haben aber auch noch weitere Pfeile im Köcher. „Wir waren total überrascht, wer alles auf uns zukommt. Sehr oft werden wir von Golfern angesprochen, die ihren Abschlag optimieren wollen“, so Vilzmann. Anfragen kämen außerdem von Surfern, Inlineskatern, Eiskunstläufern – alles Sportler, bei denen die richtige Körperbalance entscheidend sei. „Von der Hardware her ist es kein Problem, das System anzupassen“, so Vilzmann. Je nach Sportart sei es allerdings schwierig, die Daten idealer Bewegungsabläufe einzusammeln.

Die Körperhaltung ist aber auch im Rehabereich von Bedeutung, etwa für Menschen mit einem künstlichen Hüft- oder Knie-Gelenk. „Sie eignen sich oft einen Schongang an und belasten die Gelenke falsch. Spannend ist, ob sie mit Hilfe des Systems die alltägliche Bewegung neu erlernen können, damit die Prothesen länger halten“, so Vilzmann. „Wir arbeiten bereits mit einigen Universitätskliniken zusammen.“

Bisher sind die Gründer ohne Bankkredit und Risikokapital ausgekommen. Private Investoren haben das Spin-Off finanziert. Die Höhe des Startkapitals hält Moticon geheim. „Bisher brauchten wir keine Millionen und sind mit privaten Investments gut gefahren“, erklärt Vilzmann. Es werden weitere Finanzierer gesucht, die zwischen 10 000 € und 100 000 € beisteuern möchten.

Noch sichern Exist-Stipendien und eine Förderung aus dem bayerischen Flüggeprogramm den Gründern die Existenz. Die Firma hat keine Angestellten: „Wir konnten die Entwicklung komplett selbst abdecken, da wir aus verschiedenen technischen Bereichen kommen.“ Weil Moticon „SkiGo“ selbst produzieren und vertreiben wird, werde das Unternehmen aber bald auch Arbeitsplätze schaffen. Für das Angehen neuer Märkte gerade im Medizinbereich, so Vilzmann, läge auch der Gedanke an Risikokapital nicht fern.

MATILDA JORDANOVA-DUDA

 

  • Matilda Jordanova-Duda

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