Geldanlage 28.10.2005, 18:41 Uhr

Sturm auf Windfonds  

Nach einigen Flaute-Jahren sind Windfonds bei den Anlegern so beliebt, dass das Angebot mit der Nachfrage kaum noch Schritt halten kann. Bessere Technik, sicherere Windprognosen und gestiegene Ölpreise sind die Argumente, die in diesem Jahr die Investoren überzeugen.

Ein einziges Anrennen und Drängen – und das 24 Stunden lang: dann war Zeichnungsschluss. Der friesische Windfondsprojektierer Jade Concept aus Varel hatte in dieser Zeit insgesamt 100 Anlegern sämtliche Anteile seines Windparks „Wismar“ verkauft. 3 Mio. € Eigenkapital zeichneten die Investoren, im Schnitt immerhin 30 000 € pro Kopf.

Ebenfalls schnell vergriffen waren die Anteile des „Windparks Selm“. „Die Kunden haben uns nach Zeichnungsschluss sogar höhere Provisionen geboten, um noch an Anteile zu kommen – was wir natürlich ablehnen mussten“, sagt Klaus Schulze Langenhorst, Geschäftsführer der SL Windenergie aus Gladbeck, die den Fonds aufgelegt hat.

Die Windfonds, die auf den Markt kommen, sind in diesem Jahr wesentlich gefragter als in den vergangenen Jahren, die für etliche Erneuerbare-Energie-Vertriebe eher eine Flaute-Periode waren. Das liegt teilweise auch daran, dass Windfonds fast schon zur Mangelware werden: So prognostizierte die Berliner Ratingagentur Scope für 2005, dass in diesem Jahr deutlich weniger Windfonds als 2004 und 2003 an den Vertriebsstart gehen werden.

Insgesamt allerdings werden geschlossene Energiefonds laut der Scope-Vorhersage 2005 beim Absatz zulegen – der Boom der Photovoltaikanlagen und Biogasfonds sorgen für hohe Umsätze. Das Eigenkapital, das dieses Jahr gezeichnet werde, dürfte bei den Energiefonds um knapp 70 % auf 350 Mio. € zulegen, sagt Scope voraus. Für den Gesamtmarkt der geschlossenen Fonds, also etwa Immobilien-, Schiffs- und Medienfonds, rechnet die Agentur jedoch mit einem fast dreiprozentigen Rückgang. Ein offensichtlicher Grund für die gestiegene Nachfrage nach Erneuerbare-Energie-Fonds ist der Anstieg des Ölpreises. Für die Windfonds spricht noch anderes. „Ihre durchschnittliche Qualität hat sich im Lauf der letzten Jahre verbessert“, sagt Gabriele Glahn-Nüßel, Vermögensberaterin und Leiterin der Wertpapierabteilung der Nürnberger UmweltBank. Ihrer Ansicht nach ist die Anlagentechnik heute ausgereifter, auch die Wartungskonzepte findet sie besser. „Die Betriebssicherheit ist jetzt höher, die Anlagen fallen seltener aus. Und zuverlässigere Anlagen produzieren mehr Strom“, argumentiert Glahn-Nüßel, deren UmweltBank derzeit keinen Windfonds anbietet.

In den vergangenen beiden Jahren gab es dagegen bei den Windfonds einen Käufer-Markt, die Nachfrage war niedrig. Klaus Meier, Vorstand der Bremer WPD AG, seit Jahren Marktführer bei Erneuerbare-Energie-Fonds, führt die Imageprobleme der Vergangenheit als Ursache an: „2000 und 2001 hat die Branche grundlegende Fehler begangen. Die Erträge vieler Projekte wurden massiv überschätzt, die Sicherheitsabschläge waren zu niedrig.“

Einige Initiatoren hätten sich in der Vergangenheit selbst als Generalunternehmer beliefert, sagt Meier. Der Windparkpreis habe sich nach den erzielbaren Erträgen gerechnet – zum Nachteil der Anleger. „Von hinten rechnen“ nennen Experten diese Vorgehensweise: Die Preise für alles, was der Fonds kauft, werden so lange in die Höhe geschraubt, bis rechnerisch eine noch gerade annehmbare Rendite möglich erscheint. Etliche Windpark-Entwickler zogen aus der schwierigen Absatzsituation der vergangenen Jahre eine vielleicht vorschnelle Konsequenz: Sie legten erst gar keine Fonds auf, sondern verkauften ihre kompletten Projekte gleich an Großinvestoren – nur zu niedrigen Preisen. Die dänische Gesellschaft Difko etwa ist mittlerweile ein bekannter Windpark-Aufkäufer in Deutschland. Auch etliche Stadtwerke betreiben Windparks, und immer mehr sollen ausländische Investoren am Markt tätig sein.

Private Windfonds-Interessenten haben derzeit eine selten gute Ausgangsposition. „Die in den Vorjahren geringere Nachfrage nach geschlossenen Windfonds hat den Leistungsdruck auf die Initiatoren erhöht und damit zu einer besseren Qualität der Projekte geführt“, sagt Glahn-Nüßel.

Zudem sollen die Ertragsprognosen besser geworden sein: Die Windgutachter können mittlerweile für deutsche Standorte mit höherer Gewissheit voraussagen, wie der Wind wehen wird. Die Datenbasis für die Windgutachten ist größer geworden, und nicht zuletzt gibt es immer mehr Standorte, die für neue Windparks Referenzwerte liefern. Wie – im Sinne der Anleger – vorsichtig die Initiatoren heute geworden sind, zeigt sich bei Jade Concept: „Wir lassen immer zwei, manchmal drei und teilweise mehr Windgutachten anfertigen. Seit Ende letzten Jahres bestellen wir zusätzlich ein Plausibilitätsgutachten zu den Windgutachten, um die Prognosen noch mehr abzusichern“, sagt Geschäftsführer Andreas Neumann.

Jade Concept kalkuliert außerdem noch einen Abschlag von 10 % der Leistungsfähigkeit ein für die technische Verfügbarkeit der Anlagen und für Netzverluste. Dazu kommt ein allgemeiner Sicherheitsabschlag von noch einmal 10 %.

Manchen Anleger interessiert im Moment allerdings vor allem eins: Dem Finanzamt noch ein letztes Mal ein Schnippchen zu schlagen. Denn die im Frühjahr angekündigte und dann verschobene Gesetzesänderung, mit der steuerliche Verlustzuweisungen kaum noch möglich sein werden, dürfte 2006 Realität werden. JÖRG WEBER

Wenig Fonds: Großinvestoren haben komplette Projekte aufgekauft

Von Jörg Weber
Von Jörg Weber

Themen im Artikel

Stellenangebote im Bereich Verwaltung

TÜV NORD CERT GmbH-Firmenlogo
TÜV NORD CERT GmbH Freiberufliche Auditoren*Auditorinnen (m/w/d) deutschlandweit
Landeshauptstadt München-Firmenlogo
Landeshauptstadt München Bauingenieur*in / Umweltingenieur*in als Betriebshofleitung (m/w/d) München
Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft Aktiengesellschaft in München-Firmenlogo
Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft Aktiengesellschaft in München Underwriter for Engineering CAR/EAR (Contractors/Erection – All Risks) (m/f/d)* München
VDI Technologiezentrum-Firmenlogo
VDI Technologiezentrum Betriebswirt / Verwaltungswirt (w/m/d) für die Forschungsförderung Düsseldorf
Landesamt für Bauen und Verkehr-Firmenlogo
Landesamt für Bauen und Verkehr Bauingenieur*in / Architekt*in im Bautechnischen Prüfamt Cottbus (Homeoffice möglich)
Deutsche Sporthochschule Köln-Firmenlogo
Deutsche Sporthochschule Köln Technischer Sachbearbeiter / Technische Sachbearbeiterin (w/m/d) (2105-nwMA-D4) Köln
Stadt Ahlen-Firmenlogo
Stadt Ahlen Stadtbaurat*rätin / Technische*r Beigeordnete*r Ahlen
Technische Universität Darmstadt-Firmenlogo
Technische Universität Darmstadt Bibliotheksreferendar_in (w/m/d) Darmstadt
Stadt Ratingen-Firmenlogo
Stadt Ratingen Bautechnikerin / Bautechniker (m/w/d) der Fachrichtung Straßenbau Ratingen
Regierungspräsidium Tübingen-Firmenlogo
Regierungspräsidium Tübingen Diplom-Ingenieur/-in (FH) oder Bachelor (w/m/d) Tübingen

Alle Verwaltung Jobs

Top 5 Finanzen

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.