Start-up-Porträts 12.10.2012, 19:54 Uhr

App AIVC: Mobile Assistentin hat immer ein offenes Ohr

„Alice, sag zu Hause Bescheid, dass ich später komme!“ Alice schickt eine SMS: „Schatz, ich komme später“. „Erinnere mich morgen um 8 Uhr an meinen Arzttermin!“ Alice macht einen Eintrag in den Terminkalender. Sie ist aber keine leibhaftige Sekretärin, sondern ein dienstbarer Geist aus dem Handy, programmiert von zwei Aalener Informatik-Studenten. Knapp 3 Mio. Nutzer haben bereits die Sprachsteuerungs-App heruntergeladen.

Auch der vernetzte Haushalt soll per Sprache gesteuert werden können.

Auch der vernetzte Haushalt soll per Sprache gesteuert werden können.

Foto: Telekom

Ob Alice, Susi oder Jasmin: Wem der Name AIVC (Artificial Intelligent Voice Control) zu sperrig ist, kann die persönliche Assistentin nach seinem Gusto benennen. „Sprechen Sie mit der AIVC wie mit einer normalen Person“, empfehlen ihre Erfinder Abdulmelik Su und Dhiren Kandhari. Am besten in ganzen, aber kurzen Sätzen. Die virtuelle Assistentin versteht Deutsch und Englisch, demnächst auch Französisch. Sie filtert Stichwörter aus der freien Rede und versucht, sie in Aktionen umzusetzen. „Wir nutzen die Spracherkennung von Google als fertigen Baustein“, sagt Su. „Man muss sie nicht trainieren. Allerdings merkt man schon: Wenn man länger mit ihr geredet hat, versteht sie einen ein bisschen besser“.

Voraussetzung ist ein Smartphone auf Android-Basis und eine ständige Internetverbindung: Die Sprachverarbeitung findet auf Servern statt. Direkt auf dem Gerät ist das wegen der geringen Prozessorgeschwindigkeit und niedrigen Speicherkapazität noch nicht möglich.

AIVC erhält überwiegend positive Bewertungen

Die erste App-Version veröffentlichten Su und Kandhari im Dezember 2012. Vorausgegangen war ein Studienprojekt. Die beiden sollten ein kleines Spiel programmieren. „Da haben wir von uns aus gesagt, wir versuchen es auch zusätzlich für Handys zu machen – und zwar für Android-Geräte, da wir selber solche haben“, sagt Su. Die Bibliothek der Hochschule Aalen bestellte für sie Lernvideos über Android-Programmierung. Die gefiel ihnen so gut, dass sie nach der ersten kleinen App eine weitere für Hörbücher herausbrachten. Damit hatten sie zwei Bausteine, Sprachein- und Sprachausgabe, parat. Was ließ sich damit alles machen? „Es wäre doch schön, wenn man sein Handy damit komplett steuern könnte!“

Auf die Idee sind mehrere Software-Entwickler gekommen, seit es Siri für iPhones gibt. Siri-Klone für Android-Handys, die auf Deutsch funktionieren, heißen Alicoid, Vlingo, Alpha usw. Sie sind kostenlos oder für kleines Geld zu haben. Fachmedien und Nutzer bewerten AIVC dabei überwiegend positiv. „Bis auf leichte Schwächen eine ausgezeichnete App, die unter Android der iPhone-Siri durchaus das Wasser reichen kann“, schrieb PC Welt. Einige Nutzer monieren Fehlermeldungen und Missverständnisse, für andere ist sie bereits „die beste App aller Zeiten“. Jedenfalls haben Su und Kandhari sie seit der Veröffentlichung ständig weiterentwickelt.

Die App ist über Google Store oder AndroidPIT zu beziehen. Schon die kostenlose Basis-Version kann einiges: Anrufe tätigen, SMS und Mails schreiben, vorausgesetzt, die Daten sind in der Kontaktliste hinterlegt. Sie informiert, wie das Wetter am Standort sein wird und wie der Lieblings-Fußballclub zuletzt gespielt hat. Sie weckt einen um eine bestimmte Zeit, erinnert an Geburtstage und übersetzt „Hallo, wie geht es?“ in 30 Sprachen. Sie aktualisiert den Facebook-Status, startet Anwendungen und rechnet Währungen und Maßeinheiten um. Witze und Glückskeks-Sprüche hat sie auch drauf. Und sie gibt zuweilen bissige Antworten auf dumme Fragen, was Nutzern besonders zu gefallen scheint. „Wir sind ja selber jung und wissen, was junge Leute mögen“, so Su.

Nutzer der Basis-Version müssen ein Mikrofon-Zeichen antippen, um die App zu aktivieren. In der Pro-Version für 2,13 € geht es auch ohne. Die Funktion nennt sich „App aufwecken“. „Sie hört im Hintergrund immer zu. Um sie zu starten, muss man sie mit ihrem Namen anreden“, erklärt der Informatiker. Das sei besonders im Auto praktisch, wenn man die Hände am Steuer und den Blick auf der Straße behalten muss. Die bezahlte Variante bietet auch weitere Schmankerl: Spiele oder Musik starten, Termine erstellen und im Fernsehprogramm zappen.

Bereits 2,8 Millionen Downloads der kostenlosen AIVC-Version

Die kostenlose Version finanziert sich durch Werbebanner. Laut Su wurde sie bisher 2,8 Mio. Mal heruntergeladen, die Pro-Version rund 60 000 Mal. „Wir haben nicht einen einzigen Cent für Werbung ausgegeben“, behauptet er. Die Interviews, die Artikel in der Fachpresse, die Youtube-Videos – das sei ein Selbstläufer. Studium und App-Entwicklung hätten den beiden bisher keine Möglichkeit gelassen, eine Firma zu gründen. Sie haben vor, das in den nächsten Monaten nachzuholen. „Aber eigentlich sind wir schon komplett selbstständig“, sagt Su. Sie hätten ein eigenes Konto, Büro und eine Homepage, nur die Einnahmen liefen über das Unternehmen von Kandharis Vater. „Wir zahlen uns unsere Löhne aus, brauchen kein BAföG mehr, haben schon was zur Seite gelegt und für größere Investitionen etwas Startkapital“.

Weitere Pläne für ihre App haben sie auch. Am liebsten wollen sie sie ins Auto fest integrieren, sodass das Gespräch mit der Assistentin über das Mikrofon und die Lautsprecher des Fahrzeugs läuft. In Su`s Wagen sei das bereits der Fall. Ebenfalls soll der vernetzte Haushalt per Sprache gesteuert werden. Zurzeit suchen Su und Kandhari nach einer geeigneten Testumgebung für diesen Dienst. Ein weiteres Ziel ist, die App auch offline nutzen zu können.

„Die Entwicklung machen wir nur zu zweit. Wir wollen niemanden sonst an den Code ranlassen“, so Su. Trotzdem planen die Freunde, sich Unterstützung von außen zu holen, die Vorarbeit bei gewissen Funktionen leistet. Dafür suchen sie die passenden Partner. „Und wenn wir Geld brauchen, sehen wir, ob wir noch Fremdkapital hinzuziehen müssen, vielleicht Teilhaber oder ein ganz normales Bankdarlehen“, sagt der Student. „Aber am liebsten wäre es uns ohne.“   

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