Altersversorgung 30.04.2004, 18:30 Uhr

Nur wenige Arbeitgeber bieten Betriebsrente

VDI nachrichten, Düsseldorf, 30.4.04 -Neben der gesetzlichen Rente ist nun auch die betriebliche Altersvorsorge (bAV) in die Schlagzeilen geraten. Nur jeder dritte Arbeitgeber gewährt gegenwärtig seinen Mitarbeitern diese Zusatzversorgung. Angesichts vieler kleiner und mittlerer Betriebe besteht die Gefahr, dass ein großer Teil der Erwerbstätigen von einer befriedigenden Versorgung im Alter ausgeschlossen bleibt.

Sprunghaft gestiegene Verwaltungskosten bei den Finanzdienstleistern, sinkende Renditen, mangelnde Absicherung und bilanzbelastende Rückstellungen machen eine Reihe von Versorgungslösungen für Arbeitnehmer wie für Arbeitgeber unattraktiv. Nachdem zunächst namhafte Konzerne ihre Betriebsrentenzusagen aufkündigen mussten, denken nun immer häufiger auch mittelständische Unternehmer über einen Rückzug aus einer unvorteilhaften bAV-Lösung nach. Ihnen wurden oftmals überdimensionierte Altersversorgungssysteme aufgehalst, die künftig nicht mehr finanzierbar sein werden. Ein Beispiel sind Gesamtversorgungszusagen, bei denen der Arbeitgeber aus betrieblicher und gesetzlicher Rente 70 % bis 75 % des letzten Gehaltes bei entsprechender Betriebszugehörigkeit garantiert. Da der Arbeitgeber damit eine Ausfallgarantie für die immer weiter sinkende gesetzliche Rente gibt, werden solche Systeme für ihn viel teurer als bei deren Einführung noch geplant.
Rechtswissenschaftler enttarnen Schutzlücken in der betrieblichen Altersversorgung: durch bestimmte Geschäftspraktiken der Finanzdienstleister wird die Flexibilisierung auf Grundlage des Betriebsrentengesetzes eingeschränkt. Zu befürchten ist, dass beispielsweise durch die Zillmerung (so wird das Verfahren zur Deckung der Abschlusskosten einer Lebensversicherung genannt) von bAV-Verträgen wesentliche Leistungen der Betriebsrente den Begünstigten verloren gehen. Dadurch werden Arbeitnehmer, die häufiger den Arbeitsplatz wechseln, im Rentenalter erhebliche finanzielle Nachteile hinnehmen müssen.
Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) legt offen, dass sich die Kosten für die Verwaltung von Pensionskassen bei den deutschen Finanzdienstleistern innerhalb von zwei Jahren im Durchschnitt mehr als verdoppelt haben.
Experten warnen, dass beispielsweise Pensionszusagen schon heute nicht mehr ausreichend rückgedeckt seien. Das bedeutet: die betriebliche Altersversorgung von Mitarbeitern mit einer Pensionszusage ist gegenwärtig im Durchschnitt nur noch zur Hälfte gesichert. Das Problem wurde vor allem von den Kapitallebensversicherungen verursacht, die wegen des niedrigen Zinsniveaus und der hohen Börsenverluste der Jahre 2001 und 2002 und deren verzögerter bilanzieller Realisierung auf Grund des geänderten deutschen Bilanzrechts jetzt nochmals ihre Gewinnbeteiligungen senken müssen.
Dafür verantwortlich, so Raymond Kudraß, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Finanzexperte beim Bundesverband mittelständische Wirtschaft, ist eine häufig vorliegende fehlerhafte Berechnung. So genannte Heubeck-Rückstellungen reichen nicht aus, eine adäquate Rentenversicherung abzubilden, falls der Betrieb ohne Pensionslasten übergeben oder veräußert werden soll. Die dramatische Absenkung der Schlussgewinnbeteiligungen von bis zu 85 % in den letzten beiden Jahren spiegelt sich noch nicht in den Rückdeckungen wider. Sie wird die Unterdeckungen erhöhen und weitere Bilanzlöcher reißen. Die drastische Senkung der Gewinnbeteiligungen von zugesagten rund 7 % bis Ende der 90er Jahre auf jetzt etwa 3 % führt zu dramatischen neuen Finanzierungslücken. Wegen des Zinseszinseffektes um so mehr, je weiter die Zusage in der Zukunft liegt.
Aufgrund der Steuerrechtsprechung, die beim Verzicht auf die Pensionszusage in Höhe des werthaltigen Teils der Zusage einen steuerpflichtigen Zufluss auf Gesellschafterebene annimmt – ohne dass entsprechende Liquidität vorhanden ist oder verrechenbare Verluste gegengerechnet werden können – lässt sich die Unterfinanzierung ab einem gewissen Alter nicht mehr beheben.
Das Thema der Unterfinanzierung der betrieblichen Altersversorgung des Unternehmers muss daher so früh wie möglich angegangen werden. Dieses Problem ist die eigentliche Zeitbombe bei den 300 000 bis 700 000 mittelständischen Unternehmen, die in den nächsten fünf bis zehn Jahren im Rahmen der Unternehmernachfolge übergeben werden sollen.
Nach Ansicht von Sachkennern behinderten bislang eine Reihe unrealistischer Konzepte den Durchbruch der Betriebsrenten in Deutschland. Der Verband Betriebliche Versorgungswerke bemängelt darüber hinaus eine häufig unzureichende Beratungsleistung der Vermittler. Sinnvolle Konzepte für die Zukunft sind gefragt, die auch unter steuerlichen Gesichtspunkten dem Unternehmen dauerhafte Vorteile bieten und vor allem Rechtssicherheit garantieren. So sind finanzkonzernunabhängige Spezialisten jetzt gefordert, die Vor- und Nachteile der einzelnen Durchführungswege sowie deren Rückdeckungen und Kapitalanlagen im Betrieb zu durchleuchten um mögliche Auswege zu finden. R. GEILING

 

  • R. Geiling

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