Geldanlage 22.08.2008, 19:36 Uhr

„Ruanda ist das Drehkreuz für Ostafrika“  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 22. 8. 08, mav – Mit dem Rohstoffboom ist Afrika als Anlageregion in Mode gekommen. Doch es gibt nur wenige Spezialisten, die sich dort auskennen. Das deutsche Private-Equity-Haus ADC erwirbt und entwickelt Beteiligungen speziell in Ostafrika. Noch legt ADC nur das Geld großer Investoren, wie der Quandt-Familie an. Mit dem für 2009 geplanten Börsengang könnte sich die Holding weiteren Kreisen öffnen.

Investieren in Afrika? Warum nicht. Kruger-Rand, Safaris, Schlemmen mit Blick auf den Tafelberg – im letzten Urlaub haben wir ja gesehen, dass Wirtschaft auch „da unten“ funktionieren kann. Ach, es geht nicht um Südafrika, es geht um Ruanda? Da, wo doch vor gar nicht langer Zeit der Völkermord passierte?

Christian Angermayer dürfte es gewohnt sein, dass seine Gesprächspartner so reagieren, wenn er beginnt, über den jüngsten Spross seines Hauses zu erzählen. Angermayer ist Vorstand der deutschen Vermögensverwaltung Altira Group, die unter anderem Gelder der Quandt-Familie anlegt. Und der erwähnte Spross ist eine Tochter: die African Development Corporation, kurz: ADC, mit Präsenz in Kigali, der Hauptstadt Ruandas.

„Ostafrika ist ein großer Markt mit 120 Mio. Einwohnern, der sich inzwischen schon zu einer Wirtschaftsunion zusammengeschlossen hat, und Ruanda ist das aufstrebende Drehkreuz. Die Wirtschaft in der Region wächst dynamisch, Ruandas Bruttosozialprodukt hat 2007 um rund 6 % zugelegt“, begründet der ADC-Aufsichtsrat das Engagement. Die politischen Risiken in diesem Teil Afrikas wischt er zwar nicht rigoros vom Tisch, relativiert sie aber: „Ruanda hat sich nach dem Genozid von 1994 enorm stabilisiert und ein sehr Investoren-freundliches Klima geschaffen, unterstützt und getrieben vor allem durch Ruandas Präsident Paul Kagame.“

Zudem würden die Konflikte auf dem Kontinent in den europäischen Medien häufig stark überzeichnet. Von den Unruhen nach den Präsidentschaftswahlen in Kenia habe er selbst in Nairobi kaum etwas gespürt, nennt Angermayer als Beispiel. Dafür, dass sich die Lage dort schnell wieder beruhigte, hätten übrigens auch Investoren aus China und dem arabischen Raum mit gesorgt. „Sie haben den verfeindeten Parteien klar gemacht, dass in solch einem Umfeld niemand mehr investiert – und dass somit alle Beteiligten verlieren würden. Ich sehe das als Beispiel, wie der Kapitalismus Frieden sichernd und stabilisierend wirken kann“, bekennt der Finanzexperte.

Eine begrüßenswerte Nebenwirkung, wenn sich das auch in andren Fällen bestätigt. Erstes Ziel aber ist für alle Investoren, eine dem Risiko entsprechende Rendite zu erzielen. Die ADC wurde dafür Anfang 2008 mit 15 Mio. € ausgestattet, noch einmal soviel hat die Beteiligungsgesellschaft in den vergangenen Wochen per Kapitalerhöhung eingeworben. Das Geld stammt von Altira selbst, von wohlhabenden Familien und institutionellen Investoren. Erhofft hatten sich die Fondsmanager in dieser zweiten Runde 20 Mio. € mehr, aber: „Das Fundraising hat sich am Ende als doch anspruchsvoller erwiesen, als anfänglich erwartet, da sich viele Investoren zum ersten Mal mit Afrika beschäftigen“, berichtet Christian Angermayer.

Den Grund dafür sieht er im schwierigen Kapitalmarktumfeld, vor allem in der aktuellen Zurückhaltung der Hedgefonds. „Alle potenziellen Investoren beschäftigen sich aber nach wie vor sehr intensiv mit Afrika. Bis zum Jahresende können wir sicherlich eine weitere Finanzierungsrunde nachschieben,“ meint der Altira-Vorstand.

Das könnte auch erforderlich sein. Denn zwei Beteiligungen hat die ADC schon im ersten Halbjahr unter Dach und Fach gebracht, die nächsten beiden Investments stehen laut Angermayer kurz vor dem Abschluss. Im Portfolio befinden sich aktuell ein 25 %-Anteil an der Banque Rwandaise de Developpement (BRD) sowie ein 70 %-Anteil an Simitel, einem IT-Dienstleister, der elektronische Zahlungssysteme entwickelt und vermarktet.

Die ADC konzentriert sich bei ihren Investments in Ostafrika auf die Segmente Banken und Finanzdienstleistung, IT-Services / Kommunikation und Immobilien. Keine Rohstoffe? „Nein, wir sind nicht diejenigen, die im Kongo im Boden graben, sondern investieren lieber in Wirtschaftszweige, die indirekt stark vom Rohstoff-Boom partizipieren und die wir verstehen – wie Banken und Immobilien.“

Die Beteiligungen werden von ADC aktiv und mit einem unternehmerischen Fokus gemanagt. Ein international gemischtes Team aus sieben Industrie- und Beratungsspezialisten ist ständig in Kigali präsent. „Wichtig ist für uns der tägliche Dialog mit der Regierung“, so die Erfahrung der Beteiligungsmanager.

Ein Großteil der Investitionschancen ergibt sich nämlich aus der Privatisierung staatlicher Betriebe, wie im Fall der BRD. „Insofern zeigt Afrika viele Parallelen zur Situation in Russland vor 15 bis 20 Jahren“, meint Angermayer. Ähnlich stellt sich auch der Wettbewerb zwischen den Kapitalgebern dar. Große Konzerne, die ein strategisches Interesse verfolgen, sind noch nicht in Ostafrika vertreten.

Auf Seiten der Finanzinvestoren gibt es nur wenige Mitspieler. Die größten Investoren stammen aus den arabischen Ölförderländern, aus China und Indien. „Mitbewerber aus Europa und den USA treffen wir dagegen kaum“, berichtet Angermayer. Er prognostiziert, dass solche Mitbewerber in drei bis fünf Jahren auf den ostafrikanischen Markt kommen werden.

Die ADC fokussiert auf Beteiligungsgrößen von 5 Mio. $ bis 15 Mio. $, wobei die Mehrheitsübernahme gewünscht, aber nicht Bedingung ist. Die Anteile sollen zwischen zwei und fünf Jahre gehalten werden, bevor sie an andere Investoren weiterverkauft oder an die Börse gebracht werden. „Wenn die Rendite stimmt, können wir uns aber auch vorstellen, Unternehmen dauerhaft im Portfolio zu behalten“, erklärt der Altira-Manager.

Die Beteiligungsunternehmen selbst seien sehr positiv gegenüber den ausländischen Investoren eingestellt. Angermayer: „Mehr noch als Geld fehlt häufig die Erfahrung. Vieles wird in Ruanda derzeit zum ersten Mal gemacht, wie das Einrichten eines einheitlichen Zahlungsverkehrssystems. Hier können wir durch unser Know How große Werte schaffen.“

Erster auf einem Markt zu sein, zahlt sich in aller Regel aus. Bei der ADC bisher nur für einen begrenzten Kreis großer Kapitalgeber. Das könnte sich im zweiten Halbjahr 2009 ändern. „Wenn das Umfeld stimmt, werden wir die ADC dann an die Börse bringen“, stellt Christian Angermayer in Aussicht. M. VOLMER

Ein Beitrag von:

  • Martin Volmer

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