Die Warnungen mehren sich 04.02.2000, 17:24 Uhr

Wann platzt die Börsen-Blase?

Die Kurse von Internetwerten, wie Yahoo oder Amazon, seien nicht mehr gerechtfertigt. Platzt bald eine große Spekulationsblase?

Internet-Gesellschaften gehörten 1999 zu den großen Stars der US-Börsen. Unbehindert von den Gesetzen ökonomischer Schwerkraft und fundamentalen Daten wie Umsatz und Gewinn, schossen ihre Kurse in ungeahnte Höhen. Der Markt gibt ihnen zum Teil Bewertungen, die wirtschaftlich nicht zu erklären sind. So soll etwa Internet-Portal-Betreiber Yahoo doppelt so viel wert sein wie General Motors, der größte Autobauer der Welt.
Immerhin, zu Beginn des neuen Jahres hatten die Papiere schon eine erste Begegnung mit der Realität. Gewinnmitnahmen und Zinsängste ließen die Kurse auf breiter Front fallen. Platzt da nun bald eine gigantische Spekulationsblase? Oder legen die Investoren nur eine Pause ein, um danach wieder zuzugreifen? In den Vereinigten Staaten sind die Anleger offenbar bereit, Kursrückgänge als Kaufgelegenheit zu betrachten.
Dennoch herrscht an der Wall Street die Sorge, dass sich der Höhenflug kaum fortsetzen kann. Ein großer Teil der Aktienumsätze in den USA wird über Kredite finanziert. Alan Greenspan, Chef der US-Notenbank, beobachtet die Entwicklung mit Unbehagen. Seine Kritik in der vergangenen Woche löste sofort eine Verkaufswelle aus.
Auf Zinserhöhungen haben Internet-Aktien hingegen in der Vergangenheit kaum reagiert. Das könnte sich ändern, wenn die Fed die Zinsschraube weiter anzieht.
Doch zu verlockend sind andererseits die Gewinn-Chancen. Insgesamt kamen im vergangenen Jahr 242 neue Internet-Aktien an die Börse. 1998 waren es nur 26 gewesen. Viele von ihnen machten Manager und Mitarbeiter über Nacht zu Multimillionären. Das stellte die traditionelle Investor-Psychologie auf den Kopf. Herkömmlich konnten Unternehmen erst dann an die Börse gehen, wenn sie auch substanzielle Umsätze und erste Gewinne hatten.
Aber für Internet- Gesellschaften scheint das nicht erforderlich zu sein. Die Statistik weist aus, dass die Aktien von Firmen, die Verluste machen, doppelt so schnell stiegen wie die von Gesellschaften, die Gewinne ausweisen konnten. Tatsächlich erzielten die Dot.com-Unternehmen 1999 einen durchschnittlichen Umsatz von 18,5 Mio. Dollar und einen Verlust von 17,8 Mio. Dollar. Dennoch verdreifachten sich ihre Kurse im Durchschnitt.

Das Prinzip Hoffnung schaltet alle bekannten Maßstäbe aus

Dies lässt den Eindruck entstehen, dass viele Anleger Aktien nicht mehr als langfristige Investition sehen, sondern als eine Art Jeton fürs Börsenkasino. Internet-Gesellschaften erzielen erheblich größere Zuwachsraten als herkömmliche Unternehmen, wird Pessimisten immer wieder entgegen gehalten. Dies Hoffnungsprinzip mache zugleich auch die überkommenen Bewertungsmaßstäbe ungeeignet, um Dot.coms zu beurteilen. Das gilt offenkundig auch für etablierte Unternehmen, wie Yahoo oder America Online, die zwar Gewinne erzielen, aber auch rund 20 mal so teuer wie traditionelle Aktien sind.
Aber das Vertrauen in die Zukunft schien in den vergangenen Wochen für eine Reihe von Aktien erschüttert. Vor allem hoffnungsfrohe Internet-Händler, die im Weihnachtsgeschäft ihre Umsätze auf 10 Mrd. Dollar mehr als verdreifachen konnten, mussten feststellen, dass ihre Kosten noch schneller gestiegen und Gewinne nicht zu erwarten waren. Das missfiel den Anlegern; sie verkauften in großem Umfang.
Betroffen war auch Amazon. das sich als Amerikas größter Internet-Einzelhändler bezeichnet. Die Gesellschaft, deren Aktienkurs im ersten Börsenjahr um 900 % stieg, teilte mit, dass der Umsatz im vierten Quartal um 157 % auf 650 Mio. Dollar geklettert sei. Zugleich musste Amazon aber einräumen, dass sich der Verlust ebenfalls erhöhte. Innerhalb weniger Wochen fiel der Kurs von 113 Dollar auf 58 Dollar.
Auch andere Internet-Unternehmen, die im Konsumgeschäft tätig sind, haben drastische Kursverluste hinnehmen müssen. Besonders auffallend ist das Beispiel von Value America; dieser Internet-Einzelhändler hat schon in den letzten Wochen sein Top-Management ausgewechselt und muss nun auch noch fast die Hälfte der Mitarbeiter entlassen. Die Anleger versuchten daraufhin, die Aktie schnellstmöglich loszuwerden. Noch im vergangenen Sommer lag der Kurs bei 74 Dollar, jetzt notiert die Aktie um fünf Dollar.
Anderen E-Händlern erging es ähnlich: DrKoop mit einem Minus von 33 %; iVillage mit Minus 30 %; eLoan Minus 30 %, sowie Priceline Minus 21 %. Selbst America Online, das Anfang Januar durch Übernahme von Time Warner Aufsehen erregte, liegt derzeit mit etwa 58 Dollar knapp 40 % unter seinem Höchstwert. Steve Westly, ein Vizepräsident von Ebay, sagt voraus, dass in den kommenden Monaten „50 bis 100 Unternehmen an die Wand fahren werden…“
Wie unterschiedlich herkömmliche und Internet-Unternehmen dennoch beurteilt werden, zeigte sich in der vergangenen Woche. Zwei neue Aktien kamen auf den Markt. Die der angesehenen Versicherung John Hancock fanden nur mäßiges Interesse. Der Kurs stieg von 17 Dollar auf 17,625 Dollar. Bei der anderen handelt es sich um die gerade vier Jahre alte Extensity Inc, die Internet-Software herstellt. Ihr Kurs schoss von 20 Dollar auf 71,25 Dollar in die Höhe.
Viele Analysten und Anleger setzen auch deshalb weiter auf Internet-Werte. Allerdings verlagert sich das Interesse mehr und mehr auf den Business-to-Business-Bereich. Namen wie Free Markets oder Appnet oder BuildersSupplyNet oder CandyCommerce oder AutoXchange werden wahrscheinlich schon bald ebenso bekannt sein wie Amazon oder Ebay. Die These: Diese Unternehmen könnten künftig besonders schnell wachsen, weil sie traditionellen Unternehmen helfen, Kosten zu sparen. Ob sich diese Aktien auch in spekulative Höhen aufschwingen können, bleibt abzuwarten. GERD BRÜGGEMANN
Alles nur Seifenblasen? Viele Internet-Aktien haben astronomische Kurse erreicht. Die Warnungen, dass die Spekulationsblase bald platzen könnte, mehren sich.

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