Start-up 07.05.2010, 19:46 Uhr

Angestellt als Technologiegründer

Mit dem Programm „Exist-Forschungstransfer“ fördert das BMWi besonders forschungsintensive Spin-offs aus Hochschulen und Forschungsinstituten. Zu den ersten Geförderten zählt die Compositence GmbH aus Stuttgart.

An vielen Hochschulen werden „Exist-Gründerstipendien“ angeboten. Sie gewähren Ausgründern ein Jahr lang Zuschüsse zum Lebensunterhalt. Doktoren erhalten monatlich 2500 €, Absolventen 2000 €, Studierende 800 €. Zudem gibt es bis zu 17 000 € pro Team für Sachmittel und 5000 € für Coachings. Außerdem darf die Infrastruktur der antragstellenden Hochschule frei genutzt werden. Das ist sicher hilfreich für potenzielle Jungunternehmer. „Es reicht aber kaum, um forschungsintensive Ideen umzusetzen“, sagt Dietrich Hoffmann vom Projektträger Jülich (PtJ). Darum hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) 2008 als Ergänzung das Programm „Exist-Forschungstransfer“ ins Leben gerufen. In dem zweistufigen Programm haben potenzielle Technologiegründer aus Unis und Forschungsinstituten 36 Monate Zeit, um aus ihren Ideen Firmen zu schmieden.

Seit Programmstart hat Projektkoordinator Hoffmann knapp 250 Projektskizzen von Gründerteams in Empfang genommen. Die Anträge laufen über die (Hochschul-)Institute. Im Fall des Zuschlags leiten diese auch die Fördergelder an die Gründer weiter. Doch dazu kam es bisher nur bei jedem fünften Antrag. Der Rest scheiterte an den beiden Expertenjurys des Programms, die sich in die Bereiche IT, Maschinenbau und Automation sowie Life Science, Materialwissenschaften und Energie teilen.

Wer diese Hürde nimmt, bekommt dann aber großzügige Unterstützung. In Phase I arbeiten maximal drei Gründer pro Team als Angestellte an ihren Instituten, wobei das BMWi die Personalkosten trägt. Nach einem Jahr soll zudem ein ebenfalls über den Transfer bezahlter Kaufmann dazu stoßen. Bis dahin liegt der Schwerpunkt auf Forschung. Die Gründer in spe sollen die Machbarkeit ihrer Idee prüfen, Prototypen bauen und potentielle Kunden kontaktieren, ehe sie einen ausführlichen Businessplan erarbeiten. Neben den Personalkosten steuert das BMWi 60 000 € für Sachmittel und Coachings bei.

Neben den Coaches begleiten Hoffmann und seine Kollegen vom PtJ die Gründer. Mehrmals besuchen sie die Teams vor Ort und richten Workshops aus. „Wir halten den Dialog aufrecht, um die Gründer gezielt bei der Entwicklung ihrer Ideen und Strategien unterstützen zu können“, sagt Hoffmann. Gründer und Konzepte sollen im Programm so weit reifen, dass sie für Seed-Investoren interessant werden. Hoffmann erwartet allerdings, dass das Gros weiter auf staatliches Seed-Kapital angewiesen sein wird, etwa vom Hightech-Gründerfonds (HTGF), Regionalfonds oder Programmen der Länder. Denn bis zur Marktreife können die Teams ihre aufwändigen Projekte im Transfer kaum entwickeln.

Noch stehen die Anschlussfinanzierungen nicht an. Die ersten Teams haben Anfang Mai gerade Förderphase II erreicht, wo bis zu 150 000 € nicht rückzahlbare Starthilfe auf sie warten. Die Stuttgarter Compositence GmbH gehört zu den 17 Start-ups, die die strenge Jury bereits zum zweitem Mal überzeugen konnten.

Die Leichtbauingenieure Ingo Karb, Volker Witzel und Rainer Kehrle haben 2008 nach einigen Jahren Forschung am Institut für Flugzeugbau (IFB) der Uni Stuttgart zusammen mit ihrem Professor Klaus Drechsler ihr Unternehmen gegründet. Ursprünglich wollten sie mit Ingenieurleistungen und Schulungen rund um Faserverbund-Werkstoffe starten, um mittelfristig eine eigene Fertigung aufzubauen. Das Trio hat viele Ideen, um die stabilen aber teuren Composite in hoch effizienten automatisierten Prozessen zu verarbeiten.

„Material- und Kosteneffizienz bei gleich bleibender Qualität sind zentrale Voraussetzungen, um mit Faserverbunden große Stückzahlen zu fertigen“, sagt Karb. Doch im Institutsalltag fehlte dem Team die Zeit, um die Ideen umzusetzen. „Das Transferprogramm kam uns wie gerufen“, berichten die Gründer. Plötzlich konnten sie mit gesichertem Einkommen in eigener Sache am IFB forschen. „Zwar gab es anfangs Probleme, uns von unseren bisherigen Aufgaben abzugrenzen oder geeignete Räume zu finden“, berichtet Karb. Doch als die Startprobleme gelöst waren, lief es wie am Schnürchen. In den letzten 18 Monaten hat das Trio ein neues Fertigungsverfahren mit Roboterprototypen entwickelt und den „Proof of Concept“ erbracht. Engineering-Aufträge haben ihnen zudem genug Geld eingebracht, um den Eigenanteil (50 000 €) für den vollen Zuschuss zu stemmen.

Ein Beitrag von:

  • Peter Trechow

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