Value-Investing im Energie-Sektor 07.10.2019, 12:01 Uhr

Warum es sich jetzt lohnen kann, in Offshore-Ausrüster zu investieren

Value-Investoren suchen gezielt nach unterbewerteten Unternehmen. Offshore-Ausrüster sind unter diesem Aspekt derzeit besonders interessant. Denn deren Aktien bieten oft Chancen auf attraktive Kurssteigerungen.

Grafik, Stift, Geld und Tastatur, Collage über Analyse.

Value-Investoren werden aktuell bei Offshore-Ausrüstern fündig.

Foto: panthermedia.net/archerix

Value-Investoren haben sich darauf spezialisiert, nach Unternehmen zu suchen, deren Aktien weit unter ihrem fairen Wert gehandelt werden und verstecktes Kurspotenzial bieten. Fündig werden sie derzeit in einer Branche, die an der Börse zuletzt arg unter die Räder gekommen ist, nämlich Offshore-Ausrüster.

Der Hintergrund: Seit die USA mit preiswert zu förderndem Shale-Öl die Märkte flutet, verlieren Offshore-Plattformen, die teuer das Öl aus dem Meer pumpen, an Bedeutung. Für die Offshore-Branche waren insbesondere die Jahre 2011 bis 2015 bitter: Der Ölpreis sank von über 120 US-Dollar pro Barrel auf teilweise unter 35 US-Dollar. Die Gewinne schmolzen entsprechend. Immerhin haben sich seit 2016 die Preise einigermaßen stabilisiert. Aktuell fördern die teuersten Produzenten Rohöl zu Kosten von etwa 60 US-Dollar pro Barrel. Doch dieses Preisniveau wird wohl mittelfristig zugleich eine Art Obergrenze für den Rohstoff Öl sein – vielleicht von kurzen Spitzen abgesehen, wie zuletzt nach dem Terrorangriff in Saudi-Arabien. Der Ölpreis zog nur kurz an und sank danach sogar wieder in die Nähe des Jahrestiefpreises.

Die Offshore-Branche leidet noch am Preisverfall der Jahre 2011 bis 2015. Die Produzenten haben Ölplattformen und andere Ausrüstungen abgestoßen. Die Ausrüster haben zugleich ihren Flottenbestand und Equipment im Vergleich zum Stand vor zehn Jahren um teilweise bis zu 70 % reduziert.

Die Offshore-Produktion ist regelrecht eingebrochen. Für den Ölmarkt ist das aktuell kein Problem. Shale-Öl wird im Übermaß preiswert produziert. Für neue Offshore-Bohrungen besteht deshalb wenig Bedarf. Dieser Zustand wird jedoch nicht von Dauer sein. Die Welt verbraucht derzeit täglich rund 100 Millionen Barrel Öl. In den vergangenen 20 Jahren ist die Nachfrage um etwa 1,1 Millionen Barrel pro Jahr gestiegen. Daran wird sich vermutlich erst einmal nichts ändern, vor allem dank steigender Nachfrage aus den Schwellenländern.

Derzeit produzieren die USA rund 14 Millionen Barrel Shale-Öl, mit steigender Tendenz. Doch das Produktions-Wachstum verliert an Dynamik. Die bestehenden Ölfelder sind immer weniger ergiebig. Allein in den nächsten 3 Jahren werden fast 20 Millionen Barrel Tagesproduktion ersetzt werden müssen. Dafür werden auch wieder neue Offshore-Explorationen notwendig sein.

Die Nachfrage nach entsprechender Ausrüstung wird in den kommenden Jahren deshalb erheblich anziehen. Da ein Großteil des Equipments verschrottet wurde und die Neuproduktion zum Teil Jahre dauern kann, ist zu erwarten, dass die Preise dafür ganz erheblich anziehen werden.

Für Offshore-Ausrüster sind dies gute Nachrichten. Im Zuge der Krise haben viele von ihnen ihre Schulden restrukturiert und auf ein moderates Niveau gesenkt. Ziehen die Tagesraten für Offshore-Equipment kräftig an, werden diese Unternehmen wieder sehr gut verdienen.

Die Bewertungen am Aktienmarkt sind noch nicht auf diese abzusehende Erholung ausgerichtet. Im Gegenteil. Offshore-Dienstleister haben auf dem bereits niedrigen Niveau vor einem Jahr zum Teil noch einmal weitere 50 bis 80 % an Wert eingebüßt. Einige werden mit bis zu 80 % Abschlag zu ihrem Buchwert an der Börse gehandelt. Auch ihre Anleihen weisen hohe Renditen aus. Mutige und gut informierte Investoren könnten deshalb sowohl mit Aktien als auch mit Anleihen erheblich profitieren. Das ist eine Situation, die Investmentguru Warren Buffet als ein Deep Value Szenario bezeichnen würde. Es sind genau die Chancen, nach denen Value Investoren fahnden.

Doch Vorsicht! Diese Investments bringen durchaus Risiken. Aufgrund der derzeit noch nervösen Marktsituation könnten die Anlagen in diesem Bereich zunächst sogar noch weiter nachgeben, bevor dann eine deutliche Erholung einsetzt.

Porträt von Helge Müller

Helge Müller ist Chief-Investment-Officer der Genève Invest in Luxemburg. Für ingenieur.de schreibt er in regelmäßigen Abständen Kolumnen zur privaten Vermögensverwaltung.

Von Helge Müller, Chief Investment Officer, Genève Invest Tags:

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