Geldanlage 25.11.2005, 18:41 Uhr

Wasser-Investment marsch!  

VDI nachrichten, Dortmund, 25. 11. 05 – Sein Weltverbrauch steigt, als Rohstoff ist es immer begehrter, Klimaprobleme komplizieren die Situation – was auf Erdöl zutrifft, gilt auch für Trinkwasser. Wasser-Zertifikate und -Fonds bieten den Anlegern ein breites Spektrum an Investmentmöglichkeiten. Die Renditen scheinen attraktiv.

Die niederländische ABN Amro Bank schätzt das Wachstumspotenzial von Unternehmen im Wassersektor besonders hoch ein. Bislang seien – weltweit betrachtet – rund 92 % der Wasserversorgung in öffentlicher Hand, so ABN. Um die Wasseraufbereitungsanlagen zu erhalten, zu warten und zu modernisieren seien enorme Summen erforderlich. Angesichts knapper Kassen der Kommunen dürfte sich der Marktanteil privater Unternehmen bis 2015 deutlich erhöhen.

Die fundamentalen Daten des flüssigen Rohstoffs zeigen, dass der Markt im Fluss bleiben wird: Nur knapp 3 % der weltweiten Wasservorräte bestehen aus Süßwasser, und es wird immer intensiver genutzt. Hier bietet sich ein Milliardenmarkt für Firmen, die kostengünstige, effektive Verfahren bereitstellen können. Dazu gehören Unternehmen für Wasserverteilung und Wassermanagement, Aufbereitung und Reinigung, Monitoring und Anlaytik, Sanitärinstallationen, Bewässerung, aber auch der Verkauf von Flaschenwasser.

Die Wasserbranche ist an der Börse mit teilweise geläufigen, teilweise wenig bekannten Namen vertreten: Da gibt es die Aguas de Barcelona, ein regionaler Trinkwasserversorger in Barcelona und Umgebung sowie in Lateinamerika. Oder die Best Water Technology aus Österreich, ein Wasseraufbereitungspezialist. Der hat gerade seine Tochter Christ aus der Schweiz an die Börse gebracht, ein Anlagenhersteller für die Wasseraufbereitung.

Ebenfalls aus der Schweiz kommt die Geberit, deren Installationssysteme jeder kennt, der deutsche Toiletten benutzt. Die Kelda Group aus Großbritannien ist ein regionaler Trinkwasserver- und Abwasserentsorger. An der Börse gehandelt wird auch die Suez Lyonnaise des Eaux aus Frankreich, Europas zweitgrößter Wasserversorger. Allein im amerikanischen Aktienindex „Palisades Water Index“ sind 25 weitere Unternehmen aus dem Wassersektor vertreten, sämtlich in den USA angesiedelt. Insgesamt ordnen Experten 200 Aktien dem Wassersektor zu.

Der Wassermarkt hat die großen Konzerne angelockt: So hat sich der US-Konzern General Electric mit der Übernahme der Ionics zum Marktführer bei der Meerwasserentsalzung gemausert. Siemens hat US Filter geschluckt, eine Firma, die industrielles Abwasser aufbereitet. Die Marktführer der Wasserbehandlung mittels UV-Strahlen, Trojan Technologies aus Kanada sowie Wedeco aus Düsseldorf, wurden von den US-Firmen Danaher und ITT Industries gekauft.

Wer als Anleger auf den Wassersektor setzen will, muss sich nicht auf Aktien beschränken: Es gibt mittlerweile eine Reihe von Aktienkörben, „Zertifikate“ genannt, und zwei Wasserfonds. Das neueste Produkt auf dem Markt ist das „Wasser Open End Zertifikat“ (ISIN NL0000023372) der niederländischen ABN Amro Bank. Er umfasst derzeit zehn Aktien aus sieben verschiedenen Ländern. Die Unternehmen müssen eine Mindest-Marktkapitalisierung von 500 Mio. $ aufweisen. ABN-Amro-Zertifikatsexperte Stefan Gresse sagt: „Das Produkt wurde gut aufgenommen, allein in Deutschland wurden Zertifikate für 50 Mio. € gezeichnet.“

Wie solche Zertifikate für den Anleger laufen, kann man beim Wasserzertifikat der Westdeutschen Landesbank (WestLB) sehen: Sie hatte bereits im April 2001 ein Zertifikat aufgelegt, dass einen Korb von zehn verschiedenen Aktien abbildet (ISIN DE0006962608). Darin enthalten ist etwa die RWE-Aktie, denn RWE ist bisher einer der weltgrößten Wasserversorger. Der Emissionspreis betrug 101 €, der Kurswert liegt heute bei 134,50 €. Anleger können das Zertifikat an der Börse kaufen.

Im September hat die WestLB ein weiteres Wasserzertifikat gestartet, ebenfalls mit einem Korb von zehn Aktien. Es wird im September 2013 enden (ISIN DE000WLB5GV8). Schwergewichte im Aktienkorb sind Hyflux aus Singapur, ein Wasseraufbereiter, und Zenon Environmental aus Toronto, ein Hersteller von Membranen für Wasser- und Abwasserbehandlung. Die Dividenden entgehen den Anlegern bei beiden Produkten – ein Manko: Europäische Versorger wie Suez haben eine hohe Dividendenrendite.

Nur noch bis Mai 2006 läuft das „Europäische Wasser Zertifikat“ (ISIN CH0015966648) der UBS Investment Bank (UBS). Es startete 2003 und hat acht Wasseraktien an Bord. Der Ausgabepreis betrug damals knapp 60 €, heute sind es über 120 €.

Wesentlich mehr Titel als die Wasserzertifikate beinhalten Wasserfonds. Der SAM Sustainable Water Fund (ISIN LU0133061175) enthält knapp 40 Titel. Zu mindestens zwei Drittel soll der Fonds Unternehmen berücksichtigen, die, wie es heißt, „der Nachhaltigkeit erhöhte Bedeutung beimessen“. Der weltweit erste Wasserfonds war der Pictet Global Sector Fund Water der Fondsgesellschaft Pictet (ISIN LU0104884860). Mit über 600 Mio. € Volumen ist er ein Schwergewicht im Wassermarkt. Der Fonds enthält Papiere von Unternehmen aus dem Wassersektor, aber auch der Müllentsorgung.

Für das Management kassieren die Fonds vom Anleger eine Managementgebühr. Bei SAM sind das 1,9 % pro Jahr. Pictet ist mit 1,5 % billiger. Im Vergleich dazu sind die jährlichen Kosten bei den Zertifikaten zwar niedriger, aber immer noch erstaunlich hoch: So heißt die Managementgebühr bei der WestLB „Strukturierungskosten“ und beträgt 1,0 %. Dabei ändert sich die Zusammensetzung des Aktienkorbs nur zwei Mal pro Jahr. Der Wasser-Aktienkorb der UBS wird überhaupt nicht verändert, und die Verwaltungsgebühr beträgt auch dort 1,0 %.

Dass auch der Wassermarkt nicht alle mit sich reisst, hat der Essener RWE-Konzern erfahren: bis 2007 will er sich wieder von Thames Water in Großbritannien und von der American Water Works Company in Nordamerika trennen. Die erst vor wenigen Jahren erworbenen Beteiligungen sind jetzt im RWE-Jargon „mehr als flüssig“: überflüssig. JÖRG WEBER

Von Jörg Weber
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