Versicherungen 01.08.2008, 19:36 Uhr

Ohne Extra-Vertrag bleiben Hausbesitzer im Regen stehen  

Klassische Hausrat- oder Wohngebäudeversicherungen zahlen für Schäden durch Starkregen nicht.

Das Sommerwetter kündigte sich bereits launisch an: Von Mai an meldete die Unwetterzentrale für einzelne Regionen immer wieder starke Regenfälle mit Niederschlagsmengen von 20 l bis 40 l pro m2 binnen 30 bis 60 Minuten. Anfang Juni traf es dann einige Gemeinden des in Baden-Württemberg gelegenen Zollernalbkreises besonders heftig: Bei Regenmengen von 65 l pro m2 und Stunde unterspülte und überflutete der bis dato kleine Fluss Starzel einige Häuser. Die Wassermassen überlasteten zudem die Kanalisation, was vielfach zu Überschwemmungen durch Rückstau und der damit einher gehenden Verunreinigung mit Abwasser führte.

Für einen Teil der Betroffenen lief es dennoch glimpflich ab: Da in Baden-Württemberg bis 1994 Versicherungspflicht für diese so genannten Elementarrisiken bestand, sind dort immer noch vergleichsweise viele Haushalte gegen die finanziellen Folgen von Überschwemmungsschäden durch eine Elementarversicherung geschützt.

Am vergangenen Wochenende dann: Land unter in Dortmund. Dort meldete der Deutsche Wetterdienst zwischen 150 l und 200 l Regen innerhalb von vier bis fünf Stunden. Allein in der Samstagnacht gingen daraufhin 4500 Notrufe bei der Feuerwehr ein.

Bundesweit decken die klassischen Hausrat- und Wohngebäudeversicherungen nur die Unwetterschäden durch Sturm und Hagel. Für die finanziellen Folgen einer Überschwemmung kommt hingegen allein die Elementarversicherung auf, die aber extra abgeschlossen werden muss.

Ausnahmen sind zuweilen Komfort- oder Premiumangebote rund um die Immobilie, die verschiedene Gefahren versichern, oder die Verkaufspraxis der SV Versicherung. Denn der deutsche Marktführer in der Wohngebäudeversicherung setzt in seinem Geschäftsgebiet Baden-Württemberg auf die Tradition und bietet seinen Kunden nicht den Einschluss, sondern nur auf Wunsch den Ausschluss dieser Gefahren an. Die Hauseigentümer nehmen diese komplette Deckung dann im Normalfall, sagt SV-Pressesprecherin Sylvia Knittel. Für ein durchschnittlich großes Haus verlangt die SV bei der Wohngebäudeversicherung mit Elementarschutz knapp 26 € mehr im Jahr als ohne dieses Extra.

Deutschlandweit scheint der Schutz jedoch entweder noch zu unbekannt oder zu wenig geschätzt. Nach Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat sich bisher nur etwa jeder fünfte Haushalt auch gegen Elementarrisiken abgesichert. Dabei könnten über 98 % der Gebäude in Deutschland gegen Überschwemmungsschäden versichert werden, sagt Thomas Vorholt, Vorsitzender des GDV-Fachausschusses Sachversicherung.

Seit einigen Jahren setzen die deutschen Erstversicherer bei der Versicherung des Überschwemmungsrisikos die Software ZÜRS (Zonierungssystem für Überschwemmung, Rückstau und Stark-Regen) ein. Auf dieser Basis sind die 55 000 deutschen Flusskilometer in vier Gefährdungszonen eingeteilt und so analysiert worden, dass für jede einzelne Adresse das Risiko einer Überschwemmung bestimmt werden kann.

Nur in den höchsten Gefährdungsklassen Drei und Vier (das heißt Hochwasser gibt es statistisch einmal in zehn bis 50 Jahren bzw. einmal in zehn Jahren Hochwasser) verweigern die Versicherer eine Police bzw. knüpfen sie an besonders strenge Regeln wie sehr hohe Selbstbehalte und Vorsorgemaßnahmen.

Schäden durch Starkregen machen inzwischen rund 50 % der Überschwemmungsschäden aus, sagt Vorholt. Die häufigsten Schäden seien witterungsbedingte Rückstauschäden aus dem Kanalnetz, erläutert Axa-Pressesprecherin Sabine Friedrich. Das Netz könne die außergewöhnlich großen Wassermassen nicht auffangen, so dass das Wasser ins Haus drücke, was zu Überschwemmungen der Kellerräume führe. Zusätzlich verstärkt werde dieses Phänomen durch die enge Bebauung. Zudem lasse Starkregen Flüsse und Bäche oft sehr schnell und stark anschwellen und sorge damit letztlich für Überschwemmungen.

Ob der Starkregen im Zuge des Klimawandels zugenommen hat, vermag die Statistik noch nicht zu zeigen. Gleichwohl sehen Experten einen dahin gehenden Trend. Gab die SV in den sechziger Jahren durchschnittlich jährlich nur 15,3 Mio. € für Schäden aus Elementarereignissen aus (inflationsbereinigter Zehnjahresdurchschnitt), sind es inzwischen 141 Mio €, sagt Knittel.

Ganz generell mag Hedwig Telkamp, Versicherungsexpertin der Verbraucherzentrale Bayern, jedoch nicht zum Abschluss einer Elementarversicherung zur Hausratversicherung raten. Mietern empfiehlt sie, sich genau zu überlegen, inwieweit sie von den Gefahren, die eine Elementarversicherung decke (siehe Kasten), überhaupt betroffen werde könnten. Wer Wertvolles im Keller verwahre oder in einer schneereichen Region unter einem Flachdach wohne und Schneedruck fürchten müsse, dem sei dieser Schutz sicherlich eher zu empfehlen.

Gleichwohl ist sie bei Schäden aus Überschwemmung durch Rückstau eher kritisch. Ihrer Erfahrung nach zahlen die Versicherer diese nur, wenn Rückstauklappen installiert und regelmäßig gewartet werden. Damit habe man das Risiko aber schon fast selbst beseitigt. MONIKA LIER

Ein Beitrag von:

  • Monika Lier

    Monika Lier ist Diplom-Volkswirtin und freie Journalistin.

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