Gründer 11.07.2008, 19:36 Uhr

50 plus: Zeit für die eigene Firma  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 11. 7. 08, sta – In Deutschland leben immer mehr ältere Menschen. Deshalb steigt der Bedarf an altersgerechten Erzeugnissen. Das birgt Chancen für neue Firmen. Doch die umworbene Generation sieht sich nicht nur als Konsument. Viele der „Best-Ager“ wagen selbst noch mal den Sprung in die Selbstständigkeit. Mit der Initiative „Wirtschaftsfaktor Alter“ zeigen die Bundesministerien für Wirtschaft und für Senioren einschlägige Produktbedarfe auf und bieten Hilfestellungen für grauhaarige Gründer.

Klaus Dieter Jüppner hat sich 2004 mit einem Ingenieurbüro selbständig gemacht. Damals war er knapp über 50 und sah in der Gründung bessere berufliche Perspektiven als in seinem bisherigen Job. Der Ingenieur für Nachrichtentechnik schützt und verschlüsselt nun die Daten von Großunternehmen. In der jungen IT-Branche kämen seine 28 Jahre Berufserfahrung gut an, versichert der Rheinländer.

Laut KfW-Gründungsmonitor 2007 waren im Jahr 2006 rund 8,5 % aller Gründer zwischen 55 und 64 Jahren alt. Im Jahr davor waren es 7,9 %. Der Anteil wächst seit einigen Jahren kontinuierlich, aber bei weitem nicht in dem Maße, wie der Anteil der Älteren in der Bevölkerung insgesamt.

Die Regierungsinitiative „Wirtschaftsfaktor Alter“ will das ändern. Kammern und Gründerzentren sollen gründungswilligen Menschen jenseits der 50 maßgeschneiderte Beratungen anbieten. Konkretes gibt es aber noch nicht. Geplant ist u.a. eine Datenbank. Darin sollen erfolgreiche Vorbilder den Männern und Frauen der „Generation 50 plus“ Mut machen.

Warum mancher noch ein Unternehmen gründet, wenn sich die Gleichaltrigen schon auf den Ruhestand freuen? Lutz Trettin vom Rheinisch-Westfälischen Wirtschaftsinstitut (RWI) Essen hat es untersucht: Ausschlaggebend sei vor allem die Schwierigkeit, jenseits von 50 nach Arbeitslosigkeit, langer Familienpause oder einer Pleite noch eine Festanstellung zu finden. Außerdem gebe es noch die Minderheit, die eine neue Herausforderung und eine zweite Karriere suche.

Älteren Gründern mit einer soliden Ausbildung bescheinigt Trettin in der Regel Erfolgschancen. „Sie können ihre lange Berufserfahrung sowie gute Branchen- und Menschenkenntnisse in die Waagschale werfen. Die Erwartungen sind nun realistischer, die Team- und Führungsfähigkeit erprobt – und sei es nur innerhalb der Familie.“ Zusätzlich hätten die „Best-Ager“ in aller Regel ein großes berufliches und privates Netzwerk, welches sie in der Anfangsphase unterstützen könne.

Viele Gründer aus der Not versuchen allerdings, sich mit einfachen Dienstleistungen und in eng besetzten Märkten über Wasser zu halten. Mancher Senior unterschätzt auch die Fitness und Flexibilität, die die Selbständigkeit ihm abverlangt. Nach einem längeren Berufsausstieg fehlt das frische Know-how, auch die Ersparnisse oder Abfindungen sind meist aufgebraucht. Hinzu kommt, dass es Ältere besonders schwer haben, einen Bankkredit zu bekommen. Ihnen werden längere Krankheitsausfälle und eine nur kurze „aktive Zeit“ unterstellt.

Auf seinem Gründerportal empfiehlt das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) daher eine besonders sorgfältige Planung: Ältere Gründer sollten den Rückzahlungsverlauf bis zur vollständigen Schuldenfreiheit detailliert darstellen. Oft müssten sie der Bank gleich einen Nachfolger präsentieren. Wenn keiner aus der Familie bereit steht, böten sich Nachfolge-Börsen wie nexxt-change an. Eine weitere Möglichkeit: Im Team gründen.

Die reifen Jahrgänge benötigen auch mehr Beratung in Sachen persönlicher Absicherung: Etwa über Krankentagegeld, Rürup-Rente und den Wechsel in die private Krankenkasse mit ihren im Alter höheren Beiträgen. Das Förderprogramm „Gründercoaching Deutschland“ erlaubt eine individuelle Beratung über mehrere Monate. Die EU bezuschusst das Coachhonorar je nach Region zur Hälfte oder zu drei Vierteln.

85 % der grauhaarigen Gründer machen sich nach BMWi-Angaben mit einer Dienstleistung selbständig. Es folgen Bau und Handwerk, weit abgeschlagen sind der Groß- und Einzelhandel, das Gastgewerbe, die verarbeitende Industrie, die Kunst und die Landwirtschaft. Viele benötigen nur eine kleine Startsumme von 5000 € bis 10 000 €. Dafür sind die Mikrokredite geeignet, die von spezialisierten Mikrofinanzierern immer flächendeckender angeboten werden.

Wenn Ältere gründen, haben sie keineswegs nur ihre Altersgenossen als Zielgruppe im Auge. Im Bonner Netzwerk „40 plus“ etwa, wo Klaus Dieter Jüppner Mitglied ist, findet sich als einzige einschlägige Gründungsidee lediglich eine Computerschule für Senioren. Der Rest der Gründer zielt ab auf breitere Käuferschichten.

Dabei hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung die Haushalte der 65- bis 75-jährigen als die konsumfreudigste Altersgruppe überhaupt ausgemacht. Die über 60-jährigen haben eine Kaufkraft von 316 Mrd. €. Ausgeben wollen sie es aber vor allem für altersgerechte Produkte. Gefragt sind einfach zu bedienende Geräte, leicht zu öffnende Verpackungen und praktische Hilfen für den Alltag. Dieser Markt bietet allen Gründern – jung wie alt – noch großes Potenzial. Die Internetseite der Initiative „Wirtschaftsfaktor Alter“ informiert darüber, was es an altersgerechten Produkten schon gibt – und worauf bei deren Entwicklung geachtet werden muss.

M. JORDANOVA-DUDA

 

Ein Beitrag von:

  • Matilda Jordanova-Duda

    Die Schwerpunkte der freien Journalistin sind: Industrie 4.0, Digitalisierung, Existenzgründer, Mittelstand, Energiewende, Firmenportrais, Migration, Bildung.

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