Geldanlage 30.11.2012, 19:56 Uhr

Schiffsfonds in Seenot

Lange Zeit waren Schiffsfonds ein probates Vehikel zum Steuern sparen. Wegen Überkapazitäten der Ozeanriesen droht vielen Anbietern nun aber der Untergang. Zehntausende Anleger bangen um ihr Geld. Ein Rettungsanker ist nicht in Sicht.

Containerschiffe: Oft über Fonds finanziert.

Containerschiffe: Oft über Fonds finanziert.

Foto: Hamburg Süd/Stefan Peikert

Unter deutscher Flagge fährt die größte Containerschiffflotte der Welt. Ein bedeutender Teil dieser Armada ist finanziell in Seenot. Mit an Bord sind zehntausende Privatanleger, die die Schiffe über geschlossene Fonds mitfinanzierten. Sie müssen nun befürchten, ihr Kapital versenkt zu haben.

Auf hohe See gelockt wurden sie u.a. von der Steuergesetzgebung. Denn geschlossene Schiffsfonds firmieren meistens in der Rechtsform einer Kommanditgesellschaft (KG) mit Anlegern als Kommanditisten. Nicht die KG ist Steuersubjekt, sondern der einzelne Anleger, der sein zu versteuerndes Einkommen durch hohe Verlustzuweisungen vermindern kann (Transparenzprinzip).

Schiffsfonds: Anleger stellen ein Drittel haftendes Eigenkapital zur Verfügung

Etwa ein Drittel des Fondskapitals stellen Anleger in der Regel als haftendes Eigenkapital zur Verfügung zwei Drittel sind Bankkredite. Vielen Anlegern dürfte erst jetzt bewusst werden, wie gefährlich ihre Schiffsbeteiligung ist.

Nach Angaben von Markus Lentz, Analyst für Schiffsfonds bei Scope, haben deutsche Anleger in den vergangenen Jahren etwa 30 Mrd. € in insgesamt rund 1500 Schiffsfonds investiert. In der Regel finanziert ein Fonds ein Schiff. Von den 3878 Handelsschiffen unter deutscher Flagge sind 46 % über Schiffsfonds finanziert. Das teilt die Hamburger Lloyd Fonds AG mit, ein Anbieter von geschlossenen Fonds.

Problematisch: Die Schifffahrtsbranche leidet unter immensen Überkapazitäten. In den Boomjahren vor 2008 wurden zahlreiche Schiffe zu hohen Preisen bestellt. Jetzt trifft die erweiterte Flotte auf ein weniger starkes Wachstum des Welthandels. Um überhaupt noch Aufträge zu bekommen, akzeptieren viele Reeder extrem niedrige Charterraten. „Daher können nur noch wenige Schiffe die Zinsen und Tilgungen für die Bankkredite voll erbringen“, so Lentz. Schlimmer: „Viele Schiffe können nicht einmal ihre Betriebskosten decken.“

Überkapazitäten der Schifffahrtsbranche machen Schiffsfonds zu schaffen

Rasche Hilfe sei nicht in Sicht. Denn selbst ein starkes Wachstum des Welthandels könne die Überkapazitäten kaum kompensieren. „2013 werden viele Schiffe ausgeliefert und vergrößern die weltweite Flotte. Eine nachhaltige Erholung der Charterraten ist daher nicht vor 2014 zu erwarten“, so Lentz.

Mindestens bis dahin geschieht der Abbau der Überkapazitäten auch in Form von Insolvenzen. Nach Angaben von Lloyd Fonds haben bereits rund 100 Schiffsfonds die Segel gestrichen. Bei Lloyd Fonds selber seien fünf Fonds insolvent 19 Fonds habe man restrukturieren müssen. In naher Zukunft seien weitere Restrukturierungen nicht auszuschließen. Und beim Hamburger Konkurrenten HCI Capital AG mussten eigenen Angaben zufolge „bei etwas mehr als der Hälfte der Schiffe Restrukturierungen umgesetzt werden. Für 29 Schiffe ließ sich eine Insolvenz nicht vermeiden.“ Häufig seien diese Schiffe Teil eines Dachfonds, der in mehrere Schiffe investiert, „sodass gegebenenfalls nicht das gesamte Investment von der Insolvenz betroffen ist.“

Generell wird im Insolvenzfall das Schiff verwertet. Allzu große Hoffnungen auf einen Anteil am Verkaufserlös sollten sich Anleger aber nicht machen. „Häufig reicht der Erlös nicht einmal aus, um die Bankkredite vollständig zu tilgen“, sagt Lentz.

„Restrukturierung“ bedeutet häufig, dass die Anleger mit zusätzlichem Eigenkapital Liquiditätslöcher stopfen. Dazu handeln Schiffsfondsinitiator und Banken ein Sanierungskonzept aus. Anschließend bleibt den Anlegern oft nur die Wahl, dem Konzept zuzustimmen und sich an einer Kapitalerhöhung zu beteiligen oder – bei Ablehnung – sogar Gefahr zu laufen, sicher geglaubte Ausschüttungen an den Fonds zurückzahlen zu müssen. Allein den Umfang der Kapitalerhöhungen gibt der Verband Geschlossener Fonds (VGF) mit 104 Mio. € im Jahr 2011 an.

In den vergangenen Monaten hat sich das Umfeld für Schiffsfonds weiter verschlechtert. Der Grund: Im Juni kündigte die Commerzbank ihren Ausstieg aus der verlustträchtigen Schiffsfinanzierung an. Und auch die HSH Nordbank, vormals Weltmarktführer in der Schiffsfinanzierung, fährt ihr Schiffs-Engagement drastisch zurück.

Rahmenbedingungen für Schiffsfonds verschlechtern sich weiter

Durch den Ausstieg der beiden Banken verschärft sich die Finanzierungskrise bei den Schiffsfonds noch. Ohnehin sind viele Banken bei leckgeschlagenen Fonds nicht mehr bereit, mit frischem Kapital zu helfen. Damit drohen Schiffsfonds zum Auslaufmodell zu werden – zumindest in der heutigen Form. Auch wenn man bei HCI Capital immer noch überzeugt ist, dass die klassische Schiffs-KG als attraktive Kapitalanlage weiterhin eine wichtige Rolle spielt.

Der Börsenkurs der HCI-Aktie – wie auch der Lloyd-Aktie – sendet indes andere Signale: Beide Kurse sind abgestürzt und nur noch auf „Penny-Stock“-Niveau. Lloyd Fonds bastelt seit gut vier Monaten an einer Auffanglösung für in Not geratene Fonds. Unter dem Namen „Ocean 16“ sollen 16 Schiffs-KGs zu einem Flottenfonds zusammengelegt werden. Die Idee: So können Betriebskosten gesenkt und Risiken verteilt werden. Ob Geldgeber sich für dieses Projekt erwärmen, bleibt abzuwarten.

Auch immer mehr Politiker sehen Reformbedarf bei den Schiffsfonds. So plädieren die Grünen-Abgeordneten Valerie Wilms und Gerhard Schick, letzterer immerhin finanzpolitischer Sprecher seiner Partei, in ihrem Positionspapier „Die Tonnagesteuer in Deutschland: Ein Steuersparmodell mit Nebenwirkungen“ für weitreichende Änderungen. Statt des Transparenzprinzips sollte künftig das Trennungsprinzip innerhalb der Tonnagesteuer gelten. Damit wäre die Schifffahrtsgesellschaft direkt Steuersubjekt (wie bei Kapitalgesellschaften). Durch diese Maßnahme sollen „spekulative Anlagen vermindert und Anleger mit Interesse an einer nachhaltigen Schifffahrt statt am Steuersparen motiviert werden“.

Zudem soll die Schiffsertragsbesteuerung europaweit einheitlich geregelt werden – statt unter deutscher Flagge sollten die Schiffe unter europäischer Flagge über die Meere schippern. 

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