Immobilien 31.03.2000, 17:24 Uhr

Schielen auf den Wohnungsmarkt

Ein wichtiges Thema der Light + Building war die Gebäudeautomation. Als Marktpotential hierfür wurde der Wohnbereich erkannt. Nach fünftägiger Dauer ging die Messe am 23. März in Frankfurt am Main zu Ende.

Rund 40 % aller größeren gewerblich genutzten Immobilien verfügen heute bereits über eine intelligente Haustechnik. Bei kleineren Bürogebäuden und gemischt genutzten Privathäusern sind es dagegen erst 5 %. Vor allem im privaten Wohnungsbau liegt – so auf der Light + Building Godehardt W. Schneider vom Siemens-Geschäftsgebiet Installationstechnik – noch viel Innovationspotential brach. Produkte mit der entsprechenden Bus-Technik seien vorhanden, betonte der Siemens-Manager. Für eine erfolgreiche Durchdringung des Europäischen Installations-Bus (EIB) im Wohnbereich komme es jedoch auch auf ein gutes Angebot im Schalterbereich an. „Einfache Bedienung plus ansprechendes Design plus Busanbindung“ – diese Kombination erachtet Schneider als sehr wichtig für den zukünftigen Markterfolg.
Bei der Wahl der Kommunikations-Übertragung werden derzeit von den Anbietern alle Wege verfolgt: ob 2-Draht-Leitung, Powerline (Stromkabel), Infrarot- oder Funktechnologie. Die beiden letzteren sind dabei von besonderer Bedeutung für Modernisierungsmaßnahmen im Gebäudebestand. Selbst klassische Heiztechnik-Hersteller präsentierten auf der Messe Lösungen für intelligente Hausautomationssysteme, z.B. Stiebel Eltron mit neuen EIB-Adaptern und Vaillant mit einem funkgesteuerten „Haus-Komfort-System“ für elektrische Geräte, Licht, Heizung oder Jalousien.
„Zukünftig wird noch viel mehr Elektronik zur Steuerung und Kommunikation in die einzelnen Produkte einziehen“, sieht Karl Kommissari, Vorstandssprecher der ABB Gebäudetechnik, den Weg vorgezeichnet. Die Entwicklung gehe zu dezentralen Systemen, alles werde „offener, herstellerunabhängiger“. LON-Bus-Module würden jetzt direkt vor Ort in die Geräte (Lüftung/Klima) integriert, dadurch werde nicht nur Stellfläche für Schaltschränke eingespart, sondern auch der Verkabelungsaufwand reduziert. Der Vorteil für den Nutzer: die Brandlast in den Gängen verringert sich. Nur die Umsetzung werde Zeit brauchen, räumte Kommissari ein. Denn „es dauert, bis die Ideen auch tatsächlich vom Nutzer und Erbauer akzeptiert werden“. Der Trend gehe jedoch eindeutig zum „qualitativ hochwertigen Gebäude“, bekräftigte der ABB-Gebäudetechnik-Chef. Dies nicht nur wegen der besseren Vermietbarkeit. Automatisierungssysteme seien schon generell deshalb gefragt, weil die Nutzer mehr und mehr an Daten interessiert sind, um den Energieverbrauch zu reduzieren und das Gebäude optimal zu nutzen.
Neben ABB hob unter anderem auch die Siemens-Tochter Landis & Staefa die zunehmende Bedeutung des Internets für die Automatisierungsbranche hervor. Damit können nicht nur Betriebsdaten unterschiedlicher Gebäude und Anlagen von jeder beliebigen Stelle aus erfasst und überwacht werden, auch Eingriffe zur Regelung und Steuerung sind damit aus der Ferne möglich. „Kommunikationsprotokolle, offene Systeme – dies sind die treibenden Kräfte in der Gebäudeautomation“, unterstrich denn auch Joachim Stelzer, Geschäftsführer von Landis & Staefa Deutschland. BACnet und LON würden derzeit für einen gewissen Schub im Markt sorgen. Große Beachtung fand auf der Messe beispielsweise der Gemeinschaftsstand von LonWorks mit 45 Ausstellern, die dort die Interoperabilität ihrer LON-Produkte (Lokal Operating Network) für die Automation demonstrierten.
Standards wie LonWorks, BACnet oder OPC und auch Fremdsysteme soll die neue „gewerkeübergreifende Kommunikationsplattform“ Enterprise Buildings Integrator (EBI) von Honeywell integrieren, wie Vorstandsmitglied Horst Bellwied erläuterte. Als übergeordnetes, offenes System werde EBI die klassische HLK-Technik und Sicherheitsmanagement-Funktionen mit allen anderen Gewerken vereinen. Zudem sei die Verbindung mit Office-Paketen oder Programmen wie SAP R/3 möglich. In der Integration der unterschiedlichen Subsysteme liege das eigentliche Zukunftspotential.
Die Integration der Systeme gelingt mittlerweile auch bei komplexen Automationsaufgaben in industriellen Bauvorhaben, ergänzte auf der Messe die Ingenieurgesellschaft für Gebäudeautomation (Inga), Hameln. Das mittelständische Unternehmen präsentierte ihr offenes Leitsystem „Intelligente Betriebsstation“ (IBS) mit dezentralen Bedienplätzen auf PC-Basis. „Damit können außer Digitalreglern (DDC) auch speicherprogrammierbare Steuerungen (SPS) und Ereignismeldesysteme von unterschiedlichen Herstellern auf ein gemeinsames Gebäudeleittechnik-System geschaltet werden,“ erörterte Inga-Vertriebsleiter Michael Hanke auf dem Messestand.
Per IBS werden beispielsweise die gebäudetechnischen Anlagen mehrerer voneinander entfernt liegenden Produktionsstätten von einer Zentralwarte aus überwacht, ferngesteuert, ausgewertet und bedarfsweise optimiert – mitunter parallel von einer Dienstleistungsfirma, die sich mit Facility-Management beschäftigt. Hanke: „Das hat sich bewährt.“ Leittechnik für Produktionsstätten und Kommunen würde nämlich immer häufiger offen, also fabrikationsneutral ausgeschrieben.
Nach Erfolgen im Performance Contracting bauen in der Tat viele TGA-Unternehmen und Hersteller von Regelungen den Dienstleistungssektor aus. Beispielsweise stellte Johnson Controls ein mit der KG Allgemeine Leasing (KGAL) entwickeltes Modell namens Fixprice Building Use (FBU) vor. Darin sind die Kosten für Finanzierung, Planung, Errichtung und Betrieb einer Liegenschaft vereint, wie Manager Wolfgang Loeper verdeutlichte. FBU garantiere Festkosten über einen definierten Zeitraum von 10, 15 oder 20 Jahren. Als Vorteil bezeichnete Loeper die Gesamtverantwortung für die Immobilie während der gesamten Lebensdauer: „Damit wird verhindert, dass getrennte Verantwortlichkeiten für Bau und Betrieb zu suboptimalen Ergebnissen führen.“ Durch die „Verläßlichkeit der Kostenplanung“ erwartet Joeper einen Impuls für die Bauwirtschaft. ROBERT DONNERBAUER
Elektronik in der Gebäudetechnik: Bestimmendes Element für automatische Funktionen ist – so konnten sich Besucher der Light + Building vergewissern – die Kommunikation im Gebäude.

Von Robert Donnerbauer
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