VDI nachrichten exklusiv 16.01.2014, 13:29 Uhr

Verbraucherzentrale: „Grüne“ Investments sind risikoreich

Die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein hat Anleger gewarnt, ohne intensive Prüfung in „grüne“ Unternehmen zu investieren. Auch der Fall des Windanlagenbauers Prokon zeige, dass solche Anlagen risikoreich sind, sagte Michael Herte, Finanzexperte der Verbraucherzentrale in Kiel, der Wochenzeitung VDI nachrichten.

Ein Prokon-Werbesticker am 13.01.2014 auf dem Fenster einer U-Bahn in Hamburg. Prokon droht mit der Insolvenz noch in diesem Monat, falls weiteres Kapital aus dem Unternehmen abgezogen wird. Die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein hat schon 2010 das Unternehmen kritisch gesehen.

Ein Prokon-Werbesticker am 13.01.2014 auf dem Fenster einer U-Bahn in Hamburg. Prokon droht mit der Insolvenz noch in diesem Monat, falls weiteres Kapital aus dem Unternehmen abgezogen wird. Die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein hat schon 2010 das Unternehmen kritisch gesehen.

Foto: dpa/Maja Hitij

„Bei den Erneuerbaren Energien unterschätzen viele, dass die Erträge einer Anlage teilweise durch die Finanzierungskosten aufgezehrt werden. Das ist insbesondere der Fall, wenn die Anlage zu einem großen Teil mit Fremdkapital finanziert wird und nicht genug Reserven auf einem Sparkonto liegen“, so Herte. „Läuft mal eine Anlage nicht oder steigen die Kosten für das Fremdkapital, reichen die Einnahmen ganz schnell nicht mehr, um die laufenden Ausgaben zu decken und der Betrieb muss eingestellt werden.“ Deshalb sollten Anleger in Wind- oder Solarparks genau prüfen, dass „die Finanzierung nicht zu stark auf Kante genäht ist und genügend Eigenkapital vorhanden ist“.

Verbraucherzentrale sah Prokon schon 2014 kritisch

Im Fall Prokon hatte die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein schon 2010 gewarnt. „Prokon hat Anlegern sehr hohe Renditen auf ihre Genussscheine versprochen. Dabei hat das Unternehmen aber nicht nachvollziehbar dargestellt, mit welchen Erträgen es diese bezahlen will. Es mangelte an einem transparenten und nachvollziehbaren Unternehmenskonzept“, kritisiert Herte. „Wenn man bei einer Investmentfirma nicht erkennen kann, wie diese ihr Geld verdient und wo es hinfließt, gehen bei uns Verbraucherschützern die Alarmglocken an. Denn dann müssen wir immer davon ausgehen, dass da etwas Krummes läuft.“

Prokon habe seinen Anlegern keine verlässlichen Informationen zur Verfügung gestellt. „Das Unternehmen bot seinen Investoren keine Unterlagen, die detaillierten Aufschluss über das Geschäftsmodell gaben und keinen geprüften Jahresabschlussbericht. Das hätte Anleger von Anfang an abschrecken müssen. Mehr Skepsis wäre hier gut gewesen.“

Insolvenz zwingt Prokon zur Offenlage der Geschäftszahlen

Derzeit könnten die Anleger wenig machen, sondern müssten abwarten. „Das Problem ist, die Anleger sind Genussscheininhaber und haben damit akzeptiert, dass sie im Falle einer Insolvenz nur nachrangig bedient werden. Hier gibt es keine Möglichkeit in diesem Rangverhältnis hochzurutschen.“ Die Insolvenz sei nun eine gute Möglichkeit, Klarheit über die Situation des Unternehmens zu bekommen. „Jetzt wird Prokon gezwungen, aufzudecken, was das Unternehmen wirklich wert ist und wie viele Schulden es hat.“

Das Interview lesen Sie ab Freitag in der Printausgabe der VDI nachrichten.

Von Axel Mörer-Funk

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