Geldanlage 16.04.2010, 19:46 Uhr

Viele Ingenieure verkennen Risiken im Depot

Über 500 Leser haben zu Jahresbeginn am Vermögens-Check der VDI nachrichten teilgenommen. Vermögensverwalter nahmen die Anlagestrategien der Teilnehmer unter die Lupe. Wie investieren deutsche Ingenieure? Wir haben die Vermögensverwalter nach ihren Erfahrungen befragt.

Inflation oder Deflation? Aktien oder Zinspapiere? Widersprüchlicher als in den zurückliegenden Monaten könnten die Nachrichten kaum sein. Entsprechend zurückhaltend agierten die privaten Investoren, suchten trotz Minizinsen lieber ihr Anlageglück in Festgeldern und Anleihen.

Die Sicherheit ihrer Anlagen hatte auch für die Teilnehmer des Vermögens-Checks sehr hohe Priorität. Diesem Bedürfnis wurde die Depotstruktur der meisten Leser jedoch nicht gerecht. „Die Kardinalfehler waren zu hohe Aktienquoten, zu geringe Risikostreuung und somit erhebliche Klumpenrisiken“, resümiert Michael Reuss, geschäftsführender Gesellschafter der Vermögensverwaltung Huber, Reuss & Kollegen, München.

„Der Wunsch des Teilnehmers nach konservativer Anlagestrategie stand häufig im krassen Widerspruch zum aktien- und rohstofflastigen Depot“, hat Katrin Lisok von der Neue Vermögen, Rendsburg, beim Vermögenscheck festgestellt.

Dabei bescheinigten die Vermögensverwalter den Lesern der VDI nachrichten überwiegend zumindest durchschnittliches, teils sogar leicht überdurchschnittliches Finanzwissen. „Unser Eindruck nach 30 Gesprächen: Die Teilnehmer sind in Finanzdingen häufig allein unterwegs und trauen sich das auch durchaus zu. Über die Teilnahme am Vermögens-Check wollten viele eine Bestätigung ihres Handelns erhalten“, schildert Dirk Scherz, Prokurist der Spiekermann & Co AG, Osnabrück, seine Erfahrungen.

Den gleichen Eindruck hatten die Berater der SRQ FinanzPartner in Berlin. „Die Interessenten möchten teils eine Bestätigung erhalten, dass ihre bisherigen getätigten Anlagen gut gewählt waren und kaum verbessert werden können.“

Leider seien einige Teilnehmer auch recht festgefahren in ihren Ansichten, „obwohl das Depot auf der Ertragsseite schon einige Jahre in einer Dürreperiode steckte“, so Matthias Goldbach von Sand und Schott in Stuttgart.

Ein regelrechtes Misstrauen gegen jede Art von Berater machte die Vermögensverwaltung Meridio, Köln, bei ihren Kontakten aus. „Allerdings hatten die Leser größtenteils keine konkreten Vorstellungen von den Vorteilen unabhängiger Vermögensverwalter sowie die Höhe der für eine Verwaltung nötigen Mindestanlagesummen“, ergänzt Iris Zahlten-Dhaouadi von der Performance IMC Vermögensverwaltung in Mannheim.

Der Hauptvorteil bankenunabhängiger Beratung trat beim Vermögens-Check klar zutage: „Vielfach haben wir in den Portfolios vor allem Produkte der Hausbank gefunden, mit hohen Kosten und relativ schwacher Wertentwicklung“, berichtet Dirk Scherz.

Auch der Verbraucherzentrale Bundesverband kommt in Studien immer wieder zu dem Ergebnis, dass „der Vertrieb von Finanzprodukten vor allem durch Provisionen, nicht aber durch die Bedürfnisse der Kunden gesteuert wird“.

Die gesamten Vermögensschäden auf Grund mangelhafter Finanzberatung beziffert eine Untersuchung aus dem vergangenen Jahr auf jährlich 20 Mrd. € bis 30 Mrd. €. Beispiel gefällig? „Auffallend war, dass sich in den Depots einer bestimmten Bank zu 95 % die gleichen Wertpapiere befanden. Fast immer fanden wir den Rohstofffonds BGF Mining, den BGF New Energy und dazu noch gegebenenfalls eine Beteiligung an einem A 380-Flugzeugfonds“, stellte Katrin Lisok fest.

Die Tendenz, sich von seiner Bank hauseigene Produkte aufdrängen zu lassen, ist aber nicht das einzige Manko, das der Vermögens-Check offenbarte. Die Liste der Anlagefehler ist lang und unterscheidet sich trotz guten Finanzwissens kaum vom Durchschnitt der Bevölkerung. „Frei nach Kostolany halten viele Leser zu lange an ihren Investments fest, auch wenn sie enttäuschen.“

Als Vogel-Strauß-Mentalität bezeichnet dies Bernd Junginger von SVA Vermögensverwaltung, Stuttgart. So fanden sich in vielen Portfolios etwa Aktien der Telekom oder Infineon, die trotz Kursabsturz seit Jahren gehalten worden waren. „Dieses Verhalten verhindert die Neuausrichtung auf Anlagen, die mehr Erfolg bringen.“

Ebenfalls typisch: Die als „Home Bias“ bezeichnete Neigung der Anleger, überwiegend Papiere aus dem eigenen Heimatland zu erwerben – selbst wenn ausländische Werte viel bessere Perspektiven bieten.

Weit verbreitet war ein hoher Anteil Liquidität. „Diese Barbestände resultierten vielfach aus der Angst vor Neuanlagen, da die Kunden das Vertrauen in ihre Bankberater verloren hatten“, meint der Münchener Michael Reuss.

Während einige Depots zu geringe Risikostreuung aufwiesen, waren andere wiederum mit so vielen kleinen Positionen bestückt, dass schon die Transaktionskosten einen Teil der Wertentwicklung kompensierten.

Teils versuchten die betreffenden Anleger, mit durchaus akribisch geführten Excel-Tabellen, gefüllt mit Kauf- und Verkaufsdaten, Dividendenzahlungen und Ausschüttungen, das Portfolio zu managen. Das Gefühl, damit alles im Griff zu haben, ist jedoch trügerisch, warnen die Vermögensprofis. MARTIN VOLMER

Ein Beitrag von:

  • Martin Volmer

    Redakteur VDI nachrichten. Fachthemen: Wirtschaft, Konjunktur, Wirtschaftspolitik.

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