Start-up-Porträts 24.02.2012, 12:00 Uhr

Aeroíx: Hightech-Hüllen für Luftschiffe, Biogasanlagen und Gebäude

Die junge Berliner Aeroíx GmbH hat ihre Wurzeln in der Luftfahrt und Windenergietechnik der TU Berlin. Dort entdeckte das Gründerteam sein Faible für Luftschiffe und Ballons, für die es neuartige wärmedämmende Textilhüllen entwickelte. Fünf Jahre nach der Gründung zeigt sich, dass die vermeintliche Nischenlösung größeres Marktpotenzial hat, als erwartet. Auch Biogasbranche und Gebäudetechnik fliegen auf die Hightech-Membranen des Start-ups.

Dafür, dass er mehrere Unternehmen leitet, wirkt Alexander Bormann überraschend entspannt. „Diese Woche hat viel geklappt, sonst wäre das anders“, erklärt er. Neben einem etablierten Ingenieurbüro hat der promovierte Luftfahrt-Ingenieur mit Partnern gerade ein Windenergie-Start-up gegründet. Und dann ist da noch die Aeroíx GmbH, die er 2009 mit einem anderen Team ins Leben rief.

Das dreiköpfige Kernteam um Bormann fand sich an der TU Berlin. Dort befasste sich das Trio mit Luftschiffen, Ballons und Gleitschirmen. Leichtbau pur. „Metalle fallen hier von vornherein aus“, erklärt er. Vielmehr waren Funktionstextilien gefragt, die Traggase effizient speichern. Die Forscher experimentierten unter anderem mit Wasserdampf. Doch die Effizienz der Hüllen ließ viele Wünsche offen. Also machten sie sich daran, bessere Membranen zu entwickeln – leichter, dichter, wärmedämmender – und obendrein unkaputtbar.

Aeroíx hat Hightech-Membranen auf Basis metallisierter Polyamid-Fasern entwickelt

„Ballons werden nach dem Flug zusammengeknüllt. Unsere Wärmedämmstoffe sind darum auf 15 % ihres Volumens reversibel komprimierbar“, erklärt Bormann. Der Weg zu diesen Hightech-Membranen auf Basis metallisierter Polyamid-Fasern führte seit 2002 über diverse Projekte mit Industriekunden.

Erst nach und nach reifte der Plan, zu gründen. „Die Projektarbeit war zwar spannend, aber nicht nachhaltig. Und je weiter unsere Produktentwicklung voranschritt, desto drängender wurde die Frage, wer welche Rechte daran hat“, berichtet er.

Vor fünf Jahren beschlossen sie, sich von der Uni zu lösen und Aeroíx zu gründen. Unterstützt durch ein Exist-Gründerstipendium entwickelten sie Geschäftsidee und Businessplan und ließen die GmbH 2009 ins Handelsregister eintragen. Statt um Fremdkapital bemühten sie sich damals um strategische Kooperationen mit Pilotkunden.

„Aeroíx ist ein organisches Gebilde“, erklärt Geschäftsführer Bormann. Alle Gründer haben wie er mehrere Standbeine. Ihr Netzwerk rückt in akuten Entwicklungsphasen zusammen, sucht und findet Lösungen und zerstreut sich wieder – oder es treibt neue Projekte wie das Windenergie-Start-up voran. „Für das haben wir uns erfolgreich um Risikokapital bemüht“, sagt er. Aeroíx ist bewusst anders angelegt. „Wir wissen als Windkraft- und Luftfahrtexperten, wohin es führt, mit junger Technik zu groß einzusteigen“, spielt Bormann auf Growian und Cargolifter an.

Zudem wollten sich die Unternehmer ihre Experimentierfreude nicht durch straffe Zeitpläne von Investoren nehmen lassen. Sie forschen weiter. „Aber anders als zu Unizeiten experimentieren wir nicht mehr zum Selbstzweck, sondern um unsere Produkte zu optimieren und Geschäftsideen zu entwickeln“, erklärt er. Wobei er Geschäftsidee streng ausgelegt: Diesen Namen verdiene nur, „was neu ist und angenommen wird, ohne dass man es Kunden aufschwatzen muss“.

Aeroíx entwickelt dämmende Hightech-Membranen kontinuierlich weiter

Bei einem ihrer Experimente stieß das Team auf das Verfahren, mit dem es gelang, die isolierende Wirkung ihrer Membrane zu maximieren. Je zwei hauchdünne Textillagen erhalten dabei ähnlich wie Doppelverglasungen durch winzige Abstandhalter eine dämmende Luftschicht. Sie sitzen wie kleine Borstenbüschel zwischen den beiden Membranen. Um sie billig aufzubringen, werden die Bahnen mit Klebstoff betupft, elektrostatisch aufgeladen und dann mit den Borsten beschossen.

Die ebenso pfiffige wie robuste und leichte Luftspaltlösung bewirkt, dass Heißluftballons nur noch halb so viel Treibstoff brauchen. „Das ist für Rekordflüge interessant – erlaubt Ballonfahrern aber vor allem, weniger Gas und dafür mehr Mitfahrer mitzunehmen“, sagt Bormann. In dem Nischenmarkt hat sich Aeroíx mit seinen Membranen ebenso durchgesetzt wie bei leichten Gleitschirmen. Daneben bieten die Berliner Ingenieurdienstleistungen an und erzielen so die nötigen Einnahmen, um neue Märkte zu entwickeln.

„Wir haben in der Gründungsphase Architekten ins Team geholt“, erklärt er. Ziel war es, ihre Hightech-Hüllen auch für mobile Bauten in Stellung zu bringen: Traglufthallen, in denen Sportler im Winter trainieren, beheizte Zelte oder Arenen mit Membrandächern. Noch sind diese von der Energieeinspar-Verordnung ausgenommen. „Wir hoffen, dass sich das ändert. Die nötige Technik ist ja nun verfügbar“, sagt Bormann.

Auch wenn es anders kommt, sieht er gute Chancen in dem Markt. Die Membrane sparen Energiekosten in großem Stil, sind leicht, robust und wegen ihrer Komprimierbarkeit sinken zudem die Transport- und Lagerkosten saisonal genutzter Hallen und mobiler Zelte.

Wenn dieser Markt Fahrt aufnimmt, wird das organische Start-up seine Struktur anpassen. Noch lassen die Berliner ihre Textilien von Zeit zu Zeit in Kampagnen bei einem deutschen Zulieferer fertigen.

Unerwarteter Bedarf an Aeroíx-Membranen bei Biogas-Anlagen

Die Chancen, dass aus einigen zehntausend Quadratmetern bald Hunderttausende oder gar einige Millionen pro Jahr werden, stehen gut. Denn derzeit tut sich im Biogassektor ein neuer Markt auf. Pilotprojekte in Norddeutschland zeigen, dass die Luftfahrtmembranen zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. „Im Winter sparen sie die Hälfte der Heizenergie – und im Sommer beugen sie der Überhitzung der Reaktoren vor, wegen der Betreiber regelmäßig Methan abfackeln müssen, auch wenn kein Bedarf an ihrem Strom besteht“, so der Gründer.

Es deutet sich an, dass die Luftfahrer in einem völlig anderen Markt abheben, als erwartet. „Das ist der Vorteil, wenn man sich nicht zu stark fokussiert und den Dingen Zeit lässt, sich zu entwickeln“, resümiert er zufrieden. Nicht nur die letzte Woche ist für ihn und sein Team gut gelaufen.

Stellenangebote im Bereich Verwaltung

MULTIVAC Sepp Haggenmüller SE & Co. KG-Firmenlogo
MULTIVAC Sepp Haggenmüller SE & Co. KG Patentingenieur (m/w/d) Wolfertschwenden
ILF Beratende Ingenieure GmbH-Firmenlogo
ILF Beratende Ingenieure GmbH Bauingenieur – Technischer Planer für geschlossene Querungen (m/w/d) Bremen, München
Hochschule Osnabrück-Firmenlogo
Hochschule Osnabrück Mitarbeiter/in Beschaffung und Vergabe in Bauangelegenheiten Osnabrück
SKE International GmbH-Firmenlogo
SKE International GmbH Kalkulator (m/w/d) Goldbach bei Aschaffenburg
Landkreis Stade-Firmenlogo
Landkreis Stade Ingenieur (m/w/d) Abteilung "Wasserwirtschaft" Stade
Abwasserbetrieb TEO AöR-Firmenlogo
Abwasserbetrieb TEO AöR Technischer Leiter (m/w/d) Telgte
Busch Vakuumpumpen und Systeme-Firmenlogo
Busch Vakuumpumpen und Systeme Assistant Global Production Management (m/w/d) Maulburg
Universitätsklinikum Würzburg-Firmenlogo
Universitätsklinikum Würzburg Sicherheitsingenieur (w/m/d) Würzburg
IPROconsult GmbH-Firmenlogo
IPROconsult GmbH Bauingenieur (m/w/d) für Bauwirtschaft/Bauüberwachung im Bereich Verkehrs-, Tief- und Ingenieurbau Dresden
Kemna Bau Andreae GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Kemna Bau Andreae GmbH & Co. KG Bauingenieur (m/w/d) als Kalkulator / technischer Controller Pinneberg

Alle Verwaltung Jobs

Top 5 Gründung