Aktien 02.11.2007, 19:31 Uhr

Trendfolger fuhren die beste Rendite ein  

VDI nachrichten, Frankfurt, 2. 11. 07, mav – Aktien kaufen und sie dann liegen lassen, so wie das der „Altmeister der Börse“ André Kostolany einst empfahl – diese Anlagestrategie geht heute nur noch selten auf. Nach festen Strategien anzulegen, kann gute Renditen bringen. Jedoch sollte man sein Erfolgsrezept immer wieder überprüfen, warnen Experten.

Dass man nicht alle Eier in einen Korb legt, sondern seine Aktien breit streuen sollte, das leuchtet auch einem Laien ein. Diversifikation nennen das die Aktienstrategen. Es ist das Hauptprinzip bei der Aktienanlage. Denn dadurch können Risiken minimiert werden. Fällt die eine Aktie in der Wertentwicklung zurück, entwickeln andere sich vielleicht besser und können das Minus auffangen. Ob man dann die Aktien nach dem „Value“- oder dem „Growth“-Ansatz oder nach Kriterien wie der Dividendenrendite herausfiltert, hängt vom Anlegertyp ab.

Die Zeitschrift Finanztest führt seit Ende Januar 2005 einen Strategietest durch. Dabei hat sie fünf Depots nach unterschiedlichen Anlagestrategien zusammengestellt und verfolgt deren Wertentwicklung. Ausgangspunkt waren 10 000 €. In das erste Depot werden die fünf „Schwergewichte“ eingestellt, die Aktien mit dem höchsten Börsenwert also. Die Aktien mit dem stärksten Kursgewinn im Vorjahr sind im „Trendfolge“-Depot versammelt – man könnte diesen Investmentstil auch als prozyklisch bezeichnen. Die Werte mit dem stärksten Kursverlust im Vorjahr werden ins „Umkehr“-Depot eingestellt – hier wird also antizyklisch investiert.

Für das vierte Depot werden Anteilsscheine mit dem geringsten maximalen Verlust im TecDax ausgewählt, dem Börsenbarometer für Technologieaktien. Das fünfte Portfolio bilden die Aktien mit der höchsten Dividendenrendite, die sich aus dem Verhältnis der Dividende zum Aktienkurs errechnet. Die Zusammenstellung der Depots wird jeweils monatlich angepasst.

Das „Trendfolge“-Depot entwickelte sich seit Anfang 2005 am besten: Aus 10 000 € wurden bis Ende Septemberdiesen Jahres 25 611 €. Auf den Plätzen zwei und drei folgen das TecDax-Depot (21 851 €) und die Schwergewichte (16 979 €). Platz vier belegt die Umkehrstrategie (12 970 €), Schlusslicht ist die Dividendenrendite mit einem Wertzuwachs um nur 20,2 % auf 12 016 €.

Das erscheint auf den ersten Blick überraschend. Jedoch werden die Aktien für dieses Depot von Finanztest stur nach der Höhe der Dividendenrendite ausgewählt – es sei denn, die Unternehmen haben stark an Wert verloren bzw. angekündigt, die Dividende ausfallen zu lassen oder kräftig zu kürzen. Und deshalb landeten eben regelmäßig abgestürzte Aktien im Depot, räumen die Tester ein.

Ganz so strikt verfahren Aktienstrategen aber nicht, wenn sie bei der Aktienauswahl auf die Dividende schauen. Die ist in der jüngeren Vergangenheit für viele ein wichtiges Anlagekriterium gewesen. „Nur Bares ist Wahres“, hat sich tatsächlich dann doch ausgezahlt: 2006 zahlten die 30 Dax-Firmen 23 Mrd. € Dividenden und weitere 5 Mrd. € als Einmalausschüttungen an die Aktionäre. Das war Rekord. 2007 dürfte ein ähnlich guter Dividendenjahrgang werden, meinen Experten.

Die Dividendenhöhe sollte aber nur ein Aspekt eines langfristig ausgerichteten Depots sein, meint Hans-Jürgen Delp, Aktienstratege der Commerzbank. „Wichtig ist auch, wie nachhaltig die Dividende gezahlt wird“, meint Frank Klumpp, Aktienstratege der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Auch der Anteil, den die Dividendenausschüttung am Gewinn habe, sei aussagekräftig.

Als Beispiel nennt er die Deutsche Telekom, die zwar eine hohe Dividendenrendite von 5 % habe, die aber 90 % ihres gesamten Gewinns an die Aktionäre ausschütte. Anders die BASF: Sie hat etwa eine Dividendenrendite von 3,2 %, hat für 2006 aber nur 47 % ihres Gewinns ausgeschüttet. Damit verbleibe genügend Kapital für Wachstumsinvestitionen im Unternehmen, meint Klumpp. Wenn man all dies mit in Betracht ziehe, könne die Dividendenstrategie sehr erfolgreich sein.

„Immerhin hat die Dividendenrendite vieler Unternehmen die Rendite aus Rentenanlagen übertroffen“, stellt Helmut Kaiser heraus, Aktienstratege der Deutschen Bank. Daneben aber sollte man auch auf andere Kriterien achten. Die Aktienstrategen unterscheiden vorrangig zwischen „Value“ und „Growth“-Werten. Die Value-Strategie setzt auf günstige, zurückgebliebene Titel, die ein niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis aufweisen. Anhänger des „Growth“-Ansatzes wählen die Aktien aus, bei denen das erwartete Gewinnwachstum am höchsten ist.

„Alle reden über Growth, aber die meisten legen ihr Geld konservativ an“, meint Kaiser – der Einbruch der Technologieaktien 2000/2001 wirke immer noch nach. Für eine langfristige Anlage hält er aber Momentumstrategien für ungeeignet, die etwa auf die Gewinner des Vorjahres setzen. „Über längere Laufzeiten funktioniert das nicht“, meint Kaiser: „Wenn es so einfach wäre, Geld anzulegen, würde jeder eine solche Strategie verfolgen.“

Und schließlich sollten Investoren sich bei allen Strategien über den Zeithorizont klar werden, den sie für eine Aktienanlage veranschlagen, empfiehlt Hans-Jürgen Delp von der Commerzbank. Außerdem sollten Anleger in der Aufbauphase auch überlegen, ob sie gegebenenfalls ihrem Depot Kapital entnehmen müssten. Das seien wichtige Überlegungen, die bei der Auswahl der Anlagen berücksichtigt werden müssten. Auf jeden Fall sollte man sein Depot strukturieren und nicht reines „Stockpicking“ betreiben, die Aktien also nur einzeln auswählen.

BRIGITTE SCHOLTES

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