Altersversorgung 15.02.2002, 17:32 Uhr

Nicht jede Riesterrente ist allererste Sahne

Tausende Produkte, verschiedenste Anlageformen, Umschreibung alter Verträge – bei der Riesterrente blicken nur noch Insider durch. Worauf sollte man achten, bevor man einen Vertrag unterschreibt? Eine kleine Einführung.

Dass es bei Tchibo nicht nur Kaffee, sondern auch Kochtöpfe und Unterwäsche, gibt, ist bekannt. Doch jetzt gibt es dort auch die Riester-Rente. Die Kölner Axa-Versicherung verkauft bei dem Kaffeeröster ein standardisiertes Riesterprodukt, das deutlich billiger sein soll als andere.

Während die meisten Offerten mit Kosten von 17 % und mehr belastet seien, so der Versicherer, seien es bei der Tchibo-Rente lediglich 7 %. Allzu große Angst vor Etikettenschwindel braucht der Policenkäufer dabei nicht zu haben. Schließlich handelt es sich bei dem Angebot der Axa um eine vom Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen zertifizierte Rentenversicherung, die vorgeschriebenen Kriterien genügen muss.

Rund 3400 Riester-Produkte hat das Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen inzwischen zertifiziert. Dahinter steckt jedoch nicht mehr als etwa eine Hand voll unterschiedliche Sparvarianten (siehe Tabelle).

Die „Riester-Rente“ unterscheidet sich von den sonst üblichen fondsgebundenen Rentenversicherungen unter anderem durch die „Geld-zurück-Garantie“. Während der Kunde bei den traditionellen fondsgebundenen Rentenversicherungen in der Regel keine Garantien auf sein Spargeld erhält und bei der klassischen Rentenversicherung einen Garantiezins von 3,25 %, bekommt er bei der Riester-Rente mindestens seine eingezahlten Beiträge zurück.

Nachteil der „geriesterten“ Rentenversicherung: das Ersparte wird auf jeden Fall in eine lebenslange Rentenversicherung umgewandelt. Andere Rentenversicherungen lassen dem Kunden meist die Wahl, sich die Summe auch auf einen Schlag auszahlen zu lassen.

Der Todesfallschutz ist bei den Riester-Renten in der Regel auf die eingezahlten Beiträge beziehungsweise auf das Fondsguthaben begrenzt. Auch bereits bestehende Lebens- und private Rentenversicherungen können in eine Riester-Rente umgetauscht werden. Steuerlich gesehen wird es dabei jedoch kompliziert.

Wer in eine traditionelle private Rentenversicherung einzahlt, wendet die Beiträge aus seinem bereits versteuerten Gehalt auf. Im Alter wird dann nur der Ertragsanteil der Rente versteuert, bei einem 65-jährigen etwa 27 %.

Anders bei der Riester-Rente. Sie muss voll versteuert werden muss. Zum Ausgleich gibt es die staatliche Zulage und den erweiterten Sonderausgabenabzug. Für gut verdienende Angestellte mit hoher Steuerprogression ist diese Variante wenig attraktiv. Sie können während der Ansparphase zwar die Zulage und die Steuererleichterung nutzen, zahlen aber im Alter über eine höhere Steuerbelastung drauf.

Die traditionelle Versicherung ermöglicht außerdem – anders als die Riester-Rente – ein freies Vererben oder auch den ungehinderten, steuerfreien Verbrauch des Geldes bei Ablauf des Vertrages. Erhebliche Nachteile bringt die Riester-Rente schließlich für alle diejenigen, die ihren Lebensabend im sonnigen Süden verbringen wollen. Rentner, die Deutschland dauerhaft hinter sich lassen wollen, müssen die staatlichen Zulagen auf Heller und Pfennig zurückzahlen.

Die staatliche Förderung erhalten nicht nur lebenslange Renten, sondern auch Auszahlpläne, die bei Eintritt in den Ruhestand 20 % des Angesparten auf einen Schlag gewähren. Weitere 20 % kann der Kunde in flexiblen Raten abrufen. Diese Auszahlpläne mit variablen Zahlungen sind bei den Fondsgesellschaften zu haben.

Meist werden die Beiträge überwiegend in Aktienfonds angelegt, weil diese Fonds die höchsten Ertragschancen bieten. Nach und nach investiert der Fondsmanager oder der Anleger in schwankungsarme Rentenfonds, um das Vermögen gegen Verluste zu sichern. Wer sich für eine Fondsvariante entscheidet, kann je nach Vertrag über die Auswahl der Fonds selbst entscheiden und sein Vermögen während der Laufzeit je nach Börsenphase umschichten. Nachteil: diese Offerten sind nicht ganz so bequem wie klassische Rentenversicherungen.

Riester-Renten gibt es schließlich auch als Banksparplan. In diesem Fall werden die eingezahlten Gelder entweder fest oder variabel verzinst. Damit erhält der Kunde einerseits eine Kapitalgarantie und andererseits eine Mindestverzinsung. Insgesamt also eine besonders hohe Sicherheit, der jedoch geringere Ertragschancen gegenüberstehen.

Wer will, kann die anfallenden Zinserträge bis zum Beginn der Auszahlungsphase in förderfähige Investmentfonds anlegen. Zu Beginn der Auszahlungsphase wird das Vermögen entweder in eine sofort beginnende Rentenversicherung eingezahlt oder dem Kunden in Raten ausgezahlt.

Welches Riester-Produkt das richtig ist, hängt vor allem von der Risikobereitschaft des Kunden und von seiner persönlichen Situation ab. Fondsgebundene Produkte bieten höhere Ertragschancen, dafür aber weniger Sicherheit. In schlechten Börsenzeiten gibt es schlimmstenfalls nur die Einzahlungen zurück. E. DOLLE-HELMS

Anlageformen für Riesterrenten im Vergleich

Anlageform Klassische Rentenversicherung Fondsgebundene Rentenversicherung Fondssparplan Banksparplan
Merkmale Sparen plus Todesfallschutz
Versicherer investiert risikoarm
lebenslange Rente
Fondssparen plus Todesfallschutz
unterschiedliche Anlagemöglichkeiten
lebenslange Rente
Fondssparen ohne Versicherungsschutz
unterschiedliche Anlagemöglichkeiten
Teilauszahlungen möglich
Sparen mit variablem oder
festem Zins ohne Versicherungsschutz
Vorteile Hohe Sicherheit, Versicherungsschutz
Berufsunfähigkeitsschutz möglich, Fondswechsel möglich
bequeme Anlage Berufsunfähigkeitsschutz möglich
Chance auf hohe Erträge, Kapitalgarantie
Renditechancen, Fondswechsel möglich
Kapitalgarantie, keine Kosten für Versicherungsschutz
Flexiblere Auszahlung, höhere flexiblere Auszahlung, bequeme Anlage
keine Kosten für Versicherungsschutz
Sehr hohe Sicherheit
Nachteile Vermutlich niedrigere Rendite
Zwang zur lebenslangen Rente
Geringere Sicherheit, Mitwirken des Kunden (Fondsauswahl), Zwang zur lebenslangen Rente Geringere Sicherheit, Mitwirken des Kunden (Fondsauswahl) Vermutlich niedrigere Rendite

 

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