Serie Finanzplanung 10.02.2012, 12:01 Uhr

Wie sich die Rentenlücke schließen lässt

Der Ruhestand wirft ganz neue Finanzfragen auf

Nein, eine richtige Feier zum Ausstand findet Horst J. (65) unpassend. Schließlich würde der Bauingenieur ja auch die nächsten zwölf Monate noch wenigstens einmal wöchentlich ins Büro kommen, um das laufende Projekt bis zum Abschluss zu betreuen. Der Düsseldorfer scheidet also nicht abrupt aus dem Berufsleben aus.

Dennoch stellt das Erreichen der Regelaltersgrenze auch für ihn eine Zäsur dar – auch finanziell: Die gesetzliche Rente und die Betriebsrente summieren sich bei Horst J. auf rund 3300 €, also rund 1000 € weniger als sein letztes Nettogehalt. Um die Rentenlücke zu schließen, hat der Teilzeit-Rentner vor Jahren eine Lebensversicherung abgeschlossen und mit Aktienfonds ein kleines Vermögen aufgebaut, wenn es auch im Börsencrash 2011 geschrumpft ist. Das hat den 65-Jährigen verunsichert. Obwohl er jetzt eigentlich mehr Zeit dazu hätte, möchte er sich nicht mehr so intensiv um seine Geldanlagen kümmern müssen.

„Wir erleben häufig, dass Menschen in dieser Phase Ihres Lebens einen vertrauenswürdigen Fachmann an Ihrer Seite haben wollen“, so Michael Reuss, Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Huber, Reuss & Kollegen in München.

Finanz-Experte empfiehlt zum Ausgleich der Rentenlücke: Weniger Aktien, mehr Anleihen

Doch auch, wenn die Verwaltung des Vermögens delegiert wird, steht am Anfang die umfassende Bestandsaufnahme: Passt die Vermögensstruktur zur aktuellen Lebensplanung? Bestehen womöglich noch Anlagen, die steuerlich im Ruhestand nicht mehr sinnvoll sind? „In fortgeschrittenem Alter bleibt keine Zeit, Verluste an den Kapitalmärkten auszugleichen“, gibt Claus Walter zu bedenken. Weniger Aktien, mehr Anleihen, empfiehlt der Geschäftsführer der Freiburger Vermögensmanagement. Dabei setzt Walter aktuell u.a. auf Anleihen in stabile Währungen außerhalb des Euros, inflationsindexierte Rentenpapiere und Floater, also variabel verzinste Anleihen, um dem Risiko des Kaufkraftverlusts entgegenzuwirken (siehe Grafik).

Ebenso wichtig wie die Feststellung des Status, ist für Vera Moll die Vorsorgebilanz: „Es geht darum, möglichst realistisch künftigen Finanzbedarf zu ermitteln. Dabei müssen Inflationserwartungen und steuerliche Situation berücksichtigt werden. Außerdem sind steigende Kosten für Gesundheit und Mobilität zu kalkulieren“, erklärt die Partnerin der Novethos Financial Partners.

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Renten- versus Auszahlplan: Wer Wert auf regelmäßige Kapitaleinkünfte legt, kann entweder eine Rentenversicherung gegen Einmalzahlung abschließen oder einen Auszahlplan einrichten. „Die Verrentung gibt Planungssicherheit, denn die Beträge werden lebenslang bezahlt“, erklärt Claus Walter. „Unbedingt geklärt werden sollte, was mit den eingezahlten Beiträgen geschieht, wenn die versicherte Person kurz nach Abschluss der Versicherung stirbt.“

Bei einem Auszahlplan zahlt der Anleger Vermögen auf ein Konto oder Fondsdepot ein. Bei der Variante mit Kapitalverzehr sind die Auszahlungsbeträge in der Regel höher als die Leistungen der Rentenversicherung. Dafür besteht das Risiko, dass das Kapital zu früh aufgezehrt ist.

Rentenlücke mit Verrentung von Immobilien schließen

Wohnimmobilie: Die eigene Immobilie ist oft der größte Vermögensbaustein. Ein direkter Verkauf kann unter Umständen sinnvoll sein, um noch bestehende Kredite zu tilgen und Schulden abzubauen. Eine weitere Möglichkeit ist die Verrentung von Immobilien. Hierunter wird der Verkauf einer Immobilie gegen Leibrente oder Zeitrente verstanden.

Pflegekosten: Hier empfiehlt es sich, frühzeitig Vorsorge zu treffen. Denn ist die Rentenzeit angebrochen oder bestehen bedeutende Vorerkrankungen, ist keine private Zusatzversicherung mehr möglich.

Vererben oder stiften: Anleger, die über große Vermögen verfügen, sollten sich rechtzeitig Gedanken machen, was mit dem Teil ihres Vermögens passiert, der nach ihrem Tod noch vorhanden ist. Dabei ist die Absicherung der Familie durch testamentarische Regelungen oder die Förderung eines bestimmten Zwecks über eine Stiftung zu Lebzeiten oder im Todesfall möglich.

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