Geldanlage 01.04.2011, 19:52 Uhr

Schweizer Start-up klärt Anleger über Konzerne auf

Unternehmen, die gegen soziale Regeln und Umweltvorschriften verstoßen, gefährden ihre Zukunft. Die Züricher RepRisk AG deckt solche Risiken auf, bündelt und bewertet sie in einer Datenbank. Immer mehr Finanzunternehmen nutzen die Informationsquelle für Entscheidungen.

Lange bevor Erdöl den Golf von Mexiko schwarz färbte und die BP-Aktie etwa die Hälfte ihres Wertes verlor, hätten Investoren wissen können, dass das Papier ein riskantes Investment ist: 2005 beispielsweise waren bei einem Unglück auf einer BP-Raffinerie in Texas viele Tote und Verletzte zu beklagen. 2006 setzte eine defekte Pipeline Alaskas sensible Natur unter Öl.

„Unternehmen der Ölbranche sind besonders risikoanfällig“, sagt Philipp Aeby, Vorstand der RepRisk AG in
Zürich. Sie sammelt und vergleicht Umwelt- und Sozialdaten über Unternehmen. „BP rangiert in unserem Ranking der riskantesten Firmen fast jeden Monat unter den ersten zehn“, berichtet er.

Der Name „RepRisk“ leitet sich von Reputations-Risiken ab, deren Aufklärung sich das Schweizer Start-up verschrieben hat. Auch im März 2011 ist BP das kontroverseste Unternehmen in der Datenbank der Schweizer, gefolgt von den Banken JP Morgan Chase, Goldman Sachs Group, Bank of America und den Ölunternehmen Exxon Mobil und Chevron. Auf dem Weg in die Gruppe dieser schlecht beleumundeten Unternehmen ist auch der japanische Kernkraftwerks-Betreiber Tepco.

2010 war die Bohrfirma Transocean das umstrittenste Unternehmen. Transocean gehörte die Ölplattform „Deepwater Horizon“ im Golf von Mexiko. Laut RepRisk hatte das Unternehmen nicht auf Warnungen reagiert. Ihm werden laut RepRisk zudem rund um den Globus „schwere Mängel bei Gesundheit und Sicherheit“ der Mitarbeiter vorgeworfen.

Die Datenbank enthält nicht nur Unternehmen, sondern auch Projekte. Das seit einiger Zeit kontroverseste ist „Fukushima Daiichi Nuclear Power Plant“, das Katastrophen-kraftwerk. Wer mit Betreibern solcher Anlagen zu tun hat, geht Risiken ein. Ihre Aktienkurse können abstürzen, manche können ihre Kredite nicht zurückzahlen – und immer strahlt ihr schlechtes Image auch auf die Kooperationspartner ab. Insbesondere, wenn ein Zulieferer illegal Kinder beschäftigt oder nicht erlaubte Waffen herstellt.

Meist sind es Unternehmen aus dem Finanzsektor, die RepRisk nutzen. Wenn sie beispielsweise innerhalb einer Kooperation mit anderen Banken Kredite für Großprojekte vergeben, prüfen sie das Reputationsrisiko solcher Finanzierungen. Ein Kredit für ein Wasserkraftwerk in Kurdistan? RepRisk zeigt, ob das Projekt öffentlich angeprangert wurde.

„Wir schauen uns weltweit jegliche Quellen an – was Journalisten schreiben, was Nichtregierungsorganisationen mitteilen, was von Regierungsstellen erhältlich ist, und das ganze in den neun wichtigsten Sprachen“, erläutert der Klimatologe und Umweltphysiker Aeby.

Seine Teams, die in verschiedenen Weltregionen sitzen, durchkämmen dazu tausende von Zeitungen, Newsletter, Webseiten, Blogs.

Die Kritik wird nicht nur aufgelistet. Das Plus von RepRisk stellt die spezielle Suchsoftware dar und die Methode, Informationen zu prüfen, mit Querverweisen zu versehen, zu bewerten und letztlich auch zu benoten.

Erst daraus ergibt sich die schnelle Übersicht über Risiken. Bei noch recht wenig transparenten Märkten wie in Asien arbeiten die Schweizer dabei mit lokalen Partnern zusammen.

Erste Forschungsarbeiten zeigen, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen Reputationsrisiko und finanziellem Risiko: Aktien von besonders kontrovers diskutierten Unternehmen, die in der RepRisk-Liste weit oben stehen, fallen häufiger und kräftiger im Kurs als solche, die wenig Vorwürfen ausgesetzt sind.

Neben Vermögensverwaltern und Managern sind es auch nachhaltige Fonds, die auf die Informationen zugreifen. Da sie oft nicht in Unternehmen investieren dürfen, die beispielsweise in Zusammenhang stehen mit Kernkraft, Rüstung, Kinderarbeit oder Gentechnik, können sie mit den aktuellen Daten ihre Aktienauswahl kontrollieren.

JÜRGEN RÖTTGER

-www.reprisk.com

Von Jürgen Röttger
Von Jürgen Röttger

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