Gründer 02.06.2000, 17:25 Uhr

Alt, dynamisch, erfolgreich

Nicht jeder Gründer ist jünger als 35. Immer mehr entschlossene „Oldies“ suchen den „Kick“ im eigenen Unternehmen.

Maria Havermann-Feye ist keine 20 mehr. An einer Uni ist sie auch nie gewesen. Die Siegburgerin hält sich noch nicht einmal für besonders wagemutig. Vom Klischee einer typischen Gründerin ist sie also weit entfernt. Und doch hat die 45-jährige Mutter dreier Kinder den Sprung in die Selbständigkeit gewagt – mit Erfolg. Nach Anstellungen als Industriekauffrau, Bänkerin, Buchhalterin und -händlerin machte sie ihr Hobby zum Beruf. Seit einem Jahr steht sie auf eigenen Füßen – und zwar auf den Brettern, die die Welt bedeuten. „Mit dem Medium Theater berate ich andere Unternehmer.“ In Rollenspielen legt sie Schwächen im betrieblichen Ablauf ihrer Klienten bloß. „Ich möchte die Möglichkeit bieten, spielerisch Impulse aufzunehmen.“ Ist der Vorhang gefallen, führt sie die Regie beim Briefing der „Schauspieler“. Im Drehbuch stehen moderne Konzepte der Unternehmensführung. Es gibt sie also, die grauen Panther. Nicht jeder Gründer ist jünger als 30 und gerade aus einer Management-Kaderschmiede entlassen. Besonders unerschrockene „Oldies“ wagen sich sogar in die New Economy. Peter Faisst etwa. Der 46-Jährige schwingt den virtuellen Hammer. Nein, er gehört nicht zur Riege der Online-Auktionatoren. Der Meerbuscher vertreibt Werkzeuge (www.heimwerker.de). Vor Eröffnung seines virtuellen Baumarktes arbeitete der Diplom-Psychologe zunächst als Marketingexperte in großen Unternehmen, später als Berater. „Das war ein spannendes und abendfüllendes Programm. Und der Job war sicher.“ Nur der „Kick“ habe gefehlt. „In etablierten Unternehmen wird immer nur an den letzten 3 % optimiert. Im E-Commerce hingegen kann noch richtig was bewegt werden.“ Zwar habe er nicht das nötige Technikverständnis. „Ich reguliere nur den In- und Output. Die Programmierung dazwischen ist für mich eine black-box.“ Dafür bringe er aber zahlreiche Kontakte zu Geldgebern und dem Handel ein. „Ich weiß, wo welcher Hase läuft. Das ist mein Vorteil gegenüber den jungen Wilden.“ Elan allein reiche nicht, um komplexe Konzepte im Internet zu etablieren. Anderen „Oldies“ rät Faisst, es ihm gleich zu tun. „Wer sich den unternehmerischen Schneid im Angestelltenverhältnis nicht hat abkaufen lassen, den drängt es automatisch in die zweite Karriere. Und wer den heißen Atem seines Nachfolgers schon im Nacken spürt, für den ist die Flucht nach vorn oft die einzige Alternative.“
Auch Uwe Brodtmann hat sich in das Abenteuer World Wide Web gestürzt. Den sicheren Posten als Landesgeschäftsstellenleiter einer Versicherung hat er bereitwillig geopfert. „Ich war immer schon vom Unternehmergeist getrieben.“ Sein „Ovivo“ ist in doppelter Hinsicht ein gutes Beispiel für den Vorstoß der Ü30 in das Internet: Der Gründer ist 37 Jahre alt, die Zielgruppe sind „Lebenskenner zwischen Ende 40 und Ende 50“. Den Inhalt seiner Seite beschreibt der zweifache Vater als „Mischung aus Medien-, Shopping- und Serviceangebot.“ Vor- und Nachteile einer Gründung „im hohen Alter“ liegen aus Sicht des Berliners dicht zusammen. „Es kann vorteilhaft sein, mit jugendlicher Unbekümmertheit ans Werk zu gehen.“ Schnelle Entschlüsse könnten den überlebenswichtigen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz sichern. „Zur Zeit aber sollten Entscheidungen gut durchdacht werden. Es wird nicht mehr blind in das Internet investiert.“ Wichtig sei jetzt vor allem „Vitamin B“. „Im Rahmen meiner vorherigen Beschäftigungen konnte ich ein Netzwerk von Experten aufbauen. Auftretende Probleme lassen sich jetzt mit ein paar Anrufen händeln.“ Trotzdem sei das Leben als Gründer kein Zuckerschlecken. „Es sind zwei Paar Schuhe, ob man als Hauptabteilungsleiter viel zu tun hat oder ob man total vom persönlichen Erfolg abhängt.“
Marc Samwer, Mitbegründer von Ebay Deutschland und Aushängeschild der hiesigen Start-Up-Szene, rät engagierten „Oldies“ trotzdem zum Aufbau eines eigenen Businesses: „Gründen hat wenig mit Studienwissen zu tun. Entscheidend sind Mut und Fleiß.“ Fachwissen allein reiche nicht, um erfolgreich zu sein. „,Experience does matter“ ist ein beliebter Satz im Silicon Valley. Venture Capitalists bringen immer öfter einen gestandenen Geschäftsführer in Start-ups ein, um keine Zeit mit vermeidbaren Fehlern zu verlieren.“
Wolfgang Beier, Projektleiter im Förderprogramms Futour des Bundeswirtschaftsministerium, glaubt nicht an eine Gründerwelle aus der Nachkriegsgeneration. „Nur die wenigsten sind bereit, gut dotierte Jobs aufzugeben, ein anfänglich geringes Gehalt zu akzeptieren und vielleicht noch einen Kredit auf das Haus aufzunehmen.“ Zu nebulös seien die Aussichten auf Erfolg – speziell in der New Economy. „Außerdem sind etliche gewinnversprechende Ideen nicht ohne aktuelles Know-how umzusetzen.“

Hochschuldozenten wechseln vom Hörsaal in die Garage

Entsprechend oft finden sich „Oldie-Gründer“ im Umfeld von Universitäten. Hochschulangehörige haben den großen Vorteil, keine Wissenslücken abbauen zu müssen. Ihre Lehrtätigkeit zwang sie dazu, stets auf dem aktuellen Stand von Forschung und Entwicklung zu sein.
Prof. Dr. Johannes Döhmer von der Technischen Universität München startete vergangenen Monat die GenPharmTox BioTech AG. Er testet neue Substanzen an gentechnologisch konstruierten Zellkulturen. Zweifelhafte Tierversuche werden überflüssig. Das benötigte Fachwissen sammelte der 54-jährige Familienvater im Rahmen verschiedener Forschungstätigkeiten, unter anderem am Salk-Institut in La Jolla (Kalifornien). Auch betriebswirtschaftliches Know-how bringt der Naturwissenschaftler mit. Nach der Lehre zum Industriekaufmann besuchte er eine Handelsschule und studierte einige Semester BWL. Diese umfangreiche Bildung und die im Laufe der Jahre entstandenen Verbindungen zu potenziellen Kunden seien sein Vorteil gegenüber jungen Gründern. Er genieße in der Fachwelt großes Renommee. „Ich brauche mich nicht mehr bekannt zu machen.“ Ein guter Name allein reiche jedoch nicht aus, um erfolgreich zu sein. „Ohne entsprechende Mentalität sollte sich keiner selbständig machen.“
Dr. Hans-Otto Heuer kehrte vor zwei Monaten der Universität Bochum den Rücken. Anderthalb Jahre hatte er sich darauf vorbereitet, vom Hörsaal in die Garage zu ziehen. Heute programmiert der Physiker Internet-Datenbanken. „Meine Kunden sind zum Beispiel Fremdenverkehrszentralen. Ich erstelle vollständige Listen lokaler Vermietungskapazitäten. Weltweit soll jeder jederzeit einsehen können, wo welche Zimmer frei sind.“ Andere Verzeichnisse, etwa über Charter-Yachten, seien in Vorbereitung. „Das Betätigungsfeld ist riesig.“ Konkurrenz aus der Jugendliga befürchtet der 44-Jährige nicht. „Um ein erfolgreicher Unternehmer zu werden, bedarf es mehr als nur Spezialwissen. Erfahrung in der Projektplanung und Mitarbeiterführung sind unabdingbar.“ Bei der Rekrutierung von Mitarbeitern stehe er den vermeintlich attraktiven jungen Wilden in nichts nach. „Die Konkurrenz etablierter Unternehmen ist schlimmer.“ Einziger Vorteil der Youngsters sei deren Unabhängigkeit. „Junge Gründer haben meist keine Kinder zu versorgen.“

Unternehmer sind wie Wein — je älter, desto besser

Statt in Rente zu gehen, gründete der heute 65-jährige Prof. Dr. Dr. Wolfgang Barnikol gleich zwei Unternehmen. 1995 hob er die SanguiBioTech AG aus der Taufe. Hier wird ein Blutvolumenersatz, ein künstlicher Sauerstoffträger für die Therapie von Sauerstoffmangelerkrankungen entwickelt. Ein Jahr später entstand die GlukoMediTech AG. Ziel der Gesellschaft ist die Schaffung eines vollständig und dauerhaft implantierten Glukosesensors für Diabetiker. Altersbedingte Probleme beim Aufbau der Unternehmen habe es nicht gegeben. Im Gegenteil: „Wer sich durch tägliche Provokation vor Verkalkung bewahrt, trägt lebendige, akkumulierte Erfahrung im Hirn. 25- bis 30-jährige haben das nicht.“ So sei es für ihn vergleichsweise leicht, aus einer Reihe möglicher Alternativen die richtige herauszupicken. „Mit meiner Menschenkenntnis kann ich eher beurteilen, welcher Berater und welcher Geldgeber für das Unternehmen geeignet ist“. Einziger Nachteil gegenüber jungen Gründern sei die tickende Lebensuhr. „Größere Projekte brauchen nun mal eine bestimmte Zeit.“ Trotzdem solle sich kein ambitionierter „Oldie“ von der Idee der Selbständigkeit verabschieden: „Große Dirigenten laufen auch erst mit 70 zur Höchstform auf.“ Ähnlich argumentiert auch Maria Havermann-Feye: „Unternehmer sind wie Käse und Wein – im Alter werden sie immer besser.“ STEFAN ASCHE
Dank seiner Lebenserfahrung dreht Prof. Wolfgang Barnikol (65) die richtigen Schrauben zum Erfolg.

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Tipps für Existenzgründer sowie Verweise auf aktuelle Businessplanwettbewerbe: http://www.n-u-k.de, http://www.wolfsburg-ag.com, http://www.gruenderzeit.de, http://www.stern.de/startup, http://www.science4life.de, http://www.gruenderwettbewerb.de, http://www.dein.de http://www.m-bpw.de, http://www.dta.de, http://www.gruenderlinx.de

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