Vermögenstipps aus dem Maschinenraum 19.11.2018, 14:30 Uhr

Wie viele Aktien sollte ich in meinem Portfolio halten?

Wer alles auf eine Aktie setzt, kann böse verlieren. Wer über 50 Aktien im Portfolio hält, wird aber den Überblick verlieren. Welche Zielgröße ist also sinnvoll?

Grünes Wertpapier mit der Aufschrift "100 Shares"

Wer vor lauter Diversifikation den Überblick verliert, wird mit Aktien nichts verdienen.

Foto: panthermedia.net/miflippo

Wer ein Haus baut, hat einen klaren Plan, wann was zu tun ist. Der Aktienmarkt ist stärker von Opportunismus getrieben. Ist ein Sektor, obwohl grundsolide, gerade nicht en vogue, lohnt es sich zuzuschlagen. Dennoch sollte der Anleger einen klaren Plan verfolgen, wie das Depot am Ende aufgebaut sein sollte.

Die häufigsten Fehler bei der Aktienauswahl

Der Effekt der Diversifikation wird gemeinhin überschätzt. Bereits mit sieben Aktien kann ein Anleger gut aufgestellt sein, wenn die Aktien einen verschiedenartigen Zyklus aufweisen und aus verschiedenen Sektoren kommen. Sieben Aktien klingen nicht gerade nach viel und Anleger können hier wirklich noch gut den Überblick behalten.

In einem klassischen Markowitz-Portfolio, das einem mit dem wirtschaftswissenschaftlichen Nobelpreis ausgezeichneten Prozess beschreibt, wie Aktion so kombiniert werden, dass aus Sicht der Risikodiversifizierung ein optimales Portfolio zusammengestellt wird, werden sich aber kaum spektakuläre Aktien finden. Eher tummeln sich dort die berechenbaren Langweiler wie Procter & Gamble und Henkel, die Ihr Geschäft seit anno dazumal betreiben. Die individuellen Chancen und Risiken spektakulärer Aktien heißen denn auch idiosynkratrische Risiken.

Sind diese hoch und der Anleger spekuliert auf hohe Zuwächse, sollte die Streuung deutlich größer sein. Ein professioneller aktiver Anleger wird jedoch so gut wie nie weniger als ein Prozent einer Aktie in sein Portfolio kaufen. Und Ziel ist dann auch kein Portfolio aus in der Spitze 100 Aktien, sondern ein gestaffelter Kauf. Im Regelfall wird über einen längeren Zeitraum zugekauft, bis eine Position zwischen zwei und fünf Prozent des Portfolios ausmacht. Bei Fünf-Prozent-Positionen hätte der Investor im optimalen Endzustand 20 Aktien. Bei Zwei-Prozent-Positionen sind es 50 Aktien.

Transaktionskosten beachten

In dieser Bandbreite sollte auch ein Privatanleger aktiv sein. Doch es gibt meist ein Problem. Die fixen Transaktionskosten machen dem Anleger einen Strich durch die Rechnung. Bei den derzeit am Markt gängigen Gebühren, sollte kaum eine Position unter 2.000 Euro eingegangen werden. Damit reguliert sich die Anzahl der Aktienpositionen gleich von selbst.

Daher kann es gerade zu Beginn der Ansparphase Sinn machen, auf breitere Indizes wie ETF, sogenannte Exchange Traded Funds, zu setzen. Und mit der Einmalinvestition ist es natürlich nicht getan. Denn im Regelfall entwickeln sich die Aktienpositionen recht unterschiedlich. Neben ein paar Raketen gibt es leider immer auch Aktien die Startschwierigkeiten haben werden. Eine Glättung ist daher regelmäßig angeraten, um die Chance-Risiko-Balance immer wieder optimal auszurichten.

Was bleibt als Fazit?

Ein Investor, der sich intensiv mit einzelnen Aktien beschäftigen kann und vor allem auch gleiche Risikofaktoren für diese Aktien identifizieren kann, sollte die Diversifikation reduzieren und kann sich mit sieben Aktien durchaus wohlfühlen. Je weniger Expertise, desto größer sollte die Streuung sein. Aber auch hier können 15 bis 20 Aktien reichen. Gerade im Starterbereich bieten sich breite Indizes wie ETF an.

Porträt von Michael Thaler

Michael Thaler ist Vorstand der Top Vermögen in Starnberg. Für ingenieur.de schreibt er in regelmäßigen Abständen Kolumnen zur privaten Vermögensverwaltung.

Von Michael Thaler, Vorstand der Top Vermögen aus Starnberg Tags:

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