Immobilien 24.01.2003, 18:23 Uhr

Soll ich mein Haus an die späteren Erben verschenken?

Wie viel Erbschaftsteuer fällt bei Immobilien an? Wann ist eine vorzeitige Schenkung sinnvoll? Müssen in Deutschland Steuern gezahlt werden, wenn der Erbe im Ausland lebt? Zwei Spezialisten für Erbrecht beantworteten am vergangenen Montag in einer Telefonaktion die Fragen der VDI-nachrichten-Leser.

Leser: Wie hoch sind die erbschaft-/schenkungsteuerlichen Freibeträge?
Experte: Ehegatten steht ein Freibetrag von 307 000 @ zu, während Kinder pro Kind und pro Elternteil 205 000 @ steuerfrei erhalten können. Enkelkindern kann zu Lebzeiten der Kinder immerhin noch Vermögen im Werte von 51 200 @ schenkungsteuerfrei übertragen werden. Wichtig in diesem Zusammenhang: Die Freibeträge können alle zehn Jahre wieder voll ausgeschöpft werden.
Leser: Fällt keine deutsche Erbschaft-/Schenkungsteuer an, wenn der Erbe im Ausland lebt?
Experte: Auch in diesem Fall kommt eine deutsche Besteuerung in Betracht. Das deutsche Erbschaftsteuerrecht knüpft alternativ an den Wohnsitz bzw. gewöhnlichen Aufenthalt des Erben oder des Erblassers an. Das heißt, auch wenn der Erbe im Ausland lebt, kann es zu einer deutschen Besteuerung des Nachlasses kommen, wenn der Erblasser seinen Wohnsitz in Deutschland hat, und umgekehrt.
Leser: Wie werden Immobilien vom Grundsatz her erbschaft-/schenkungsteuerlich bewertet?
Experte: Angesetzt werden zur Zeit noch die so genannten Grundbesitzwerte. Diese ergeben sich bei unbebauten Grundstücken aus der Grundstücksfläche multipliziert mit den 80 %-igen Bodenrichtwerten und bei bebauten Grundstücken grundsätzlich aus dem 12,5-fachen der Jahresmiete, die im Durchschnitt in den letzten drei Jahren erzielt wurde, abzüglich eines Alterswertabschlages in Höhe von 0,5 % (höchstens 25 %).
Festzuhalten bleibt: Die Grundbesitzwerte liegen in der Regel deutlich unter den Verkehrswerten (durchschnittlich nur 60 % – 70 % der Verkehrswerte), so dass, gemessen an den tatsächlich übertragenen Werten, nur eine geringe Erbschaft-/Schenkungsteuerbelastung entsteht.
Leser: Sollten Immobilien schon zu Lebzeiten auf die künftigen Erben schenkweise übertragen werden?
Experte: Da mit einer Erhöhung der Erbschaftsteuer bzw. einer Annäherung der Grundbesitzwerte an die Verkehrswerte in Zukunft ernsthaft zu rechnen ist, spricht vieles für eine möglichst frühzeitige schenkweise Übertragung auf die späteren Erben unter der zurzeit geltenden Rechtslage.
Hinweis: Der Erblasser kann sich durch Vereinbarung eines Nießbrauchvorbehaltes oder eines Wohnrechtes die Nutzung der Immobilie zu Lebzeiten sichern.
Leser: Ich habe vor anderthalb Jahren ein Haus geerbt. Bis jetzt wurde der Steuerbescheid aber noch nicht zugestellt. Wenn nun das Erbschaftsteuergesetz geändert werden sollte, kann ich dann nach dem neuen Recht besteuert werden?
Experte: Nein, es gilt der Bestandsschutz. Damit bleibt für Sie alles beim Alten, auch wenn künftig Immobilien höher besteuert werden sollten.
Leser: Ich besitze Wertpapiere in größerem Umfang, die ich zu Lebzeiten meinem Sohn übertragen will. Wie werden die Aktien bei der Erbschaftsteuer bewertet?
Experte: Aktien werden mit dem Verkehrswert zum Zeitpunkt des Erbfalls oder der Schenkung bewertet. Bei den derzeit niedrigen Kursen fiele die Besteuerung von Wertpapieren also vergleichsweise günstig aus. Dagegen blieben spätere Kursgewinne von der Erbschaftsteuer unberücksichtigt.
Leser: Meine Frau und ich haben je zwei Kinder aus erster Ehe. Was passiert im Todesfall?
Experte: Ist das Erbe durch Testament nicht zu Lebzeiten geregelt, werden die eigenen Kinder des Erstversterbenden zusammen mit der Ehefrau Miterben zur Hälfte. Beim Tode des Letztversterbenden werden dann nur dessen Kinder alleinige Erben je zur Hälfte.
Ein gemeinschaftliches Testament, mit welchem sich die Eheleute zu alleinigen Erben einsetzen und alle vier Kinder zu gleichen Teilen zu Schlusserben, wäre hier ratsam.
Leser: Ich möchte ein Wohn- und Geschäftshaus von erheblichem Wert an mein Kind verschenken. Ist das sinnvoll?
Experte: Bei einer Schenkung in vollem Umfang direkt an das Kind würde der Freibetrag von 205 000 @ erheblich überschritten. Deshalb ist es sinnvoll, zunächst einen Teil des Wohn- und Geschäftshauses an die Ehefrau zu verschenken, die einen Freibetrag von 307 000 @ hat. Diese kann ihren Anteil zu einem späteren Zeitpunkt an die Tochter verschenken. Die Tochter kann dadurch, dass sie eine Schenkung auch von ihrer Mutter erhält, ein zweites Mal einen Freibetrag von 205 000 @ geltend machen.
Zwischen der Schenkung an die Ehefrau und der Schenkung der Ehefrau an die Tochter sollte ein Zeitraum von mehr als einem Jahr liegen, nach Möglichkeit von zwei Jahren oder mehr. Außerdem darf die Ehefrau nicht verpflichtet sein, den ihr geschenkten Teil des Wohn- und Geschäftshauses an die Tochter weiter zu verschenken. Entsprechend dürfen in dem Schenkungsvertrag an die Ehefrau keinerlei Auflagen oder ähnliches mit diesem Inhalt enthalten sein. Sonst kommt die Tochter nicht in den Genuss des zweiten Freibetrags von 205 000 @. ps

Ein Beitrag von:

  • Peter Schwarz

    Ressortleiter Wirtschaft bei VDI nachrichten. Fachthemen: Wirtschaftspolitik, Konjunktur, Unternehmen.

Stellenangebote im Bereich Verwaltung

Porsche AG-Firmenlogo
Porsche AG Praktikant (m/w/d) After Sales Gesetze & Umwelt Stuttgart-Weilimdorf
Anton Welling Nachf. Oliver Welling e.K.-Firmenlogo
Anton Welling Nachf. Oliver Welling e.K. Immobilienkauffrau / Kauffrau für Büromanagement / Hotelfachangestellte (m/w/d) Münster
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Die Autobahn GmbH des Bundes Teamleiter/in (w/m/d) im Bereich Straßenausstattung Stuttgart
Borsig GmbH-Firmenlogo
Borsig GmbH Sachbearbeiter Technisches Gebäudemanagement / Arbeitssicherheit (m/w/d) Berlin
FVLR GmbH-Firmenlogo
FVLR GmbH Referent/in (m/w/d) Detmold
Stadtwerke München GmbH-Firmenlogo
Stadtwerke München GmbH Leitung Mobilitätseinnahmen und Fördermittel (m/w/d) München
TotalEnergies-Firmenlogo
TotalEnergies Wirtschaftsjurist / Vertragsmanagement Erdgasmobilität (m/w/d) Berlin
Präsidium Technik, Logistik, Service Der Polizei Baden-württemberg-Firmenlogo
Präsidium Technik, Logistik, Service Der Polizei Baden-württemberg Sachbearbeiterin / Sachbearbeiter im Bereich Funkplanung (w/m/d) Stuttgart
Landeshauptstadt Wiesbaden-Firmenlogo
Landeshauptstadt Wiesbaden Sachbearbeiterin / Sachbearbeiter für den Bereich Architektur, Städtebau und Bauingenieurwesen im Sachgebiet Bauberatung und Genehmigungsverfahren Regelbau (w/m/d) Wiesbaden
Stadt Köln-Firmenlogo
Stadt Köln Geodät*in (m/w/d) als Sachgebietsleitung des Bereichs Führung des amtlichen Liegenschaftskataster Köln

Alle Verwaltung Jobs

Top 5 Finanzen

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.