Geldanlage 29.04.2011, 19:53 Uhr

Rohstoffboom: Finanzprodukte für kundige Anleger

Steigende Preise für Rohstoffe wecken auch bei Privatanlegern Begehrlichkeiten. Immer beliebter werden spezielle Zertifikate, sogenannte Exchange Traded Commodities (ETC). Doch die haben ihre Tücken.

ETC? Bei dieser Abkürzung dürfte so mancher Anleger genau so hilflos dastehen wie einst der außerirdische „E.T.“, als er auf die Erde kam und gleich wieder nach Hause wollte. ETC – das heißt Exchange Traded Commodities und ist der neueste Trend an den Rohstoffmärkten.

Die börsengehandelten Rohstoffe finden immer mehr Anhänger. Nach Angaben des Marktführers ETF Securities stieg im vergangenen Jahr das Volumen für börsennotierte Rohstoffprodukte um fast 50 % auf 163 Mrd. $ (120 Mrd. €), ein Großteil davon floss in ETC. Allein auf Xetra können Anleger bereits rund 200 ETC handeln.

„ETC sind keine Modeerscheinung“, betont Philipp Knüppel von der Deutschen-Bank-Tochter db ETC. „Sie stellen eine notwendige Erweiterung des ETF-Segments dar, um Anlegern in liquider und transparenter Weise Zugang zu Rohstoffen zu bieten.“

Exchange Traded Funds (ETF) können nur Indizes mit mehreren unterschiedlichen Rohstoffen abbilden. Für einzelne Rohstoffe dürfen sie nicht aufgelegt werden, schreibt die Fonds-Richtlinie Ucits vor.

Deshalb haben findige Investoren Alternativen ausgetüftelt und das Vehikel ETC geschaffen. 2003 legte Graham Tuckwell mit dem „Gold Bullion Securities“ den ersten ETC in Australien auf. 2004 wurde das erste Produkt auf dem europäischen Markt eingeführt.

Inzwischen gibt es ETC auf Edelmetalle (Gold, Silber, Platin, Palladium), Industriemetalle (Aluminium, Kupfer, Nickel, Zink), Energie (Öl, Benzin, Gas) sowie landwirtschaftliche Produkte (Weizen, Zucker, Mais, Sojabohnen, Kaffee, Baumwolle usw.) Selbst in Lebendrinder und Magerschweine kann investiert werden.

Vor allem Gold-ETC sind weit verbreitet. Am bekanntesten ist das „Xetra Gold“ von der Deutschen Börse. Sogar auf fallende Rohstoffpreise kann gesetzt werden. Die Deutsche Börse hat 68 Strategie-ETC im Angebot. Die Konzentration auf einzelne spezifische Rohstoffe hat jedoch einen Haken: Anders als ETF sind ETC keine Fonds. ETC sind Inhaberschuldverschreibungen – wie Zertifikate. Fällt der Emittent aus, erleidet der Anleger einen Totalverlust.

Dass ein solcher Fall eintreten kann, haben manche Anleger bei Lehman-Zertifikaten bitter erfahren. ETF sind dagegen Sondervermögen und sind im Fall der Emittentenpleite geschützt. Experten warnen davor, ETC mit ETF zu verwechseln.

Einige Emittenten haben reagiert und hinterlegen einen physischen Rohstoff als Sicherheit, falls sie pleite gehen sollten. Meist werden die Produkte mit Gold abgesichert. So hat die Deutsche Bank alle ihre ETC „mit physischen Goldbarren besichert“, erklärt Thorsten Michalik, zuständig für das ETF-Geschäft der Bank. Allerdings liegen die Barren in London. Nur das Gold des ETC Xetra Gold der Deutschen Börse befindet sich in Deutschland.

Zunehmend versuchen Anbieter, die ETC mit dem jeweiligen passenden Rohstoff zu hinterlegen. ETF Securities bietet inzwischen physisch besicherte ETC auf Kupfer, Nickel und Zinn an. Und die Deutsche Bank plant gerade, den ersten physisch hinterlegten Rhodium-ETC einzuführen. Nicht immer werden Rohstoffe als Sicherheit gewählt. Manche Anbieter hinterlegen auch einfach nur Staatsanleihen oder Aktien.

Ein weiteres Handicap der ETC ist das Währungsrisiko. Die meisten Rohstoffe notieren in Dollar. Einzelne Anbieter haben deshalb währungsgesicherte ETC aufgelegt.Darüber hinaus haben Rohstoff-ETC genau so wie ETF ein strukturelles Problem. Sie investieren über Terminkontrakte in die Rohstoffe. Das bedeutet, dass der Rohstoff in einer bestimmten Menge zu einem bestimmten Preis geliefert wird. Da die Anleger aber die Lieferung der einzelnen Rohstoffe natürlich nicht tatsächlich erhalten möchten, muss der Emittent den Terminkontrakt vorher verkaufen und einen mit einem längeren Zeitraum kaufen. Das Problem: Die Preise der beiden Kontrakte sind nicht identisch. Es entstehen meist Rollverluste. „Diese können einen erheblichen Teil der Wertentwicklung aufzehren“, warnt Analyst Maximilian Kreitlmeier von Morningstar.

Um diese Rollverluste zu verhindern, haben mehrere Anbieter rolloptimierte ETC auf den Markt gebracht. Sie investieren bei großen Preisabweichungen in andere Terminkontrakte oder verschieben den Rolltermin. Aber ganz lassen sich die Rolleffekte nicht vermeiden.

Da sind die Rohstoffpreisschwankungen noch das kleinste Risiko. Zumal langfristig Preiseinbrüche meist kompensiert wurden. In den letzten fünf Jahren hat sich der Goldpreis mehr als verdoppelt auf über 1500 $, Silber ist so teuer wie seit 1980 nicht mehr, Baumwolle ist innerhalb eines Jahres um mehr als 150 % gestiegen, der Kaffeepreis verdoppelte sich nahezu. Vor zehn Jahren prophezeite Rohstoffguru Jim Rogers eine 15- bis 20-jährige Hausse bei Rohstoffen. Sie hält immer noch an. Entsprechend positiv haben sich die meisten ETC in den vergangenen Jahren entwickelt. Ein zweistelliger Kursanstieg ist eher die Regel als die Ausnahme (siehe Tabelle).

Experten wie Morningstar-Analyst Kreitlmeier raten Privatanlegern dennoch, eher in Rohstofffonds oder ETF zu investieren als in ETC. „Sie sind nicht für die breite Masse der Anleger geeignet“, meint er. Das Vertragswerk, die Kosten und das Kontrahentenrisiko seien schwer durchschaubar.

Auch der Finanzstabilitätsrat, ein Beratergremium der G20-Staaten, kritisierte Mitte April in einem Gutachten ETC. Die neuen Produkte seien so komplex, dass Marktteilnehmer die damit verbundenen Risiken noch nicht ganz durchschaut hätten.

Dem widerspricht Nigel Longley, Vertriebschef von ETF Securities. „Wir sind eine sehr transparente Industrie und legen alles offen.“ Allerdings brauche man schon ein gewisses Verständnis für Finanzprodukte, wenn man in ETC investiere, räumt er ein. NOTKER BLECHNER

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