Beratung 10.11.2006, 19:24 Uhr

Mit der Scheidung geht“s finanziell bergab  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 10. 11. 06 , elb – Jeder zehnte Bundesbürger ist überschuldet – Tendenz steigend. Am höchsten ist die Schuldnerquote in Bremen und Berlin. Das geht aus dem SchuldnerAtlas 2006 hervor, den die Neusser Wirtschaftsauskunftei Creditreform jetzt vorgestellt hat. Wirksame Hilfe leisten zwar Schuldnerberater, aber deren Listen sind lang und 18 Monate Wartezeit keine Seltenheit.

Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen steigt in Deutschland. Allein im ersten Halbjahr 2006 wurden 43 600 Anträge auf Verfahrenseröffnung gestellt (+ 50 %). Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs. Verschuldet sind insgesamt 3,4 Mio. Haushalte oder 7,2 Mio. Bundesbürger – überwiegend Männer. Professor Helmut Rödl, Vorstand der Creditreform, bei der Vorstellung des SchuldnerAtlas 2006: „Ein Grund dafür ist, dass Männer in vielen Familien noch der Haushaltsvorstand sind, der für Verbindlichkeiten gerade zu stehen hat, aber wir haben auch festgestellt, dass Frauen mit ihren Verpflichtungen sorgfältiger umgehen und sich dabei als das stärkere Geschlecht erweisen.“

Bedenklich stimmt Rödl, dass die Überschuldeten immer jünger werden. Zwar seien die meisten Verschuldeten bei den 40- bis 49-Jährigen zu finden, aber es habe 2006 deutliche Anstiege bei den unter 20-Jährigen bis 29-Jährigen gegeben. Viele von ihnen seien über ihre Handys gestolpert.

Betrachtet man die Überschuldens-Situation unter dem Aspekt West-/Ostdeutschland zeigen sich keine großen Unterschiede: Die Schuldnerquote liegt in den neuen Bundesländern bei 11,35 % und im Westen nur geringfügig niedriger bei 10,55 %. Im Bundesländer-Vergleich liegt Bayern mit nur 7,7 % auf Platz 1, gefolgt von Baden-Württemberg und Sachsen. Schlusslichter sind Sachsen-Anhalt, Berlin und Bremen mit sogar 15,3 % Schuldnerquote. Rödl: „Generell gilt, dass die Schuldnerquoten in Ballungsräumen höher sind als in ländlichen Regionen.“

Trennung, Scheidung, Arbeitslosigkeit und ein zu sorgloser Umgang mit Konsumentenkrediten – 30 Mrd. € aus offenen Rechnungen gelten derzeit in Deutschland als nicht mehr realisierbar – sind einige Gründe, die Menschen in den Ruin treiben. Rödl: „Aus Verschuldung wird Überschuldung, dann kommt die Verarmung. Die Folge ist, dass diese Menschen und ihre Familien nur sehr begrenzt am normalen wirtschaftlichen und sozialen Leben teilnehmen können.“ Auch gescheiterte Selbstständigkeit ist einer der Überschuldungsgründe. Michael Bretz von der Creditreform: „Viele Existenzgründer sind darunter, wie zum Beispiel Ich-AGs, die aus der Arbeitslosigkeit heraus gegründet wurden.“

Hilfe bietet Betroffenen die Schuldnerberatung. Analysen zeigen, dass sie wirkt. Allerdings hat nach Angaben der Verbraucherzentralen nur jeder achte Überschuldete überhaupt die Möglichkeit, diese Beratung zu nutzen. Es gibt zu wenige und die Wartelisten sind lang. Viele Schuldner warten bis zu anderthalb Jahre auf einen Termin. Unter drei Monaten Wartezeit läuft nichts. „Dabei hat“, so Rödl, „eine Untersuchung aus dem Jahr 2003 beispielsweise für das Land Berlin ergeben, dass 1 €, den das Land in die Schuldnerberatung investiert, mindestens 2 € Ersparnis bei Sozialausgaben bringt.“

7,2 Mio. Bundesbürger sind überschuldet. Ein Tropfen auf den heißen Stein sind da die 243 000 Verbraucher- insolvenzverfahren, die mit dem Ziel der Restschuldbefreiung seit 1999 eröffnet wurden. Sechs Jahre muss der Schuldner Wohlverhalten zeigen, d. h. darf sich nicht weiter verschulden und muss sein Einkommen, das über der Pfändungsfreigrenze liegt, an einen Treuhänder abführen. Dieser versucht, die Gläubiger zumindest mit einer minimalen Quote zu befriedigen. Dem Schuldner werden dann nach Ablauf der sechs Jahre seine restlichen Schulden erlassen.

Erste Erfahrungsberichte über die Privatinsolvenzen der ersten Generation und Infos darüber, auf wie viel Prozent ihrer Forderungen die Gläubiger letztendlich sitzen geblieben sind, wird es laut Crediterform dann zum Jahresende geben.

RENATE ELBERS-LODGE

Von Renate Elbers-Lodge
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