Versicherungen 01.03.2013, 17:00 Uhr

Radeln mit Rückenwind aus der Steckdose ist in aller Regel mitversichert

Ob Muskelkraft verstärkende Pedelecs oder alleine fahrende E-Bikes – für Elektroräder gibt es inzwischen klare rechtliche Regelungen. Nur die Pedelecs mit Anfahrhilfe bis 6 km/h befinden sich noch in der Grauzone.

Pedelecs boomen: 2012 wurden rund 400.000 in Deutschland verkauft. Sie genießen den gleichen Versicherungsschutz wie Fahrräder ohne zusätzlichen Antrieb.

Pedelecs boomen: 2012 wurden rund 400.000 in Deutschland verkauft. Sie genießen den gleichen Versicherungsschutz wie Fahrräder ohne zusätzlichen Antrieb.

Foto: GDV

Viele Privathaftpflichtversicherungen haben eine Klausel, die Schäden aus dem Gebrauch eines „Kraft-, Luft-, Wasserfahrzeugs oder Kraftfahrzeuganhängers“ ausschließt. Unter diese Klausel fielen bis Herbst auch Pedelecs (Pedal Electric Cycle). Inzwischen hat der Bundesverkehrsminister Elektroräder ohne Anfahrhilfe, die es bei einer maximalen Motorleistung von 250 W auf bis zu 25 km/h bringen, rechtlich den Fahrrädern gleichgesetzt. Für ihre Nutzung bedarf es keiner Fahrerlaubnis, keiner Zulassung, keines Helms und keiner speziellen Versicherung. Den Rädern gleichgesetzt sind sie bei Schäden gegenüber Dritten in der privaten Haftpflichtversicherung automatisch mitversichert.

Bei den Pedelecs, die über eine elektromotorischen Anfahr- oder Schiebehilfe verfügen, die eine Beschleunigung des Fahrzeuges auf eine Geschwindigkeit von bis zu 6 km/h, auch ohne gleichzeitiges Treten des Fahrers ermöglichen, fehlt bisher eine solche Regelung. Der Gesetzentwurf, der diese Fahrzeuge den Rädern gleichsetzen würde, lässt auf sich warten.

Damit sind Schäden solcher Fahrzeuge unter Umständen nicht versichert. „In der Praxis spielt dies aber keine Rolle“, sagt Stephan Schweda vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Nach seiner Erfahrung versicherten die meisten Gesellschaften Schäden aus dem Gebrauch dieser Fahrzeuge mit. Dies empfehle der Verband seinen Mitgliedsunternehmen unverbindlich. Gleichwohl rät er Kunden eines Pedelecs mit Anfahr- oder Schiebehilfe dennoch bei ihrem Versicherer nach dem Deckungsschutz nachzufragen.

Schnelle Elektrobikes brauchen Versicherungskennzeichen

Für die schnelleren Elektrofahrräder S-Pedelecs und E-Bikes sind die Regeln strikter. Für Fahrzeuge mit Tretunterstützung und Geschwindigkeiten über 25 km/h oder einer tretunabhängigen Motorunterstützung und Geschwindigkeiten über 6 km/h bis max. 45 km/h braucht der Fahrer eine Betriebserlaubnis, die EU-Typengenehmigung und, wenn er nach dem 1. April 1965 geboren ist, mindestens einen Mofaführerschein. Außerdem gelten die Versicherungs- und Schutzhelmpflicht.

S-Pedelecs und E-Bikes müssen zum 1. März neu versichert werden. Das bisherige grüne Mopedschild wird dabei gegen ein blaues getauscht. Wer nach dem 1. März noch „grün“ unterwegs ist, fährt nicht nur ohne Haftversicherung, sondern macht sich auch strafbar wegen Fahrens ohne Versicherungsschutz. Dies kann nach § 6 Pflichtversicherungsgesetz mit einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr geahndet werden.

Den Preis einer Mofa-Versicherung bestimmen im Wesentlichen der Deckungsumfang (nur Haftpflicht oder auch Kasko), die Region der Zulassung und das Alter des Fahrers.

Versicherungen: Preisunterschiede von fast 200 Euro

Einer Untersuchung des Online-Magazins VersicherungsJournal zufolge herrschen für die Kombination Haftpflichtdeckung (100 Mio. €) und Teilkasko-Deckung (150 € Selbstbehalt) Preisunterschiede von fast 200 €. Die günstigsten der 53 untersuchten Tarife hatten die WGV und ihre Internettochter WGV Himmelblau, die Huk-Coburg und ihre Tochtergesellschaft Bruderhilfe sowie die Öffentlichen Versicherungen Oldenburg. Die reine Haftpflichtdeckung war bei den beiden WGV- sowie den beiden HUK-Coburg-Gesellschaften schon unter 50 € im Jahr zu haben – das teuerste, vergleichbare Angebot kostete dreimal so viel.

Die schnelleren Elektroräder können gegen das Risiko des Diebstahls mit einer Teilkasko versichert werden. In Hausratversicherungen sind sie – anders als häufig Fahrräder – nicht mitversichert. „Jeder Hausratversicherer ist in seinen Bedingungen frei, Fahrräder zu versichern, Pedelecs aber ausdrücklich auszuschließen“, sagt Klaus Brandenstein von der Unfallforschung der Versicherer (UDV).

Radeln mit Rückenwind aus der Steckdose ist in aller Regel mitversichert

Radeln mit Rückenwind aus der Steckdose ist in aller Regel mitversichert

Quelle: GDV

Der Schutz, den die Hausratversicherung bietet, ist bei Rädern ohnehin gering. Zum einen werden die gestohlenen Fahrräder nur bis zu 1 % der Versicherungssumme ersetzt. Das sind oftmals einige wenige hundert Euro für ein Pedelec, das neu über 1000 € kostet.

„Nachtklausel“ gilt auch für Elektroräder

Zum anderen regulieren viele Hausrat-Versicherer immer nach der Nachtklausel. Das heißt, wird das Rad in der Zeit von 22 Uhr bis 6 Uhr morgens gestohlen, geht der Versicherte leer aus – unabhängig davon, ob er das Rad mit einem Fahrradschloss gesichert oder in einen Abstellraum geschoben hatte. Um das Pedelec gegen Diebstahl abzusichern, lässt sich die Hausratsversicherung meist erweitern. Im Markt gibt es Deckungssummen von bis zu 5 % der Versicherungssumme der Hausratsversicherung. Darüber hinaus verkaufen eine Reihe von Fahrrad-Händlern inzwischen auch spezielle Versicherungen zusammen mit dem neuen Elektrorad. Diese Policen bieten oft auch Schutz gegen Vandalismus und gegen den Verschleiß bestimmter Radteile.

Ein Beitrag von:

  • Monika Lier

    Monika Lier ist Diplom-Volkswirtin und freie Journalistin.

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