Gründer 23.03.2001, 17:28 Uhr

Allzeit auf das Schlimmste gefasst?

In jungen Firmen konzentriert sich betriebsnotwendiges Wissen oft auf die Person des Gründers. Fällt er aus, macht sich gute Vorbereitung bezahlt. Es geht um die Zukunft des Betriebes.

Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe. 25. Januar 2001: Thomas Egner, Gründer und Chef der Openshop Holding AG, Neu-Ulm, mit dem Flugzeug tödlich verunglückt. Bereits fünf Tage später berief der Aufsichtsrat einen neuen Vorstandschef, der am 1. März seinen neuen Job antrat. In der Zwischenzeit hatte Finanzvorstand Peter Kuhl an der Spitze des Unternehmens gestanden.
Das einzige Geheimnis bei der plötzlich notwendig gewordenen Nachfolgeregelung blieb zunächst der Name des neuen Vorstandschefs. Ansonsten funktionierte die Kommunikation zwischen Openshop auf der einen und den Investoren sowie der Öffentlichkeit auf der anderen Seite reibungslos. „Rasche, transparente Kommunikation ist in dem Fall, wenn der Unternehmenschef und -gründer plötzlich stirbt, unabdingbar“, erklärt Mario Baginski von der Investitionsbank Berlin (IBB). Eines der wichtigsten Tätigkeitsgebiete der IBB ist die Förderung und Beratung von Existenzgründern in der Hauptstadt. „Natürlich geben wir den Gründern, die unseren Rat suchen, auch Tipps, wie sie ihr Unternehmen auf alle Eventualitäten vorbereiten“, sagt er. „Dazu gehört auch das Einkalkulieren eines plötzlichen Führungswechsels.“
Wichtig ist in diesem Fall ein ausgeklügeltes „Knowledge-Management“. Das heißt, alles für das Weiterlaufen der Unternehmensaktivitäten notwendige Wissen muss von Anfang an dokumentiert sein. „Ist dieses Wissen in der Firma nicht geteilt, sondern nur auf eine Person beschränkt, kann dies im schlimmsten Fall das Aus für das gesamte Unternehmen bedeuten“, so Baginski. Bei jungen innovativen Unternehmen, die die unmittelbare Gründungsphase bereits hinter sich haben, empfiehlt sich zur Know-how-Multiplikation zudem das Instrument der Job-Rotation. „Gerade bei jungen Firmen sollte es so sein, dass jeder Mitarbeiter verschiedene Bereiche des Unternehmens durchläuft und so dessen Strukturen und Funktionsweisen umfassend kennen lernt“, meint der IBB-Experte. Im Notfall können dann plötzlich frei werdende Positionen aus dem eigenen Betrieb heraus besetzt werden.
Und wie sieht es mit der Rückzahlung von Bankkrediten aus, die der Gründer aufgenommen hat? Bereits vor der Vergabe eines Gründerdarlehens fordern die Kreditinstitute vom Gründer den Abschluss einer Risikolebensversicherung. Auf diese Weise können die Banken sicherstellen, dass die Rückzahlung des Kredites im Todesfall des Nehmers gewährleistet ist.
„Hinsichtlich gesellschaftsrechtlicher Maßnahmen steht eine klare Regelung der Erbfolge im Gesellschaftervertrag der Kapitalgesellschaft im Vordergrund“, sagt Carl Dyckerhoff von Pricewaterhouse Coopers (PwC). Dabei sei aber zu unterscheiden, ob ein Unternehmen bereits börsennotiert ist, oder sich noch in einer früheren Entwicklungsphase befindet. Diesbezüglich spielt auch die Branche eine gewichtige Rolle. So könnten etwa bei Life Science-Unternehmen Produktentwicklungszeiträume von zehn Jahren vorliegen. „In dieser Zeit wird häufig die Beteiligung von Branchenfremden im Wege der Erbfolge durch die verbleibenden Gesellschafter unerwünscht sein“, so Dyckerhoff. „Für diese Phase der Unternehmensentwicklung wäre daher bei Tod eines Gründungsgesellschafters an Satzungsbestimmungen zu denken, die eine Einziehung der Anteile durch die Kapitalgesellschaft gestatten.“
Das gleiche Ziel wird nach seinen Worten bei Vereinbarung eines Vorkaufsrechts zugunsten des Unternehmens oder einzelner Mitgesellschafter erreicht. Jedoch müssten in diesem Fall auf Käuferseite entsprechende liquide Mittel zur Verfügung stehen. „Hierbei wird auch die Bewertung der Anteile des verstorbenen Gesellschafters oftmals Schwierigkeiten bereiten“, meint Dyckerhoff. Ein Bewertungsverfahren, das alle Interessen berücksichtigt, sollte daher schon frühzeitig vereinbart werden.
Sofern ein Unternehmen bereits börsennotiert ist, bereitet die Bewertung in der Regel weniger Probleme. Auch wird laut Dyckerhoff die Beteiligung von Unternehmensfremden zu diesem Zeitpunkt der Unternehmensentwicklung weniger Schwierigkeiten aufwerfen. „Im Falle einer Mehrzahl von Erben sollte die Verpflichtung der Erbengemeinschaft zur Bestimmung eines gemeinsamen Vertreters in die Satzung aufgenommen werden, um eine Blockade von Gesellschaftsbeschlüssen zu vermeiden.“ Andernfalls müssen die Stimmrechte ruhen. Auch Stimmbindungsverträge könnten hier sinnvoll sein.
Interessant sind nicht zuletzt sogenannte Key-Man-Insurances. Firmen können sich damit im Falle des Todes oder der Vollinvalidität aufgrund eines Unfalles der in der Gesellschaft führenden Person gegen die oftmals erheblichen finanziellen Folgen absichern. Diese Versicherung ist im Wesentlichen vergleichbar mit einer herkömmlichen Unfallversicherung. Allerdings wird im Versicherungsfall die Versicherungssumme an das Unternehmen ausgezahlt. Nützlich ist eine solche Versicherung vor allem für junge Firmen, die noch über keine zweite Führungsebene verfügen, sondern bei denen im Großen und Ganzen alles von einer Person abhängt, da die Prämien relativ hoch sind. Angeboten wird die Key-Man-Police unter anderem auf dem englischen Versicherungsmarkt, über den sie auch in Deutschland eingekauft werden kann. JÜRGEN ACKERMANN

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  • Jürgen Ackermann

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