Kreditwirtschaft 26.05.2006, 19:22 Uhr

Mit einer Karte durch ganz Europa  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 26. 5. 06, elb – Wer mit einer deutschen EC-Karte in einem italienischen Kaufhaus bezahlen möchte, wird nicht selten abgewiesen, ein Paket von Island nach Rom ist schneller am Ziel als eine Überweisung. Damit sich das ändert, setzt der European Payments Council (EPC), ein Gremium der europäischen Kreditwirtschaft, jetzt auf Sepa (Single European Payment Area). Es soll den europäischen Zahlungsraum spätestens bis 2010 vereinheitlichen.

Südtirol gehört zu den beliebtesten Urlaubszielen der Deutschen. Doch in diesem Sommer wird es noch nicht funktionieren, die heimische Debitkarte, die frühere EC-Karte, dort ebenso günstig einzusetzen wie daheim. Doch im nächsten Jahr soll es so weit sein. Die deutsche Kreditwirtschaft, in solchen Fragen zusammengeschlossen im Zentralen Kreditausschuss (ZKA), hat mit den beiden genossenschaftlichen Instituten Raiffeisen Landesbank Südtirol und Südtiroler Volksbank verabredet, die jeweils ausgegebenen Debitkarten der direkten, bilateralen Abwicklung zu unterstellen. Die beiden Südtiroler Institute betreiben zusammen gut 290 Filialen in der Region. „Wir können bessere Konditionen anbieten“, sagte Zenone Giacomuzzi aus der Geschäftsleitung der Raiffeisen Landesbank Südtirol bei einem Besuch in Frankfurt.

Urlauber aus Deutschland werden also von 2007 an ihre Debitkarten häufiger einsetzen können. Denn besser werden die Konditionen vor allem für Südtiroler Händler, die Debitkarten aus Deutschland beim Einkauf akzeptieren und dabei bisher relativ teure Abrechnungskosten hinzunehmen hatten. Das mögen auch deutsche Händler nicht. Deshalb sind in Deutschland nur 35 % der Electronic-Cash-Terminals für das internationale Abrechnungssystem Maestro geöffnet: Ausländische Debitkarten werden aus Kostengründen eben in ganz Europa nicht gern gesehen.

Denn die Zahlungsströme, die sie auslösen, mussten bisher über das Maestro-Abrechnungssystem von Mastercard abgewickelt werden. Dieses Monopol wird in Bälde zwar gelockert durch einen zweiten Anbieter, V-Pay von Visa. Doch viel Entlastung scheinen sich die Banken davon nicht zu versprechen. Bis zu 30 % der Kosten für grenzüberschreitende Zahlungen, glauben sie, ohne Maestro einsparen zu können. Deshalb suchen sie einen anderen, direkten Weg der bilateralen Abwicklung. Und dies nicht nur mit Südtiroler Banken.

Der ZKA hat ähnliche Absichtserklärungen wie mit den Südtirolern auch mit dem Betreiber des portugiesischen Debitzahlungssystems Multibanco unterzeichnet und mit der in Brüssel ansässigen Eufiserv, die unter diesem Namen ein Netzwerk von Geldautomaten in 13 europäischen Ländern betreibt. Mit der Euro6000 S.A. aus Spanien, ein Akzeptanzsystem von 35 spanischen Sparkassen, sollen die Absichtserklärungen bald ausgetauscht werden. Was sich wie ein Flickenteppich anhört, lässt Fachleute ins Schwärmen geraten. „Einer der wichtigsten Meilensteine in der Entwicklung des europäischen Kartenmarktes der letzten 15 Jahre“, versichert Hubert Piel, Vorstand des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken und derzeit Federführer im ZKA.

Der technische Aufwand für den einheitlichen europäischen Zahlungsraum ist immens. Analysten der Unternehmensberatung Steria Mummert schätzen ihn auf 8 Mrd. € bis 10 Mrd. €. Dass Politik und Europäische Zentralbank dennoch diesen Aufwand einfordern, wird verständlich, wenn man weiß, dass ein Paket von Island nach Rom schneller am Ziel ist als eine Überweisung. Etwa 60 Mrd. Geldtransaktionen gebe es in der Sepa-Region jährlich, weiß Mummert-Berater Ralf Baust, sei es durch Karteneinsatz oder durch Rechnungen, die Ex- und Importe erzeugen.

Steria Mummert vermutet, dass Sepa den Banken „fundamentale Veränderungen“ bescheren wird. Zu den Umstellungskosten von bis zu 10 Mrd. € kämen noch sinkende Wertstellungsgewinne hinzu und ebenso Einnahmeausfälle, weil in einem einheitlichen Zahlungsraum „theoretisch“ ein Konto genüge, um den täglichen Ausgleich im europäischen Zahlungsverkehr zu bewerkstelligen. So würden den Banken mit den Konten auch Kontogebühren abhanden kommen. „Das wird sie ganz nachhaltig beeinträchtigen“, sagt Steria-Mummert-Berater Fritz Moser und denkt sogar an Fusionen als Folge des Kostendrucks.

Zumindest, so sagt Moser voraus, würden sich die Banken veranlasst sehen, den Zahlungsverkehr an Spezialanbieter auszulagern. Dies ist zum Teil schon geschehen. So besorgt die Postbank seit zwei Jahren das Zahlungsverkehrsgeschäft für Deutsche und Dresdner Bank. Auch neue Anbieter seien auf diesem Markt denkbar, Telekomunternehmen etwa, meint Baust. Schon jetzt gingen Großunternehmen zu ihren Banken und wollten wissen, was die 100 000 Auslandszahlungen der nächsten Woche kosteten. Und es werde die Zeit kommen, so Baust, dass die Unternehmen fragten, was sie denn von den Banken bekämen, wenn sie ihnen den Auftrag für solche Zahlungsvorgänge überließen. Denn für die Banken werde der Zahlungsverkehr zunehmend zu einem Vertriebs- und Akquisitionsinstrument, etwa für das Liquiditäts- und Cashmanagement.

MICHAEL BRAUN

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  • Michael Braun

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