Geldanlage 12.12.2008, 19:38 Uhr

Pfandbriefe sind stolz auf ihre Sicherheit  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 12. 12. 08, mav – Die Anleger sind wegen der Finanzmarktkrise zutiefst verunsichert. Sie suchen händeringend einen sicheren Hafen für ihre Anlagen. Bisher waren bei diesem Problem neben Bundeswertpapieren auch Pfandbriefe die richtige Lösung. Doch nach der Beinahepleite der Hypo Real Estate und aus Angst vor sinkenden Immobilienpreisen haben die Anleger nun Zweifel an der Sicherheit von Pfandbriefen bekommen. Doch die Experten beruhigen.

Das Pfandbriefgesetz garantiert durch seine Vorschriften einen hohen Anlegerschutz, heißt es bei der Münchener Hypothekenbank. Ähnlich wie bei Investmentfonds ist die Deckungsmasse der Pfandbriefe von der Insolvenzmasse der Bank ausgenommen. Im Falle der Insolvenz einer Bank werden also aus den Sicherheiten in vollem Umfang die Forderungen der Anleihegläubiger befriedigt.

Den Pfandbrief gibt es nach den Worten von Louis Hagen, dem Hauptgeschäftsführer des Verbandes deutscher Pfandbriefbanken, schon annähernd 240 Jahre: „Und seitdem hat noch kein Anleger Geld verloren.“ Deshalb seien Pfandbriefe mündelsicher und ein Anlagesegment höchster Bonität. „Pfandbriefanleger können also ruhig schlafen“, sagt Louis Hagen. Die Schwierigkeiten der Hypo Real Estate Gruppe haben nach seiner Aussage mit dem Pfandbriefgeschäft der Bank nichts zu tun, sondern hatten Refinanzierungsschwierigkeiten ihrer irischen Tochter als Ursache.

Axel Hinzmann, Leiter Emissionsgeschäft bei der Postbank, verweist auf die Erklärung der Bundesregierung, dass sie kurzfristig gesetzliche Maßnahmen zur Gewährleistung von deutschen Pfandbriefen ergreifen werde, wenn dies für die Funktionsfähigkeit des Marktes erforderlich sei. Zweifel an der Sicherheit von Pfandbriefen sind aus Sicht von Axel Hinzmann aber unbegründet: „Die im Pfandbriefgesetz vorgesehenen Sicherheitsmechanismen schützen den Pfandbriefanleger sehr gut und machen den Pfandbrief so sicher, wie es sonst nur deutsche Staatsanleihen sind.“

„Pfandbriefe gelten als topsichere Anlagen“, bestätigt Burkhard Wagner von der Partners Vermögensverwaltung in München. Es bleibe jedoch ein „Magengrummeln“ darüber, ob im absoluten Krisenfall dem Anleger irgendjemand die Pfandbriefe auch zu ordentlichen Preisen abkauft.

Bei öffentlich gesicherten Darlehen sowie erstklassigen Baukrediten besteht nach Einschätzung von Burkhard Wagner bei Pfandbriefen jedoch geringer Spielraum, mit irgendwelchen „Quatschanlagen“ konfrontiert zu werden. Hierfür biete das gesetzlich vorgeschriebene Deckungsstockregister zu geringe Möglichkeiten. Erstklassige Baukredite mit ordentlicher Eigenkapitalquote könnten natürlich auch einmal „unter Wasser kommen“. Allerdings habe der Markt derartige Krisen bisher gut überstanden.

Sinkende Immobilienpreise in den USA waren einer der Auslöser der Finanzmarktkrise. Insofern ist für die Münchener Hypothekenbank der Einfluss rückläufiger Immobilienpreise auf Pfandbriefe nicht zu bestreiten. Allerdings würde die im Pfandbriefgesetz verankerte Beleihungswertgrenze von 60 % die negative Auswirkung sinkender Immobilienpreise drastisch einschränken. Da Wohnimmobilien nur zu 60 % beliehen werden dürfen, verfüge der Hypothekenpfandbrief „über eine komfortable Sicherheitsmarge“. Erst bei einem Immobilienpreisverfall von über 40 % leide die Werthaltigkeit der Pfandbriefe.

„Durch die Unsicherheit am Kapitalmarkt ist die Risikoangst der Anleger jedoch gestiegen. In diesen Zeiten bevorzugen vorsichtige Investoren Bundeswertpapiere“, sagt Axel Hinzmann. Dadurch habe sich auch die Zinsdifferenz von Pfandbriefen zu Bundeswertpapieren ausgeweitet.

Die täglich ermittelten Pfandbriefnotierungen weisen zurzeit im Fünf-Jahres-Bereich einen Zinsvorsprung von rund 1,10 Prozentpunkten. Für zehn Jahre beträgt die Differenz rund 0,90 Prozentpunkte. Hierbei muss man aber berücksichtigen, wie der Experte zu bedenken gibt, dass sich auch europäische Staatsanleihen gegenüber Bundeswertpapieren verteuert haben. So notieren etwa zehnjährige italienische Staatsanleihen zurzeit rund 1,25 Prozentpunkte über Bundeswertpapieren.

Privatanleger erwerben Pfandbriefe nach den Beobachtungen von Gisela Brandhoff von der Eurohypo bei ihrer Hausbank oder direkt über die Börse. Wer verkaufen möchte, könne das jederzeit über die Börse, seine Hausbank oder den Emittenten selbst tun. Wie bei jedem festverzinslichen Wertpapier würden jedoch Veränderungen des allgemeinen Zinsniveaus den Wert des Pfandbriefes beeinflussen, so dass es bei einem Verkauf vor Fälligkeit zu Kursgewinnen oder -verlusten kommen könne.

Die hohe Stückelung von Pfandbriefen (Jumbo-Pfandbriefe 1000 €/ausländische Pfandbriefe 50 000 € bzw. 100 000 €) macht es nach Aussage von Sandra Lorke für Privatanleger schwer, direkt in diese Papiere zu investieren. Unter diesem Aspekt und mit Blick auf die Risikostreuung im Depot sollten Pfandbriefe deshalb, wie die Expertin meint, über Investmentfonds erworben werden, die jederzeit veräußert werden können.

Beispielsweise seien in vielen Euro-Rentenfonds die Pfandbriefe momentan ein wichtiger Bestandteil.

OSKAR METZGER

Ein Beitrag von:

  • Oskar H. Metzger

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