Private Geldanlage 25.06.2010, 19:47 Uhr

Währungskonten: Goodbye Euro!

Nach dem Absturz des Euro in den vergangenen Monaten hätte mancher gerne die D-Mark zurück. Das wird ein Wunsch bleiben, doch Euro-Skeptiker haben die Möglichkeit, Geld z. B. in US-Dollar oder Schweizer Franken zu investieren. Allerdings sollten sich Anleger bei Fremdwährungskonten neben dem Wechselkursrisiko über weitere Nachteile im Klaren sein.

Wenn die Düsseldorfer Diplom-Ingenieurin Doreen Kruschina abends die Nachrichten schaut, wird ihr mulmig zu Mute. „Ständig ist von neuen Tiefstständen des Euro die Rede“, sagt Kruschina, „da kommt unweigerlich der Gedanke auf, wie gut wir es mit der harten D-Mark hatten.“

So wie Doreen Kruschina ergeht es derzeit vielen Bundesbürgern. Aus Furcht vor Geldentwertung flüchten sie geradezu in Gold und Immobilien. Allerdings hat der Goldpreis mittlerweile luftige Höhen erreicht – und wie schnell eine hastig gekaufte Immobilie zum Geldgrab werden kann, ist der Diplom-Ingenieurin bewusst.

Eine Alternative: Wer anderen Ländern und Währungen mehr zutraut als dem Euro, kann sich mit einem Währungskonto recht unkompliziert als Spekulant versuchen und eventuell sogar einen ordentlichen Gewinn mit der Euroschwäche machen.

Wie Giro- oder Tagesgeldkonten sind Währungskonten täglich verfügbar, das Guthaben wird aber nicht in Euro, sondern z. B. in US-Dollar, britischem Pfund, japanischem Yen oder Schweizer Franken ausgewiesen.

Einige Anbieter, vor allem Direktbanken und Online-Broker, stellen gleich ein gutes Dutzend Währungen zur Wahl, etwa polnische Zloty, südafrikanischen Rand, Hongkong-Dollar oder türkische Lira.

Die Mindestanlage beträgt vielfach 500 €, mitunter wird ein Wertpapierdepot vorausgesetzt. Bar-Ein- und Auszahlungen sind nicht möglich, wohl aber eine schnelle Umbuchung zurück auf das normale Girokonto. Einige Krisengewinnler gibt es in jedem Fall: Die Comdirect Bank, eine Tochter der Commerzbank, berichtete jüngst, dass das Volumen auf ihren Währungskonten seit Jahresbeginn um 50 % gestiegen ist. Besonders gefragt seien Investitionen in Schweizer Franken, norwegische Kronen, japanische Yen und US-Dollar.

Wer zu Jahresbeginn in den US-Dollar investiert hat, kann sich derzeit nach dem Eurosturz von 1,45 $ auf aktuell etwa 1,20 $ über einen Kursgewinn von rund 20 % freuen. Selbst nach Abzug der Abgeltungssteuer bleibt ein dickes Plus. Wer nun sprichwörtlich die Dollarzeichen auf den Augen hat, sollte aber auf Folgendes achten:

Einlagensicherung: Die gesetzliche Einlagensicherung für Anlagen bis 50 000 € greift nicht. § 4 des Einlagensicherungs- und Anlegerentschädigungsgesetzes regelt eindeutig: „Ein Entschädigungsanspruch besteht nicht, soweit Einlagen oder Gelder nicht auf die Währung eines EU-Mitgliedstaates oder auf Euro lauten.“

Über die freiwilligen Sicherungssysteme können indes Fremdwährungen mit abgedeckt sein – das muss der Anleger vorher klären.

Konvertierungskosten: Das Währungskonto selber ist in der Regel gratis, die Umrechnung lassen sich die Banken teilweise üppig vergüten. So fällt bei der Comdirect 1 % des Betrages an, und zwar sowohl beim Tausch als auch beim Rücktausch in Euro. Das macht dann schon 2 % Kosten, die durch die Wechselkursveränderung erst mal reingeholt werden müssen.

Gerade bei großen Summen wäre ein Festpreis pro Transaktion besser. Cortal Consors nimmt z. B. pauschal 19,95 € pro Auftrag. Bei kleinen Überweisungen von z. B. nur 1 000 € wäre das wiederum teuer. Einige wenige Anbieter verzichten ganz auf Konvertierungsgebühren.

Verzinsung: Bei türkischer Lire oder südafrikanischem Rand wird das Fremdwährungsguthaben teilweise mit bis zu 5 % p.a. verzinst. Klingt verlockend, nur sind das nicht die Währungen der Wahl für jemanden, der eine stabile Alternative zum Euro sucht.

Bei den bedeutenden Währungen, wie US-Dollar, japanischem Yen, britischem Pfund und Schweizer Franken, gibt es in der Regel gar keine Verzinsung. Der Eurospekulant verliert somit derzeit etwa 1,5 % Zinsen, die er bei einem Eurotagesgeldkonto bekommen könnte. Bei Konvertierungskosten von bis zu 2 % ergibt sich eine Einbuße von 3,5 %, die über die Wechselkurse mindestens hereingeholt werden müssen.

Pessimisten werden sagen: So viel fällt der Euro doch pro Monat. Andererseits sollte nicht vergessen werden, dass der Euro schon einmal für tot erklärt wurde: Im Jahr 2000 stürzte er auf unter 90 US-Cent – kurz darauf begann ein langer Kursaufschwung bis zur Marke von knapp 1,60 $ im Sommer 2008.

Wann gewinnt eine Währung,
wann fällt sie? Die Nachfrage bestimmt den Preis. Schätzen Anleger die Wirtschaftsperspektiven in den USA besser ein als in Euroland, investieren sie mehr in den Euro – der Preis des US-Dollar steigt. Oder umgekehrt. Eine schwache Währung kann andererseits die Wirtschaftsaussichten verbessern: Weil die Exporte günstiger werden und dadurch mehr Nachfrage auf dem Weltmarkt zu erwarten ist.

Ebenfalls wichtig: das Zinsniveau. Hohe Zinsen ziehen das Geld an. Stehen Leitzinserhöhungen an, steigt die Attraktivität. Derzeit wird erwartet, dass die USA noch vor der Eurozone das Zinsniveau wieder anheben, da sich die Konjunktur in den USA stabilisiert. Das spricht zumindest kurzfristig für den US-Dollar.

Rainer Zuppe, Geldexperte der Stiftung Warentest, rät deshalb zur Ruhe. „Auch der US-Dollar hat in seiner langen Geschichte immer wieder große Abstürze erlebt, dennoch ist er stets Leitwährung geblieben.“

Der Euro sei eine Zeitlang überbewertet gewesen und habe nun Spekulationsluft abgelassen. „Die hohe Staatsverschuldung der Eurostaaten ist sicher kein Grund, komplett aus dem Euro in andere Währungen zu flüchten“, so Zuppe. „Alle große Industrienationen haben mit erheblichen Defiziten zu kämpfen.“

Doreen Kruschina denkt derweil über eine kleine Investition in Schweizer Franken nach: „Da soll der nächste Familienurlaub hingehen. Sollte der Franken bis dahin weiter steigen, wird es nicht ganz so teuer.“

ANDREAS KUNZE

Unter www.modern-banking.de/
vergleich-waehrungskonto-hkd.php
lassen sich Konditionen zahlreicher Anbieter von Währungskonten vergleichen.

Von Andreas Kunze
Von Andreas Kunze

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