Finanzierung 29.08.2013, 11:00 Uhr

Mezzanine-Kapital bleibt für Familienunternehmen attraktiv

Nach dem Hype in den Jahren vor der Finanzkrise ist es um Mezzanine-Kapital ruhiger geworden. Die Mischform zwischen Eigen- und Fremdkapital hat sich verteuert, ist aber nicht gänzlich vom Markt verschwunden. Für wachstumsstarke Mittelständler besitzt sie nach wie vor ihren Reiz.

„Heute bieten Banken nur noch individuelles Mezzanine-Kapital an, also auf den jeweiligen Kunden zugeschnittene Lösungen“, erklärt Markus Becker-Melching, Mitglied der Geschäftsführung des Bankenverbands BdB. Die individuellen Angebote sind allerdings in der Regel teurer als Standard-Mezzanine, das zwischen 2004 und 2007 von privaten Instituten und vielen Landesbanken vergeben wurde. Damals lagen die Zinsen für Mezzanine-Kapital unter 6 %.

„Die günstigen Konditionen waren unter anderem darauf zurückzuführen, dass die Standardlösungen mit Kostenvorteilen einhergingen. Außerdem sah man damals die Risiken noch nicht so deutlich. Mittlerweile sind sie eingepreist“, so Becker-Melching weiter.

Standardprogramme laufen 2014 aus

Standard-Mezzanine-Kapital wurde in der Regel verbrieft und als Wertanlage verkauft. „Mit der allgemeinen Krise des Verbriefungsmarktes kam jedoch auch der Markt für verbrieftes Mezzanine zum Erliegen. Geplante Programme wurden seitdem nicht mehr platziert,“ erläutert der Finanzexperte.

Die Standardprogramme laufen 2014 aus. Da es den Markt in dieser Form nicht mehr gibt, können Firmen auch keine artgleiche Anschlussfinanzierung mehr abschließen. Ein gesamtwirtschaftliches Problem sieht Margarita Tchouvakhina, Abteilungsdirektorin in der volkswirtschaftlichen Abteilung der KfW, darin aber nicht. „Eine Studie, die wir im 2011 gemeinsam mit dem BdB durchgeführt haben, kam zu dem Ergebnis, dass Standard-Mezzanine wegen seines doch recht geringen Umfangs im Mittelstand keine große Bedeutung hat.“

Nur 0,2 % aller deutschen Mittelständler haben danach Kapital aus Mezzanine-Programmen erhalten. Beim größeren Mittelstand lag der Anteil bei 1 %. Nur bei maximal 140 Unternehmen, die Standard-Mezzanine genutzt hatten, erwartete die Studie vor zwei Jahren Probleme bei der Anschlussfinanzierung. 

Kein Selbstläufer

Seitdem hat sich die Finanzierungssituation in Deutschland weiter verbessert, wie eine breit angelegte Unternehmensbefragung zeigt, die die KfW und große Wirtschaftsverbände kürzlich durchgeführt haben.

Mezzanine hat aber auch in Zeiten historisch niedriger Kreditzinsen noch seine Berechtigung. „Gerade für Familienunternehmen kann es interessant sein, da Mezzanine-Kapital die Eigenkapitalbasis verbreitert, ohne dass Mitspracherechte abgegeben werden müssen“, erklärt Becker-Melching. Auch stark expandierende Unternehmen könnten von einem höheren Eigenkapital profitieren. Allerdings sieht der Experte Mezzanine nicht als Selbstläufer: „Für ein Unternehmen macht die Aufnahme von Mezzanine-Kapital nur dann Sinn, wenn es über eine günstige Wachstumsprognose und einen stabilen Cashflow verfügt, um die Zinsen bezahlen zu können. Es sollte bereits während der Laufzeit weiteres Eigenkapital aufbauen. Außerdem muss es sich Gedanken machen, wie die Finanzierung am Ende der Laufzeit abgelöst werden kann.“

Die gesamte Summe muss dann nämlich auf einen Schlag zurückgezahlt werden. Außerdem fallen Vergütungen an, die je nach Vertragsgestaltung während oder am Ende der Laufzeit bedient werden müssen. Die Kosten für Mezzanine-Kapital sind dabei deutlich höher als für Firmenkredite. Bei den Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften (MBG), die sich mit Beträgen zwischen 50 000 € und 3 Mio. € engagieren, liegen die Sätze etwa zwischen 8 % und 12 %. Sie setzen sich aus einem festen und einen gewinnorientierten Anteil zusammen.

Viele Banken und Sparkassen bieten individuelles Mezzanine-Kapital an

„Der höhere Satz liegt an dem Ausfallrisiko, dem erhöhten Verwaltungsaufwand und an den Kosten für die Mittelbeschaffung“, erklärt Milos Stefanovic, Geschäftsführer der MBG Berlin-Brandenburg. Die privatwirtschaftlich organisierten MBGs sind in allen Bundesländern aktiv. Aktuell beteiligen sie sich mit 1,2 Mrd. € an etwa 3300 Unternehmen.

Auch viele Banken und Sparkassen bieten ihren Kunden individuelles Mezzanine-Kapital an. Daneben mischen auch Landes-Förderbanken mit. „Förderbanken engagieren sich insbesondere im kleinvolumigen Bereich, weil das Angebot an Nachrangdarlehen und stillen Beteiligungen durch Private unzureichend ist. Bei diesem standardisierten Geschäft sind die Konditionen in der Regel günstiger, jedoch gelten im Fördergeschäft die strengen Regeln des europäischen Beihilferechts“, erklärt Beate Siewert, Abteilungsdirektorin beim Bundesverband Öffentlicher Banken (VÖB). 

Ein Beitrag von:

  • Sabine Philipp

    Sabine Philipp arbeitet seit 2004 als freie Journalistin. Ihre Schwerpunkte liegen in den Bereichen Technik, Industrie und Wirtschaft.  In ihren Artikel befasst sie sich gerne mit der praktischen Umsetzung von innovativen Technologien und Gesetzesvorgaben.

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