Serie Finanzplanung 03.02.2012, 12:01 Uhr

Rentenplanung: Machen Sie Ihren Ruhestands-Check!

Mit rund 50 Jahren haben die meisten Ingenieure den Zenit ihrer Karriere erreicht. Einen Gang zurückschalten können sie da kaum – auch nicht bei ihren Finanzen. Denn in den Jahren, die vor ihnen liegen, gilt es, das erarbeitete Vermögen sorgsam zu mehren. Das setzt umsichtige Planung voraus.

Wer gut verdient, kann sich einiges leisten. Und so dürften die wenigsten Ingenieure im Alter zwischen 50 und 60 Jahren derzeit wegen ihres Einkommens jammern. Immerhin liegt für Fachkräfte über 50 Jahren der Gehaltsmedian bei gut 73 000 €. Das oberste Viertel brachte es 2011 sogar auf mehr als 91 875 €, wie ingenieurkarriere.de, das Karriereportal der VDI nachrichten, ermittelt hat. Und gutverdienende Abteilungsleiter in dieser Gruppe tragen demnach über 100 000 € nach Hause.

Kein Grund zur Sorge also? Nicht unbedingt. „Wer seinen Lebensstandard im Alter halten will, kommt an einer frühzeitigen Finanzplanung für den Ruhestand nicht vorbei. Nur so lassen sich eventuelle Lücken im Vermögen rechtzeitig erkennen“, sagt Michael Reuss von der Huber, Reuss und Kollegen Vermögensverwaltung mit Hauptsitz in München. Sein Rat: Im Alter zwischen 50 und 55 Jahren sollten sich Ingenieure mit dem Thema befassen, um bei Bedarf gegensteuern zu können.

Die Rentenplanung beginnt mit dem Kassensturz

Der erste Schritt zur Ruhestandsplanung ist ein gewissenhafter Kassensturz mit den vorhandenen Vermögenswerten. Dazu gehören etwa Immobilien, Fondsanteile, Aktien, Edelmetalle oder Liquidität. „Dabei sollte man auch prüfen, ob künftige Auszahlungen – etwa aus einer Lebensversicherung – noch realistisch angesetzt sind und wie hoch die zu erwartende gesetzliche und betriebliche Rente ausfällt“, rät Claus Walter vom Freiburger Vermögensmanagement. Nicht zu vergessen: Die voraussichtliche Geldentwertung muss bei der Kalkulation künftiger Einnahmen einbezogen werden, da sonst eine Vermögensillusion entsteht.

Danach geht es um die voraussichtlichen jährlichen Ausgaben im Ruhestand. Dabei steht weniger die akribische Ermittlung im Fokus, als vielmehr das große Bild über das Leben im Ruhestand. „Stellen Sie sich die Frage: Wie will ich leben? Schließlich hängen die Ausgaben von Ihren individuellen Vorstellungen ab“, so der Finanzprofi aus Freiburg. So brauchten Leute, die oft verreisen wollen, dafür mehr Geld als vorher im Gegenzug fielen alle berufsbedingten Kosten weg.

Nach dieser Fleißarbeit werden die jährlichen Ausgaben, bei der ebenfalls die Inflation zu berücksichtigen ist, mit den wahrscheinlichen Ruhestandsjahren multipliziert und danach den Vermögenswerten und Rentenansprüchen gegenübergestellt. „Das Ergebnis ist das, was seit Jahren als Rentenlücke durch die Medien geistert, aber versehen mit einer ganz individuellen Komponente“, so Claus Walter.

Für die meisten unabhängigen Vermögensverwalter ist die Erarbeitung einer solchen Privatbilanz selbstverständlich. Schließlich wird in Sachen Ruhestandsplanung nur durch eine solche Bilanz klar, was noch getan werden muss, um die eigenen Vermögensziele zu erreichen.

Das Geld für die zusätzliche Vorsorge können die Anleger im Grunde nur durch Konsumverzicht aufbringen. Psychologisch besser ergeht es lediglich denen, bei denen bisherige Ausgaben entfallen – etwa weil Sohn oder Tochter das Studium beendet haben –, sodass die Einschränkung nicht spürbar wird.

Experte: 50plus-Generation sollte den Fokus auf „Mehrung des Vermögens durch Rendite“ legen

Michael Reuss rät Angehörigen der Generation 50plus, zu Beginn dieses Lebensjahrzehnts den Fokus „durchaus auf die Mehrung des Vermögens und die Rendite“ zu legen. Ein 50-jähriger Anleger mit ausgewogenem Risikoprofil könnte nach seinen Worten 25 % seines Wertpapierdepots in „Industrieanleihen von Unternehmen mit einer sehr starken Marktposition“ investieren.

Weitere 30 % würde Reuss für vermögensverwaltende Fonds und 15 % für dividendenstarke Aktien oder entsprechende Fonds vorsehen. 10 % flößen in Wandelanleihen, die gegebenenfalls in Aktien gewandelt werden können, 5 % zur Absicherung in Gold. „Den Rest würde ich aktuell liquide halten, um nachzukaufen, wenn sich die durch Schuldenkrise und Rezessionsgefahr angespannte Situation verbessert“, sagt der Münchner Finanzprofi.

Was auffällt: Staatsanleihen aus Euro-land spielen in diesem Depot kaum eine Rolle. Ähnlich hält es Ottmar Wolf von der Wallrich Asset Management AG mit Sitz in Frankfurt: „Solange die Schuldenkrise andauert, gehören Staatsanleihen aus der EU, den USA und Japan nicht ins Depot“. Den Schwerpunkt für 45– bis 50-Jährige setzt Wolf mit jeweils 30 % bis 50 % klar auf Aktien und Hochzinsanleihen von Unternehmen aus Nordeuropa. Letztere hätten wegen der angespannten Lage an den Märkten „oft Renditen von 6 % bis 9 %, obwohl die Unternehmen recht gut dastehen“, so Wolf. 10 % bis 15 % des Depots könnten als Absicherung vor dem „worst case“ in Anleihen sicherer Staaten wie Kanada, Norwegen oder der Schweiz sowie 5 % bis 10 % des Depots in Edelmetalle fließen. Auch Immobilienaktien mit guter Dividendenrendite seien interessant.

„Je älter der Anleger wird, desto mehr sollte der Vermögenserhalt in den Vordergrund treten“, sagt Claus Walter, der in seinem Depot auf eine sehr breite Streuung setzt (siehe Tortendiagramm). Der Grund für die stärkere Defensive: Es bleibt immer weniger Zeit, um eventuelle Verluste vor dem Ruhestand auszubügeln.

Rentenplanung: Kurz vor der Rente keine Anlagen mit hohen Zinsversprechen

Aus diesem Grund warnt Reuss Anleger davor, sich wenige Jahre vor dem Ruhestand von hohen Zinsversprechen blenden zu lassen und dabei den Substanzerhalt zu vernachlässigen. „Was nutzt die Aussicht auf einen hohen Zinsertrag, wenn ich mir dafür das Risiko eines großen Substanzverlustes einhandele?“, so der Münchner Vermögensverwalter.

Unter Umständen sei es sogar besser, auf Grund geringer Zinsen einen kleinen Substanzverzehr hinzunehmen, statt viel Geld zu riskieren.

Wird eine Erbschaft gemacht, sollten die zusätzlichen Vermögenswerte in die eigene Planung passen. Wer etwa eine ältere Immobilie an seinem Geburtsort erbt, aber seinen Lebensmittelpunkt 500 km entfern davon hat, ist mit einem Verkauf wohl am besten beraten – auch wenn es emotional nicht ganz einfach sein mag. 

Der vierte Teil unserer Serie beschäftigt sich mit der Finanzplanung im Rentenalter. Er erscheint am 10. Februar.

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