Altersversorgung 15.02.2002, 17:32 Uhr

„Unterstützungskasse ist für Mittelständler ideal“

Die Reform der betrieblichen Altersvorsorge überfordert viele Arbeitgeber. Fünf Wege führen zur Betriebsrente. Doch welcher passt zu wem? Fragen an Peter Thomas, Vorstand der Condor Versicherungen, die rund 2000 Versorgungswerke betreuen.

VDI nachrichten: Herr Thomas, wie ist der Mittelstand auf die neue Gesetzeslage eingestellt?

Thomas: Kaum, das stellen wir immer wieder fest. Aber das Thema ist ja auch sehr komplex.

Zum einen hat jeder Arbeitnehmer seit dem 1. Januar 2002 ein Recht auf betriebliche Altersvorsorge durch Entgeltumwandlung, d.h. Geld fließt direkt aus dem Bruttogehalt.

Zum zweiten gibt es die Riester-Rente, eine private, mit Zulagen geförderte Vorsorge. Hier schließt der Arbeitnehmer selbst einen Vertrag, zahlt selbst, und erhält vom Staat eine Zulage.

Und dann gibt es noch eine Schnittmenge: Der Arbeitnehmer kann beispielsweise verlangen, dass die Firma von seinem Gehalt Beiträge abführt für eine Riester-Rente.

VDI nachrichten: Bis wann müssen Unternehmen Lösungen bereit halten?

Thomas: Ab sofort, eigentlich schon seit dem 1. Januar.

VDI nachrichten:Müssen Firmen die ganze Vorsorgepalette anbieten?

Thomas: Nein. Der Arbeitnehmer hat nur Anspruch auf einen nach Riester geförderten Weg. Das sind von den fünf möglichen Wegen zur Betriebsrente nur drei: Pensionsfonds, Pensionskasse und Direktversicherung.

Der Arbeitgeber kann bestimmen, dass die Vorsorge über einen Pensionsfonds oder eine Pensionskasse durchgeführt wird. Tut er das nicht, bleibt er also passiv, hat der Arbeitnehmer zumindest das Recht auf eine Direktversicherung mit Zulagenförderung.

Beide Parteien können auch die Einrichtung einer Unterstützungskasse vereinbaren. Dafür gibt es allerdings keine Riester-Förderung.

VDI nachrichten:Wie bekannt sind diese verschiedenen Möglichkeiten?

Thomas: Bei den kleinen und mittleren Unternehmen ist in erster Linie die Direktversicherung bekannt. Die Pensionskasse gab es hier bisher kaum.

Die Direkt-Zusage wird in kleineren Firmen eher gemieden, weil sie dafür bilanzielle Rückstellungen bilden müssten. Die Unterstützungskasse erlebt seit Ende der 90er Jahre eine gewisse Renaissance – auch im Mittelstand.

Und Pensionsfonds sind in Deutschland etwas ganz Neues.

VDI nachrichten:Für welche Firmen eignen sich denn Pensionsfonds?

Thomas: Vor allem für Großunternehmen, die international tätig sind, denn auf EU-Ebene ist der Pensionsfonds das Mittel der Wahl in der betrieblichen Altersvorsorge.

Die Pensionskasse dagegen ist für Mittelständler interessant, denn sie ist eine nach Riester geförderte Durchführungsform. Aus diesem Grund wurde und wird sie häufig in Tarifverträgen festgeschrieben. Für kleinere Unternehmen optimal ist aus meiner Sicht die Unterstützungskasse.

VDI nachrichten:Warum?

Thomas: Viele Mittelständler möchten Einfluss auf die Verwaltung der Gelder und die Ausgestaltung der Vorsorge nehmen. In der Pensionskasse geht das nicht, da sind die Mitglieder sehr stark reglementiert. Anders bei der Unterstützungskasse: Da können Arbeitgeber die Versorgung ihrer Arbeitnehmer individuell abstimmen.

VDI nachrichten: Wie zum Beispiel?

Thomas: Die Unterstützungskasse bietet quasi einen großen Kuchen an. Der Unternehmer nimmt dann nur die Stücke, die ihm und seinen Mitarbeitern gut schmecken.

VDI nachrichten:Ein paar „Kuchenstücke“, bitte!

Thomas: Man kann zum Beispiel wählen, ob die Mitarbeiter die Altersversorgung als Kapitalleistung erhalten oder als Rente. Die Absicherung von Hinterbliebenen ist ebenso möglich wie der Einschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung. Bei der Pensionskasse geht das in der Regel nicht: Da gibt es eine bestimmte Leistung. Die nimmt man oder lässt es ganz.

VDI nachrichten: Lohnt sich für Arbeitgeber die Einrichtung eines eigenen Versorgungswerks?

Thomas: Meist nicht. Die Gründung ist mit großem Aufwand verbunden. Das lohnt selbst bei Betrieben mit 500 Mitarbeitern noch nicht. Deshalb stellen wir zum Beispiel zwei Unterstützungskassen zur Verfügung, die jeder Betrieb nutzen kann. Die Verwaltung kostet pro Jahr und Mitarbeiter 5 !.

VDI nachrichten:Perspektivenwechsel: Lohnt sich für den Arbeitnehmer eher die Riester-Rente mit Zulagen oder die betriebliche Altersvorsorge?

Thomas: Wir haben in Untersuchungen festgestellt, dass sich für 90 % aller Arbeitnehmer die betriebliche Altersvorsorge mehr lohnt als ein Riester- Vertrag. Die Beiträge zur Unterstützungskasse als Beispiel bleiben steuer- und sozialversicherungsfrei.

VDI nachrichten: Das gilt jedoch nur bis 2008. Und dann?

Thomas: Zum einen muss man abwarten, ob dieses Datum schon das letzte Wort ist von Seiten der Gesetzgebung. Zum anderen bleibt ab 2009 immer noch die komplette Steuerfreiheit der Beiträge – und das ist identisch mit der Riester-Förderung. Damit wären Riester-Rente und betriebliche Altersvorsorge gleich gestellt.

Fazit: Unter Renditeaspekten ist die Vorsorge über Entgeltumwandlung zumindest bis 2008 sehr lukrativ: Die Abgaben-Ersparnisse führen zu einer außergewöhnlich guten Nachsteuer-Rendite. Arbeitnehmer sollten sich zuerst die Direktversicherung ansehen. Aber einen Königsweg gibt es nicht. Wenn sich die Bezüge oder der Familienstand verändern, kann plötzlich ein anderer Vorsorgeweg besser sein.

VDI nachrichten:Was dann ?

Thomas: Nach dem Betriebsrentengesetz können die Ansprüche auf einen neuen Versorgungsträger oder einen neuen Arbeitgeber übertragen werden. So wird vermieden, dass die Arbeitnehmer zum Beispiel nach mehreren Jobwechseln viele Mini-Anwartschaften mit sich herumschleppen.

MARTIN VOLMER

Die Condor Versicherungen, Hamburg, wurden in den 50er Jahren als Teil der Dr. Oetker-Gruppe gegründet. Lösungen zur betrieblichen Altersvorsorge bilden ihre Kernkompetenz.

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